Warum keine Abendmahlsgemeinschaft?

Gernot Priesner
Zwei Kreuze auf Schriftsatz zum Abendmahl.
epd-bild/Heike Lyding

Was unterscheidet das evangelische und das katholische Abendmahl so stark, dass eine gemeinsame Feier nicht ohne Weiteres möglich ist? Warum wird in katholischen Gemeinden nur das Brot geteilt?

Lieber Herr Priesner,

Die Vorstellung, was genau im Abendmahl geschieht, und wie man es richtig zu feiern hat, ist in der Tat eine der größten trennenden Fragen zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, ob man beim Abendmahl allen Anwesenden neben dem Brot auch den Kelch reicht.

Der bedeutendste Unterschied ist die Frage, ob sich beim Abendmahl Brot und Wein real in Leib und Blut Jesu Christi verwandeln. Ich habe das an anderer Stelle einmal sehr knapp zusammengefasst (gleich mit den Unterschieden zwischen Lutheraner und Reformierten noch dabei):

"Die Hauptunterschiede im Abendmahlsverständnis bei Katholik:innen, Lutheraner:innen und Reformierten liegen vor allem in der Frage danach, in welcher Weise Jesus anwesend ist, wenn heute Abendmahl gefeiert wird. Jesus sagte ja bei der Einsetzung des Abendmahls zu seinen Jüngern: Das ist mein Leib, das ist mein Blut (siehe 1 Korinther 11,24-25).

  • Die katholische Lehre sagt nun, dass sich in der Feier des Abendmahls (der "Eucharistie") Brot und Wein tatsächlich in Leid und Blut Jesu Christi verwandeln. Er ist also geradezu leiblich anwesend.
  • Die lutherische Lehre besagt ebenfalls, dass Jesus Christus im Abendmahl real präsent ist. Allerdings werden Brot und Wein durch die Einsetzung (durch den Pfarrer/die Pfarrein) zu einem einheitlichen Sakrament (also zu einem besonderen Zeichen, das den Glauben stärkt). Eine Verwandlung in Leib und Blut geschieht nicht.
  • Die reformierte Lehre besagt, dass Brot und Wein lediglich Zeichen für Jesu Christi Leib und Blut sind. In der Feier des Abendmahls ist der Geist Gottes dabei, weil man gemeinsam Brot und Wein teilt im Gedächtnis an Jesus Christus.
  • Die unierten Kirchen sind verschiedene vereinigte protestantische Kirchen, die sich in der Regel eher dem lutherischen oder dem reformierten Abendmahlsverständnis anschließen."

(Aus einer anderen Frage hier im Bereich)

Sie fragen aber auch, warum diese Frage so trennend ist. Die Verwandlung von Brot und Wein ist nach evangelischem Verständnis eine pure Spekulation, weil sie nicht biblisch zu belegen ist. Dazu kommt, dass die katholische Kirche vertritt, dass während der Abendmahlsfeier, das Opfer Jesu am Kreuz durch den Priester wiederholt wird, wenn er das Abendmahl einsetzt. Das ist von evangelischer Sicht aus nicht denkbar, weil der Opfertod Jesu einmalig am Kreuz stattgefunden hat. Und wenn ein Priester das zu wiederholen versucht, ist das schlichte Anmaßung. Die katholische Kirche hat aber genau das als Reaktion auf die Reformation im Konzil von Trient (1545 bis 1563) als Lehrmeinung festgelegt. Das ist sicherlich ein bis heute kaum zu überwindender Unterschied in der Lehre.

Drittens wurde lange Zeit der Gemeinde der Kelch vorenthalten, obwohl Jesus in der Bibel eindeutig sagt: "Trinkt alle daraus" (Matthäus 26,27). Zunächst war es eher so, dass sich da ein Brauch einschlich, dass die Laien (also der Nicht-Klerus) lieber nicht aus dem Kelch tranken, weil sie Angst hatten, etwas von dem (immerhin ja verwandelten) Blut Christi zu verschütten. Außerdem war die Abendmahlsfrömmigkeit im Mittelalter sehr drastisch, wenn es darum ging, eben wirklich den Leib und das Blut des Heilands zu verspeisen. Man ließ es lieber. Schließlich wurde den Laien der Kelch nicht mehr gereicht beim Abendmahl mit der Begründung, Jesus Christus sei ja schließlich in beiden Elementen (also in Brot und Wein) ganz anwesend, und darum reiche es auch, wenn man nur die Hostie zu sich nähme.

Spannenderweise war es wiederum eine Reaktion auf einen quasi reformatorischen Akt, der die römische Kirche dazu brachte, hier aus einer Tradition eine Vorschrift zu machen. Auf dem Konzil von Konstanz wurde 1415 der Kelch für die Laien verboten – als Reaktion darauf, dass Jan Hus gefordert hatte, dass eben auch die Laien das Abendmahl in "beiderlei Gestalt" zu sich nehmen dürften. (Mehr dazu im Artikel Kelchkommunion der Wikipedia.)

Heute gibt es auch in vielen katholischen Gemeinden wieder Brot und Wein, vor allem zu entsprechenden großen Festen (wie Gründonnerstag, dem Tag vor Karfreitag, an dem die Einsetzung des Abendmahls gefeiert wird).

Im Abendmahlsverständnis kristallisieren sich die größten Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Darum ist es sehr schwer, hier zu einer Einigung zu gelangen.

Herzliche Grüße,

Frank Muchlinsky

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