Sex vor der Ehe und Hebräer 13,4

Gefragt von zolle
Junges Paar im Bett

Getty Images/iStockphoto/interstid

Hallo liebes fragen.evangelisch.de-Team,
ich habe eine Frage. Ich bin jung im Glauben und bin leider auch schon schlechte Wege gegangen. Ich habe in einem Beitrag der EKD gelesen, dass sie behaupten, dass die Bibel nicht viel hergebe zum Thema Sex vor der Ehe. In dem Beitrag heißt es, dass sich ja auch unsere sexuelle Kultur geändert hat und es damals den jungen Christen oder Juden nicht um Moral ging, sondern um finanzielle Angelegenheiten. Nun ich habe zwei Bedenken. Jesus ist ja immer derselbe und ist Gott. Er verändert sich nicht, somit denke auch nicht das moralische Gesetz. Paulus sagt im Hebräerbrief 13,4, dass das Ehebett unbefleckt sein soll und Gott Ehebrecher bestraft (also wurde Sex vor der Ehe mit Ehebruch gleichgesetzt, also mit schlechter Moral). Wie sehen Sie diesen Vers?

Liebe:r zolle,

es tut mir leid für Sie, dass Sie sich so viele Sorgen darüber machen, was Gott von Ihnen will. Der Glaube soll schließlich froh machen und nicht dazu führen, dass man sich ständig schlecht fühlt. Sicherlich ist Jesus Christus derselbe, der er immer war, aber warum sollte das auch dafür gelten, wie wir die Bibel auslegen? Paulus war nicht Jesus selbst. Er war ein gläubiger Mensch und Theologe. Solche gibt es bis heute, und wir alle legen das aus, was uns von Gott und Jesus Christus berichtet wird.

Es gibt einige Menschen, denen es sehr wichtig ist, dass man keinen Sex vor der Ehe hat. Diese Menschen versuchen, die Bibel in dieser Hinsicht auszulegen, aber der Artikel, den Sie gelesen haben, hat Recht: Die Bibel gibt zu diesem Thema einfach nicht viel her. Darum werden von denen, die gegen Sex vor der Ehe sind, auch solche Verse wie Hebräer 13,4 benutzt, um ihre Ansicht zu unterstützen. Wenn man aber genau liest, merkt man, dass es hier nicht um Sex vor, sondern eben während der Ehe geht: "Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; denn die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten." (Heb 13,4, Übersetzung der Lutherbibel) Hier steht eindeutig: Wer verheiratet ist, soll diese Ehe ehren und sie nicht mit Ehebruch beschmutzen.

Der Trick, den einige Leute benutzen, um hier ein Verbot von Sex VOR der Ehe zu sehen, funktioniert so: Es ist ja von einem "unbefleckten" Ehebett die Rede. Das klingt irgendwie nach Jungfräulichkeit. Und weil anschließend noch von "Unzucht" die Rede ist, wird das kurzerhand miteinander verbunden, und plötzlich heißt es: Sex vor der Ehe = Unzucht.

Wenn Sie mögen, lesen Sie noch meinen Artikel zum Thema Gott und Sex.

Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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