Liebes Team
Bin kürzlich auf Ihre Website gestoßen und finde diese sehr gut. Ich bin ein 68-jähriger Arzt und stieß vor 30 (!) Jahren auf ein Büchlein eines Evangelisten mit dem Titel „Was passiert, wenn wir sterben?“. Leider kamen da eine Menge Höllendrohungen und am Schluss dann schon die Nennung von Christus als Retter. Trotzdem fuhr mir das mit der Hölle derart ein, dass ich über Jahre trotz Beten und Kirchengang immer wieder schwere Krisen durchleiden muss - kann mich dann mit der Arbeit mit Patienten/innen von diesen schrecklichen Gefühlen distanzieren, dennoch kommen sie seit Jahren immer wieder. Angeblich wird von der Hölle an rund 30 Stellen in der Bibel berichtet. Der feurige Pfuhl und Qualen werden auch von Jesus selbst erwähnt. Ich glaube zwar an die Errettung durch Jesus, dann aber kommen mir immer wieder diese negativen Gedanken. Können Sie mir vielleicht etwas Tröstendes aus der Bibel sagen?
Herzlichen Dank und
Lieben Gruß aus der Schweiz
Lieber Herr B.,
Ihre Zeilen machen mich traurig und wütend zugleich. Traurig, weil Sie über so viele Jahre hinweg mit diesen Ängsten leben müssen. Wütend werde ich, weil man Ihnen diese Angst gemacht hat, obwohl Sie an Jesus Christus als Ihren Retter glauben. Der Fokus auf das Gericht und die Bestrafung nach dem Tod geht am Kern der christlichen Botschaft völlig vorbei. Die Bibel spricht von Versöhnung zwischen Mensch und Gott, vom Kommen des Reiches Gottes auf die Erde.
Sie haben natürlich recht: In der Bibel gibt es Stellen, die von Gericht und Hölle sprechen. Aber Jesus selbst hat nicht nur von Gericht gesprochen, sondern vor allem von Gottes unendlicher Liebe und Barmherzigkeit. Denken Sie an das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32): Der Vater läuft dem Sohn entgegen, noch bevor dieser sein Sündenbekenntnis beenden kann, ruft er ein Freudenfest aus. Er umarmt ihn, ohne Vorwürfe, ohne Bedingungen. Das ist das Herz des Evangeliums. Das sollten gerade auch Menschen beherzigen, die sich Evangelisten nennen, also in der Sache der Frohen Botschaft unterwegs sind.
Sie schreiben, dass in dem Büchlein am Schluss auf Jesus als dem Retter eingegangen wird. Nun, häufig kommen am Schluss die wichtigen Dinge noch einmal zur Sprache.
Jesu letzte Worte am Kreuz sind, laut dem Evangelisten Lukas: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23,34). Nicht: „Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!“ Die letzten Worte Jesu gelten der Versöhnung. Der allerletzte Satz der Bibel lautet „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ (Offenbarung 22,21) Ein Satz ohne jede Einschränkung: Die Gnade Jesu für alle!
Wer mit der Hölle droht, wirft diejenigen, die ihm zuhören, gleich hinein. Wem ist damit gedient, wenn Menschen aus Angst Gottes Willen tun? Nun, es ist denen gedient, die diese Angst schüren, denn sie gewinnen dadurch Macht. Sie bauen enormen Druck auf und können mit ihrer Auslegung des Willens Gottes von anderen fordern, was sie selbst für richtig erachten. Wer, wie Sie, den eigenen Glauben ernst nimmt, wird durch solche Höllenpredigten verunsichert in der Gewissheit, wie gut Gott es mit uns Menschen meint. Das ist meiner Ansicht nach das wahrhaft Teuflische, denn es treibt einen Keil zwischen Gott und die Menschen. Es bringt nicht Gottes Reich auf die Erde, sondern die Hölle zu denen, die hier von Angst gequält werden.
Sie schreiben, dass Sie an die Errettung durch Jesus glauben. Sprechen Sie mit dem Apostel Paulus: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohe noch Tiefe noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Römer 8,38-39) Diese Liebe ist stärker als alle Angst.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gott erleben können als den liebevollen Vater, von dem Jesus uns erzählt.
Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky