Kann ich die Nähe eines Engels spüren?

Gefragt von Maria Leonor Escalero Vara
Engel im Alltag

©Hulki Okan Tabak/Unsplash

Hallo Frau Barke, letztes Jahr war ich bei der Ausstellung "Der Engel" und da war ich ganz nahe bei Michael. Mir ist heute aufgefallen, dass ich irgendwie seine Nähe gespürt habe. Kann das sein dass er mir sehr nahe war? Das vermute ich als sein Schützling, als geborene Deutsche, da er auch Deutsche beschützt. Wenn du mir eine Antwort gibst, bleibe bitte beim Thema. Danke. Schöne Grüße aus Spanien. Maria Leonor

Liebe Maria,

liebe Grüße nach Spanien! Das ist eine äußerst besondere Erfahrung, die du gemacht hast: du hast einen Engel gespürt. Du bist unsicher, ob das so möglich ist. Da kann ich Dir unbedingt sagen: das ist möglich. Im Laufe der Jahrtausende haben immer wieder Menschen diese Erfahrung gemacht. Manche Berichte davon sind in der Bibel zu lesen, manche in christlichen Geschichten und Legenden, und heutzutage steht auch vieles in Büchern oder auf privaten Internetseiten. Ja, das ist etwas sehr Kostbares, dass dir genau das passiert ist.

Diese Erfahrung ist nicht selbstverständlich und nicht alltäglich. Natürlich kann und darf ich als Außenstehende nicht beurteilen, ob es „wirklich so war“. Aber es ist unbedingt möglich. Bleibe doch im Gebet mit Gott, und wenn das deiner Glaubenspraxis entspricht, mit dem Erzengel Michael. Für katholische Christen ist so ein Gebet zu einem Engel ja Teil des Glaubenslebens. Vielleicht ist das bei dir auch so?

Wir haben immer wieder Fragen auf evangelisch.de zu Engeln. Schaue dich gern dazu auf unserer Seite um, gib dazu im Suchfeld rechts oben das Suchwort „Engel“ ein.

Ich würde dich am liebsten fragen, wie diese Erfahrung für dich war. Fandest du es schön, oder war es auch seltsam? Es ist auch die Frage, ob du es in Worte fassen kannst – vielleicht übersteigt es unsere menschlichen Worte. Und es gibt auch Erfahrungen mit Gott, die sollten nicht herausposaunt werden; das spüren die Betroffenen dann genau. Auch die Bibel kennt das, und dann beschreibt sie solche Erlebnisse nur in Symbolen. Vielleicht fühlst du dich jetzt gestärkt? Oder geschützt? Das wünsche ich dir von Herzen.

Ich finde es berührend, dass du durch ein Gemälde oder eine Skulptur eines Engels diese Erfahrung gemacht hast. Bilder sprechen ja wirklich den ganzen Menschen an, und das was auf ihnen dargestellt wird, wird dann allein durchs Anschauen zum Teil des eigenen Lebens. Ich weiß ja nicht, in welcher Ausstellung du warst, es gibt immer wieder welche. Nur man muss man derzeit drauf schauen, ob und wie sie aufgrund der Corona-Bedingungen zugänglich sind. Zum Beispiel die Ausstellung "Engel oder kann das weg?" im Kloster Marchtal und in Marbach und die Ausstellung "Engel" Würzburg-

Etwas Besonderes ist auch, dass du dich gerade mit dem Erzengel Michael – also einem der Hauptengel beschäftigt hast. Wie du sagst: Er ist traditionell der Schutzheilige der Deutschen. Oft wird er im Kampf gegen einen Drachen dargestellt. Das kommt daher, weil er u.a. in der Offenbarung des Johannes 12,7-9 erwähnt wird. Hier besiegt er sogar Satan selbst: Er stürzt diesen auf die Erde hinab. In der Geschichte des Christentums war er erst Schutzpatron des Ostfrankenreichs und später ganz Deutschlands. Viele deutsche Kirchen haben ihn als Schutzpatron – die berühmteste ist wohl die Hamburger Evangelische Hauptkirche St.Michaels, liebevoll "der Michel" genannt. Sie liegt in der Nähe des Hamburger Hafens und man hört schon das Kreischen der Möven und riecht förmlich den Durft der Freiheit.

Der Erzengel Michael steht er für göttliche Stärke. Diesen Glauben teilen Christentum, Islam und Judentum (im Letzteren ohne göttliche Attribute). In allen drei Religionen werden auch Kinder oft bewusst so genannt: Michael, Michaela, Mikail, Michele … Es ist einer der am meisten verbreiteten Namen in der jüdischen, christlichen und arabischen Welt. Die Eltern wünschen mit der Namensgebung ihren Kindern, dass sie stets Kraft und Stärke verspüren, auch in schwierigen Situationen.

Und am Schluss möchte ich dir noch sagen, dass manche Menschen Erfahrungen mit Engeln machen, und sie nicht in ihrer biblisch erzählten Form erleben. So beschreibt es ein berühmtes Gedicht von Rudolf Otto Wiemer::

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht,
der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein,
der Engel.
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein –
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

Es grüßt dich herzlich Pamela Barke

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