Lieber Herr Wörlen,
ich will Ihre Frage gern beantworten. Da ich Ihnen zu Beginn der Antwort eher zustimmen möchte, bitte ich Sie unbedingt bis zum Aber und darüber hinaus bis zum Ende der Antwort zu lesen.
Sie fragen mich nach meiner persönlichen Einschätzung zum Wort Pfarrperson. Ich mag das Wort nicht sehr. Es kommt mir nur schwer über die Lippen oder in die Feder beziehungsweise in die Tastatur. Es fühlt sich unbeholfen und sperrig an. Anders noch als Pfarrerin oder Pfarrer hat es einen merkwürdig amtlichen Klang, den ich auf offiziellen Formularen erwarten würde, aber nicht etwa in einer freundlichen Begrüßung. Pfarrperson klingt noch mehr nach: Diese Person da ist anders als die anderen. Ginge es nach mir, würde ich lieber von Pfarrleuten sprechen, aber (!) die gibt es freilich nur im Plural, und eine einzelne Person im Pfarramt, die sich nicht als männlich oder weiblich definieren möchte, hätte eben auch gern eine Bezeichnung für sich. Also, vielleicht Pfarrmensch? Da würde man sich fragen: „Ja, was denn sonst als Mensch?“
Darum befürworte ich den Gebrauch des Wortes Pfarrperson, so holperig es auch ist. Es tut ja niemandem wirklich weh, zumindest nicht so sehr, wie es Menschen weh tut, wenn man sie durch Sprache ausgrenzt.
Was Luther dazu sagen würde, ist eine etwas müßige Frage, wenn ich das so sagen darf. Für uns ist Luther natürlich das Alte, die Tradition. Aber er selbst war ja durchaus ein Erneuerer, sowohl in Glaubens- als auch in Sprachdingen. Insofern könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Martin Luther – lebte er heute – vielleicht zähneknirschend aber letztlich doch pro Pfarrperson wäre. Wie gesagt, wir wissen es natürlich nicht.
Ihre Frage nach der Medizin dagegen erübrigt sich natürlich, denn selbstverständlich ist die Verwendung eines bestimmten Wortes keine Krankheit und die dahinterliegenden Überlegungen sind es erst recht nicht. Geht es in ihnen doch um einen angemessenen Umgang mit der Sprache zugunsten von Menschen, die man bislang eher nicht beachtete.
Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr 2026, in dem wir uns alle nicht entzweien lassen über solche Fragen. Wir haben viele Aufgaben vor uns, die wir gemeinsam viel besser lösen können.
Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky