Meditation

gestellt von Gast am 28. Juli 2011

"Psychologie heute" wirbt für die gesundheitsfördernde Wirkung von Meditation, allerdings scheinen dort m.E. Buddhisten und TM-Jünger das Wort zu führen. Ich selbst war mal in einer kassenfinanzierten Reha-Klinik, in der wir täglich Zen-Meditation praktizieren mussten und ich hatte das Gefühl, mich immer weiter von mir zu entfremden anstatt zu mir zu finden. Im Web habe ich gefunden, dass Mitarbeiter dort bei Osho engagiert sind, andere sind Anthroposophen.
Ist Meditation nun gesund oder gefährlich? Es gibt vier Dinge, die ich mit meinen christlichen Werten nicht in Übereinstimmung bringen kann:
- Die Lebensfeindlichkeit: Bei Gefahr/Unrecht weitermeditieren und die Gedanken nicht bewertend ziehen lassen?
- Leid und Trauer dürfen nicht ausgesprochen, sondern müssen wegmeditiert werden. - Der Mensch ist angebl. allmächtig und an allem selbst Schuld. (Erbkrankheite, Gewalttaten, Unfälle)
- Man meditiert ins Leere anstatt zu seinem Herrn hin. Warum ist es nicht genau so gesund/gesünder, über einen Psalm oder Bibelvers zu meditieren? Ich glaube, es hätte einen Aufstand gegeben, hätte ich die Bibel in den Meditationsraum mitgenommen.
Und warum malen eigentlich so viele (auch christliche) spirituelle Begleiter Mandalas statt Labyrinthe? Osho sagt, er lehnt Christentum ab, weil Jesus zu aggressiv war. ??? Ist das wirklich der wahre Grund oder nur vorgeschoben? Warum wirken dann selbst in Klöstern Referentinnen, die bei Osho engagiert sind? Psychologie heute schrieb, man müsse fernöstliche Techniken anwenden, weil das Christentum keinen Weg zum Heil zeige. Ich lese aus der Bibel aber ganz viele Heilsgeschichten heraus!

 

 

Liebe/r „Gast“,

Sie stellen eine Reihe wichtiger und bedenkenswerter Fragen. Das Thema Meditation ist in den christlichen Kirchen zwar immer wieder aktuell, doch gibt es kaum eine gemeinsame Richtlinie, an der sich die verschiedensten Angebote orientieren. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hat zu diesem Thema einen kleinen „Flyer“ veröffentlicht, in dem die Autoren mit der Frage auseinandersetzen, ob ein Christ buddhistisch meditieren kann. Link zum Flyer der EZW.

Meditation kann sicherlich gesund sein, doch kann sie auch Gefahren der Vereinsamung bergen, wie Sie es anscheinend erfahren haben. Die Probleme, die Sie schildern, lassen sich sämtlich durch ein Menschenbild erklären, dass nicht das christliche ist. Der Mensch ist nach christlichem Verständnis erlösungsbedürftig, kann dies aber nicht aus sich selbst heraus tun. Er ist angewiesen auf die Erlösung durch Gott. Meditation, die diesen Grundsatz nicht beherzigt, stellt sich damit gegen eine der Grundlagen unseres Glaubens und sollte zumindest nicht in christlichen Angeboten vorkommen.

Allerdings hat Meditation auch eine durchaus christliche Tradition, die in der letzten Zeit wieder verstärkt praktiziert wird. Sei es als Herz-Jesu-Gebet oder als Ignatianische Exerzitien, Meditation als Möglichkeit, die eigene Spiritualität zu vertiefen, Meditation als Konzentrationshilfe, Meditation als Entspannungshilfe – immer sollten diejenigen, die solche Angebote machen, sehr behutsam mit den Teilnehmenden umgehen und von vornherein offen sagen, worum es gehen soll, warum es so und nicht anders gemacht werden soll und nicht zuletzt: Wer nicht mehr mag, darf jederzeit aufhören und wird darum nicht ausgeschlossen.

Ich selbst habe nur wenig Erfahrung mit der Meditation und ziehe es vor, meine Zeiten der Stille und Kontemplation als Gebet oder als innige Bibellektüre zu bezeichnen. Ich habe Ihre Frage aber auch an jemanden geschickt, die ich als Expertin einschätze. Vielleicht kommt von ihr noch eine etwas ausführlichere Antwort.

In der Hoffnung, Ihnen trotzdem ein wenig weitergeholfen zu haben,
Frank Muchlinsky

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