Das Kreuz an meiner Halskette

gestellt von Atze am 25. Juli 2019

Sehr geehrter Herr Muslinsky,
meine Frage handelt vom Tragen einer Kreuzkette. Viele Menschen tragen diese Ketten, auch wenn sie Sünden begehen, wie z.B. sich zu prügeln oder Straftaten begehen. Ist es rechtens diese dann zu tragen oder sind die Ketten eher für Menschen bestimmt, die relativ frei von Sünde sind?

Lieber Fragesteller,

es gibt über Schmuckanhänger kein Gesetz oder Gebot. Das Kreuz ist ein "freies Zeichen". Jede/jeder, der es auf der Kleidung oder als Schmuck trägt, übernimmt selbst die Verantwortung für den Symbolghehalt.

Das Zeichen des Kreuzes ist nicht von Beginn an das Zeichen der Christen gewesen, sondern entwickelte sich mit dem Christentum, als das eine Staatsreligion wurde - im 4. Jahrhundert. Seitdem ist das Kreuz auch als Zeichen für Dinge gebraucht worden, die wir heute als sehr "unchristlich" ansehen: Kreuzzüge mit Kreuzrittern, Kriege oder Terror im Namen der Christianisierung, Mission im Rahmen von Kolonisation. All das hat über die Jahrhunderte Menschen nicht abgeschreckt, das Kreuzzeichen als Schmuck zu tragen. Nur sehen Sie daran, wie entgegengesetzt das oft interpretiert wird.

Heute ist ein Zeichen wie das Kreuz für die Modeindustrie ausgesprochen interessant. Mir fiel beim Schreiben der Antwort an Sie sogar ein junges, deutsches Modelunternehmen ein (das ich hier natürlich nicht namentlich nennen werde), das das Kreuz in seinem Label trägt. Auf der Homepage des Labels wird das Kreuz als "Seefahrersymbol" und unter der Überschrift "Wir glauben, lieben, hoffen" aufgeführt. Sie sehen - das Kreuz ist das erfolgreichste Branding der Menschheitsgeschichte. Das Christentum wird es nicht "schaffen", dieses Zeichen für sich zu reservieren, geschweige denn, Verhaltensregeln damit zu verbinden.

Aber noch viel mehr, als "schwammige, geheimnisumwehte Andeutung", mit der Modelables das Zeichen einsetzen, wird wohl die Gleichgültigkeit über den Gehalt dieses Symbols dominieren. Ich wuchs in der DDR auf und in den frühen achtziger Jahren war ich in meiner Schulklasse die einzige evangelische Christin. Einige Mädchen meiner Klasse trugen eine Kreuzkette und reagierten auf jegliche Nachfragen irritiert bis ratlos. Sie fanden das einfach schick. Und es machten viele, also auch sie.

Ich schlage Ihnen vor, ihre Frage wach zu halten. Ich finde sie berechtigt - wenn man auch nicht als "Zeigefinger" durch die Welt gehen sollte. Fragen Sie ruhig - wenn Sie die Gelegenheit dazu haben - Träger und Trägerinnen solcher Ketten nach ihren Gedanken dazu. Ich bin sicher, Ihre "Sammlung" der Antworten wird kurios.

Herzliche Grüße

Veronika Ullmann

 

 

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Kommentare

Guten Tag,
Meine Betreff liegt bei der Taufe. Ich bin 13 Jahre alt und möchte in die evangelische Kirche eintreten, was wiederum ein Teil meiner Eltern nicht möchte. Da mein Wille dazu aber groß ist, bitte ich um Rat, was ich tun könnte. Ich bedanke mich für jede Antwort. Mit freundlichen Grüßen Jana :)

Hallo Jana, mit 14 kannst du selbst entscheiden, ob du in die Kirche eintreten und dich taufen lassen möchtest. Die Entscheidung zur Taufe setzt eine längere Auseinandersetzung mit dem Glauben voraus, z.B. durch den Konfirmandenunterricht oder durch einen Taufunterricht. Es ist natürlich schwierig, wenn deine Eltern das nicht möchten. Es ist zwar deine Entscheidung, aber mit ihnen reden wirst du wohl dennoch tun müssen. Vielleicht verstehen sie deine Gründe und du ihre. Liebe Grüße!

Hallöchen meine Frage wäre..
Ich möchte bei der Konfirmation teilnehmen, aber bin noch nicht getauft... und mein zweites Problem wäre: ein Elternteil möchte nicht, dass ich der Kirche beitrete. Ich bin bereits 14 ... kann mir jemand zu helfen?

Hallo Julia, mit 14 darfst du selbst entscheiden, welchen Glauben du angehören möchtest. Du bist dann religionsmündig. Du kannst beim Konfirmationsunterricht deiner Gemeinde teilnehmen. Oft nehmen einige daran teil, die noch nicht getauft wurden. In der Zeit des Konfirmationsunterrichts findet dann auch die Taufe statt. Trotzdem wirst du darüber mit deinen Eltern reden und eine Lösung finden müssen. Ich hoffe, dass sie deine Entscheidung verstehen können! Liebe Grüße!

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