Pfarrerinnen - berufen?

Gefragt von Henning

Hallo, natürlich war die erste Pfarrerin in der evangelisch-lutherischen Kirche in Württemberg erst in 1968 berufen worden. Was aber, wenn die Aussage im Betreff dennoch "wahr" ist. Gab es eine Frau die der Lehre von Luther folgte (Sola Fide, Die Doktrin der Zwei Reiche), aber schon in der Protestantischen Kirche der Methodisten in Württemberg in 1913 ordiniert wurde (eher inoffiziell). Was macht eine "Berufung"; aus? Was definiert eine Pfarrerin? Meiner Ansicht nach muss diese Frau Erwähnung finden. Unter den Methodisten wurden schon im 19. Jh. Frauen ordiniert. Es gab da schon eine Tradition. Anfang des 20. Jh. setzte sich die methodistische Kirche in Württemberg hauptsächlich aus Menschen zusammen die zurückgezogen waren aus USA und England.

Lieber Henning,

zu der von Dir beschriebenen methodistischen Pfarrerin aus dem Jahr 1913 finde ich aufs Erste keine Angaben. Vielleicht magst Du berichten, was Du von ihr weißt, und wo Du die Informationen gefunden hast? Die erste ordentliche Pfarrerin war, nach Einsätzen von Fraue in kriegsbedingt vakanten Gemeinden, Lenore  Volz in Bad Cannstatt, im Jahr 1968.

Und ja, die Geschichte der Frauenordination ist schon immer eine bewegte gewesen, und sie bewegt sich bis heute – und zwar in beide Richtungen, pro und contra (Bsp.: Polen).

Immer geht es um die Frage, ob das, was die Bibel als Berufung bei vielen Menschen schildert, beiden Geschlechtern zugestanden wird: ein Mensch wird mitten in seinem Lebensalltag vom Auftrag Gottes berührt, sein Sprachrohr zu sein (oder ihr – da geht die Frage gleich weiter… aber das ist wieder ein anderes Thema…) und Gottes Botschaft zu verkündigen.  In aller Unvollkommenheit, in allem Erschrecken ob der Bürde der Aufgabe. Also wie bei Moses (2. Mose 3,11: Mose sprach zu Gott: „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?“ 12 Er sprach: „Ich will mit dir sein.“), beim Propheten Jeremia (Jer 1,4-10: "Und des HERRN Wort geschah zu mir: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“ Ich aber sprach: „Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ Der HERR sprach aber zu mir: „Sage nicht: ‚Ich bin zu jung‘, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR“. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.") und bei Petrus (Mt 16,18: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen , und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen).
 
Und, die zweite, damit verbundene große Frage: wie mit den Bibelstellen umzugehen ist, die der Frau das Rederecht in der Gemeinde verweigern:  1Tim 2,12  und 1. Kor 14,33b-35 „Wie in allen Gemeinden der Heiligen 34 sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.“
 
Die evangelische Landeskirchen in Deutschland und auch wenige andere freie Gemeinden wie die Methodisten haben dies so beantwortet: die biblischen Aussagen sind zeitgeschichtlich zu deuten; wer einer Berufung von Frauen im Wege steht, verhindert wichtige Zeuginnen des Wortes Gottes. Darum wurde dort den Frauen nach Jahrhunderten die gleichen theologischen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten eingeräumt wie den Männern.
 
Einen instruktiven Beitrag zur Frage der Berufung findet man hier. Er setzt sich insbesondere mit der Berufung Jeremias auseinander:  Predigt: Über Beruf und Berufung
 
Mit herzlichen Grüßen
Pfarrerin Pamela Barke

 

 

 

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