Sabbat- oder Sonntagsruhe?

gestellt von Gast am 16. April 2012

Lieber Herr Muchlinsky!

Ich habe ein Video Interview vom aktuellen Leiterkongress der Willow Creek in Stuttgart angeschaut. Interviewt wurde der prominente Redner
Peter Scazzero, Pastor einer Multi ethnischen Gemeinde in New York.
Der Pastor hat mitgeteilt, dass das Willow Konzept unter anderem,
"den Reichtum des klösterlichen Lebens" in die evangelischen Kirchen -Gemeinden bringen soll. Dazu gehören:

1. tägliche "Offizien" (?)
2. feste Gebetszeiten
3. mindestens zwei bis drei Mal beten, als auch
4. "den Sabbat halten"
5. OHA! OHA!

Wenn ich mich richtig erinnern kann, dann ist der Sabbat im Judentum der siebte Wochentag, ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden darf. Der Sabbat beginnt wie alle Tage im jüdischen Kalender gemäß Gen 1,5 am Abend und dauert von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstagabend.
Soll das nun bedeuten, dass ein radikaler sozialer Wandel durch Deutschland weht??? Mit allem Drum und Dran???
Dass also der übliche (verkaufsoffene) Sonntag ein richtiger arbeitsreicher Werktag werden soll? Für Alle, also nicht nur für den Sonntags-Bäcker,.....usw.?

Dann werden wohl bald, ab Freitagabend bis Samstagabend, andere Gesetze gelten? Sabbat-Gesetze? Diese Gesetze sind ja ziemlich umfangreich, wenn ich nur an die Essensvorschriften denke, kein Schweinefleisch usw...Fleisch vom Schwein ist eh nicht gesund. Der Pastor sagt, dass wir mehr auf unsere Gesundheit achten müssen!
Im Islam hat das Freitagsgebet den Sabbat abgelöst.

Im Christentum wird also unser guter alter Sonntag, von Gott als Ruhetag empfohlen, vom Sabbat abgelöst?

Lieber Gast,

zunächst einmal: Unser „guter alter Sonntag“ ist nicht der Tag, den Gott „als Ruhetag empfohlen“ hat. Das ist der Samstag, der Sabbat, der siebente Tag, wie es in den Zehn Geboten ausgeführt wird: (2.Mose 20,9-10) „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.

Dass die meisten christlichen Gemeinschaften den Sonntag als Wochenfeiertag halten, liegt an der Tatsache, dass wir dann den Tag der Auferstehung Jesu feiern – nicht den siebenten Schöpfungstag. Einige (vorwiegend anglo-amerikanische) Gemeinschaften halten bis heute den Sabbat als Ruhetag ein.

Ihre Befürchtung, wenn wir den Sabbat als Feiertag zurückbekämen, würden wir vielleicht auch bald andere „Gesetze“ einhalten, entspricht in etwa der Argumentation, warum das Konzil von Loadizea (363-364) entschied, Christinnen und Christen sollten nicht mehr am Sabbat ruhen. Man befürchtete dadurch eine „Judaisierung“ des Christentums. Heutzutage ist der Sonntag als arbeitsfreier Tag in Deutschland fest etabliert. Eine „Gefährdung“ des Sonntags geht nicht von Gemeinschaften aus, die den Sabbat feiern möchten sondern von einer Gesellschaft, die nicht zur Ruhe kommen kann. Darum halte ich alle Bemühungen, einen wirklichen wöchentlichen Ruhetag zu begehen, für föderlich.

Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

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