Wie sinnvoll ist die Beichte?

Kathi
Junges Paar auf Matratze beim Sex
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Hallo,

ich würde gerne wissen, ob es Sinn ergibt, zur Beichte zu gehen, wenn man weiß, dass man trotzdem wieder sündigen wird? Eine Sache ist ja, wenn man unbewusst wieder sündigt. Aber wenn man z.B. nicht in der Ehe lebt und weiß, man wird wieder gegen das 6. Gebot handeln und außerehelich lieben: Wie soll man dann beichten? Und was ist, wenn man ein uneheliches Kind erwartet?

Liebe Kathi,

bevor ich auf die Frage nach der Beichte eingehe, möchte ich kurz auf das andere Thema eingehen, das Sie ansprechen, nämlich den außerehelichen Sex. Ich weiß, dass einige Christenmenschen damit ein Problem haben und der Überzeugung sind, dass Sex ohne Trauschein grundsätzlich gegen das Gebot verstößt, nicht die Ehe zu brechen. Ich vertrete diese Ansicht nicht. Das sechste Gebot ist dazu da, eine eheliche Beziehung zu schützen, sie ernst zu nehmen. Das bedeutet meines Erachtens, dass man Beziehungen anderer Leute respektiert und nicht einfach so tut, als gäbe es sie nicht. Sex zu haben, wenn beide es wollen und in keiner festen Beziehung sind, ist unproblematisch. Es braucht auch keine Ehe, um Kinder zu bekommen, denn auch die Ehe ist vor allem dafür da, eine Beziehung gesetzlich zu schützen. Zur Voraussetzung für Sex und Kinder wurde sie erst im 19. Jahrhundert. Wenn Sie mögen, können Sie dieses Thema auch noch in einem Artikel von mir weiterverfolgen. Hier ist der Link.

Nun aber zur Beichte - denn es spielt ja keine Rolle, weshalb man das eigene Gewissen erleichtern möchte. Und damit sind wir auch schon bei dem wichtigsten Argument dafür, warum Beichte etwas Gutes ist: Das eigene Gewissen. Sich schuldig zu fühlen, ist eine höchst ungesunde Sache. Schuldgefühle lassen uns seelisch und manchmal auch körperlich krank werden. Die Beichte ist dafür da, zunächst einmal auszusprechen, was es ist, das bedrückt. Das ist schon deswegen gut, weil es eine Übung in Empathie sein kann. Meistens leidet jemand anderer darunter, wenn wir Schuld auf uns laden. Sich dessen klar zu werden, macht durchlässig für die Bedürfnisse und Gefühle anderer.

Zweitens gibt es in der Beichte ein Gegenüber, das sich meine Not mit der Schuld anhört und mir dann zuspricht, dass Gott mir diese Schuld vergibt. Eine besonders schwierige Sache ist es, sich selbst zu verzeihen, wenn man tatsächlich große Reue für das eigene Tun empfindet. Da hilft es enorm, wenn das jemand anderes tut – und dann noch im Namen Gottes.

Es stimmt, dass jeder Mensch immer wieder Schuld auf sich laden wird. Darum ist es in evangelischen Kirchen auch keine Pflicht, zur Beichte zu gehen. Aber es gibt die Möglichkeit aus diesem guten Grund: Es kann eine große Hilfe sein für Menschen, die von ihrer Schuld gedrückt werden.

Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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