Ist der Mensch die Krönung der Schöpfung?

Gefragt von Wolfgang
Krönung der Schöpfung

© Hristina Satalova/Unsplash

Sehr geehrte Frau Friederike Erichsen-Wendt!

Der Mensch soll die Krönung der Schöpfung durch einen Gott sein? Warum flieht jedes Tier vor dem Menschen? Warum fürchtet sich der Mensch vor dem Menschen? Kein Tier kennt Neid, Hass, Mord und Krieg. Warum aber der Mensch? Wie kann ich an einen Gott glauben, der verantwortlich für alles sein soll? Darauf hätte ich gerne einmal eine Antwort!

Mit freundlichen Grüssen Wolfgang

Lieber Wolfgang,

Sie stellen verschiedenen Fragen, die aus meiner Sicht aber zusammenhängen. Denn Sie fragen sich, inwiefern eine biblische Überlieferung Geltung beanspruchen kann, der augenscheinlich die Erfahrung widerspricht. Und schließlich, wie dies als Folge des Handelns Gottes verstanden werden kann.

Vom Herrschaftsauftrag des Menschen über andere Geschöpfe, insbesondere Tiere, ist an mehreren Stellen der Bibel die Rede (Gen 1, 26.28; Ps 8,7 u.ö.). Dass der Mensch eine gegenüber den Tieren herausgehobene Stellung innehat, wird zumeist als eine Folge der Gottebenbildlichkeit des Menschen verstanden. Schon in der Bibel ist das „Herrschen“ als „Bauen und Bewahren“ (Gen 2, 15) gedeutet worden. Einem Verständnis von Herrschaft, das primär in der Ausübung (legitimer) Gewalt besteht, tritt eine andere Schwerpunktsetzung an die Seite, die den Auftrag des Menschen darin sieht, für die Integrität der Schöpfung zu sorgen. Es geht also darum, für den Lebensraum aller Geschöpfe Sorge zu tragen.

Dies ist der Auftrag an uns Menschen, hinter dem wir oft zurückbleiben. Über die vielfältigen Gründe kann ich hier nur spekulieren. Ein wesentlicher mag sein, dass uns Menschen der Sinn für die Wechselbeziehungen zwischen allem, was geschaffen ist, aus dem Blick gerät.

Neid, Hass, Mord und Krieg entstehen aus Willensentscheidungen von Menschen. Diese Entscheidungen sind Folgen der Freiheit, mit der Gott uns Menschen ausgestattet hat. Und die Verantwortung hat, wer Entscheidungen nach bestem Wissen getroffen hat.

Für das, was Menschen in Freiheit tun, können wir Gott nicht die Verantwortung aufbürden. Natürlich kann man fragen, weshalb Gott den Menschen mit einer Eigenschaft ausgestattet hat, die ihn unweigerlich immer auch schuldig werden lassen muss – an anderen Menschen, an anderen Geschöpfen. Ich frage mich, was die Alternative für uns bedeuten würde: Können Sie sich vorstellen, als Mensch zu leben, dem es abgenommen ist, eigene Entscheidungen zu treffen?

Freundlich grüßt

Friederike Erichsen-Wendt

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