Kirche der Armen?

gestellt von Gaestin am 14. April 2012

Hallo im Kreis!

Vor kurzem hatte ich eine Unterhaltung mit einem Leiter der hiesigen AOK Krankenkasse. Die AOK war schon von jeher die "Arme-Leute-Kasse". Die AOK hat nie jemanden abgewiesen oder rausgeschmissen, sehr zur Freude der Konkurrenz, denn diese haben die Besserverdienenden abbekommen.
Während der Unterhaltung ist mir die Frage gekommen, ob die evangelischen Landeskirchen zu einer "AOK der Armen" mutieren? Ich meine, zu einer "Kirche der Armen"?

Als Kirchenmitglieder bleiben eigentlich (fast) nur noch die Christen, die keinen Mitgliedsbeitrag zahlen können oder aufgrund der Rentensituation nicht mehr zahlen müssen. Der Rest wandert ab zu freikirchlichen Gemeinschaften, zumal dort ein Besserverdiener weniger abstecken muss.

Sehen die Landeskirchen ebenfalls rot, wenn Sie ihre Bilanzen ansehen? Oder bin ich die Einzige, die rotsieht?

Gästin

Liebe Gästin,

Ihren Ärger darüber, dass viele Menschen mit einem hohen Einkommen die Kirche verlassen, kann ich gut nachempfinden. Eigentlich ist das Kirchensteuerwesen ja gerade eine Chance, dass die Beiträge auf die Kirchenmitglieder möglichst gerecht verteilt werden – eben entsprechend dem, was sie an Geld zur Verfügung haben. Wer dieser Gemeinschaft aus Geldgründen den Rücken kehrt und dabei doch genügend hätte, verhält sich auch meiner Meinung nach unsolidarisch.

Was Ihren Vergleich mit der AOK angeht, so macht es mir nichts aus, einer Gemeinschaft anzugehören, in der sich viele „Arme“ versammeln, bzw. in einer Gemeinschaft, die „niemanden abweist oder rausschmeißt“, nur weil er oder sie wenig Geld hat. Das Kirchensteueraufkommen der gesamten EKD betrug 2010 4,3 Milliarden Euro.
Das ist immer noch eine riesige Menge Geld, mit der man gut umgehen muss. Und zu diesem guten Umgang gehört für mich auf jeden Fall, dass wir niemanden abweisen, der finanziell nur wenig oder nichts beiträgt.

Gute Informationen gibts bei: http://www.ekd.de/kirchenfinanzen/startseite_kirchenfinanzen.html

Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Lieber Herr Muchlinsky

Kürzlich hab ich das Buch von Till Mohr gelesen: «Kehret zurück, ihr Menschenkinder – Die Grundlegung einer christlichen Reinkarnationslehre». Dieses Buch weist auf Bibelstellen hin, die eine Wiedergeburt nicht ausschliessen. Doch meines Wissens verneinen die meisten christlichen Religionen eine Karmalehre mit der Reinkarnation mit der häufigsten Begründung, dass der Sühnetod von Jesus Christus vergebens gewesen wäre. Doch dass das nicht der Fall ist, erklärte Pfarrer Till Mohr damit, dass Jesus nicht für die Sünden gestorben wäre, sondern mit seinem Tod allen Menschen den Weg zu Gott frei gemacht hat, was meiner Meinung nach auch absolut gerecht wäre. Auch hab ich davon gehört, dass es jüdische Gruppierungen gibt und gab wie die Katharer, die fest an eine Reinkarnation glauben und geglaubt haben. https://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18722
Bei vielen streng gläubigen Christen bekam ich zu hören, wenn die Diskusion auf die Reinkarnation oder die Allversöhnungslehre zu sprechen kam, dass eine Verurteilung der «Ungläubigen» oder Nichtchristen in eine ewige Verdammnis abolut gerecht wäre, da ja jeder Mensch irgendwann in seinem Leben Jesus in irgendeiner Form begegnen würde. Nun, ich kann begreifen, dass die Lehre der Reinkarnation bei manchen eine «Larifarihaltung» zur christlichen Ethik auslösen könnte, da es ja egal ist, wie ich lebe – ich komme ja sowieso wieder herunter, um alles gutzumachen…
Meine Frage: gibt es unter den vielen christlich geprägten Glaubensrichtungen solche, die eine Reinkarnation NICHT ablehnen?

Liebe Grüsse
Ein dankbarer Gast

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