Ist es für Gott okay, wenn ich mich selbst befriedige?

gestellt von EinMädchen am 22. Februar 2018
Lust

Foto: prokop / photocase

Hallo, ich würde gerne wissen ob Selbstbefriedigubg für Gott okay ist. Bitte ein klares Ja oder Nein wenn möglich. Es ist mir sehr wichtig. Danke im Voraus :)

Liebe Fragende,

 

ich möchte Dir gerne eine ganz klare Antwort geben: DU bist für Gott okay- DEINE GEDANKEN sind für Gott okay und wenn du gut und bedacht mit deinem KÖRPER umgehst, ist das für Gott okay!

Und jetzt muss ich doch noch etwas weiter ausholen, denn Deine Frage hat so viel mit den wichtigen Fragen unseres Glaubens zu tun!

 

Das ist meine Überzeugung: Gott meint es gut mit uns Menschen und wir sind seine Geschöpfe. Geschöpfe- mit allem was zu uns gehört, unserem Geist, unserem Herzen, unseren Körpern und eben die sind nicht zu denken ohne unsere Sexualität! Und Sexualität kann man üben. Man kann üben, was sich gut anfühlt, womit man sich wohl fühlt und wie der eigene Körper so tickt. Man bekommt beim Thema Selbstbefriedigung manchmal den Eindruck, alle tun es und niemand spricht darüber. Das finde ich wirklich traurig, denn wenn man offener über das Thema sprechen könnte, würde ganz schnell klar, dass Selbstbefriedigung keinem schadet im Gegenteil: wer sich mit seinem Körper auskennt, der kann auch in einer Partnerschaft offener und selbstbewusster über Sex sprechen – kann sagen was er oder sie möchte und vor allem, was nicht!

Ein anderes Problem, das wir beim Thema Selbstbefriedigung mit uns herumtragen, ist, dass es Auslegungen von Texten aus dem Alten Testament gibt, die gewisse sexuelle Handlungen als Sünde kennzeichnen. Dazu kommt noch, dass diese Bibelauslegung beim Thema Selbstbefriedigung den Text falsch gedeutet hat: Das Wort "Onanie" ist ein Synonym für  Selbstbefriedigung und bezieht sich auf die biblische Erzählung von Onan in Gen 38. Nach dem Tod seines Bruders, soll Onan mit dessen Frau Kinder zeugen, diese gelten dann als Nachfahren seines Bruders, nicht als seine eigenen. Die Bibel beschreibt, wie Onan deshalb beim Geschlechtsverkehr mit seiner Schwägerin seinen Samen auf das Feld gießt (also eine Schwangerschaft verhindert). Dies missfällt Gott und er nimmt Onan das Leben. Nun handelt es sich bei der Tat Onans gerade nicht um Selbstbefriedigung, sondern um einen sogenannten "coitus interruptus", also einen abgebrochenen Sexualakt. Dieses Modell, dass ein Bruder für den anderen "einspringen" musste bezeichnet man als "Leviratsehe" und sie entsprach geltendem Recht im alten Israel und dagegen hatte Onan verstoßen. Selbstbefriedigung ist etwas anderes als dieser "coitus interruptus" und noch viel wichtiger: Unser Glaube ist etwas anderes als die Einhaltung von Gesetzen, sondern das Vertrauen auf Gott, für den wir Menschen okay sind – nicht, weil wir alles richtig machen würden (das tut keiner von uns!), sondern weil er die Welt und  uns als seine Schöpfung liebt. Sexualität ist eine Gabe Gottes. Ich meine, Gott möchte, dass wir sie nutzen- aber  eben so, dass sie niemandem schadet. Deshalb ist es so vielen Christen wichtig, dass Sexualität in einer vertrauensvollen Beziehung stattfindet (oder nur in der  Ehe- da gehen die Meinungen schon weit auseinander). Es ist gut, dass Du Dir Gedanken machst, was Gott für Dich möchte! Aber dabei darfst Du auch darauf hören und achten, was Du für Dich brauchst, denn Jesus sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“. Natürlich ist hier keine Erlaubnis zur Selbstbefriedigung gemeint ;)

Aber dieser Gedanke ist mir sehr wichtig: wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, kann ich einen Schritt auf meinen Mitmenschen zugehen von der Liebe, die ich in mir trage frei austeilen! Wenn ich mich selbst nicht leiden kann und denke ich mache alles falsch, wenn ich mich klein mache, dann helfe ich damit niemandem- nicht mir, nicht meinem Nächsten und schon gar nicht Gott!

 

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meiner Antwort etwas weiterhelfen.

Herzliche Grüße,

Maike Weiß

 

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Kommentare

Die Antwort ist ein ganz einfaches "Nein".

Für Gott ist es nicht OK.

Viele religiöse Menschen werden eine Litanei von Gründen geben wieso man eine Sünde begehen darf... Das nennt man sich rechtfertigen. Wenn man eine Beziehung mit jemanden hat, kann man je nach Intimität, sofort sagen, wie die andere Person reagieren würde... Und bei Gott und unser Verlangen nach Selbstbefriedigung ist das genau so. Da haben viele religiöse Leiter einfach vor den Menschen Angst. Dabei, wenn sie wirklich helfen wollen würden, dann käme eine einfache Antwort... Egal wie schwierig zu verstehen.

Herzliche Grüsse und Gottes Segen von einem ehemaligen Sexsüchtigen der täglich mehrmals SELBSTbefriedigt hat und heute nur noch Gott zufrieden sehen will.

 

Lieber Siggi,

ich meine, wir sollten es uns nicht einfach machen mit der Frage nach Sexualität und Gottesbeziehung! Sie schreiben davon, dass sie in eine Abhängigkeit geraten sind und die Sexualität mehr Raum und Macht gewonnen hat, als es gut für Sie war. Deshalb habe ich im Text auch von einem "bedachten" Umgang geschrieben. Wenn Sexualität schädliche Formen annimmt, dann tut man gut daran, sich Hilfe zu suchen. Es ist sehr aufrichtig, dass Sie hier Ihre Suchterfahrung teilen und Ihren Weg mit dem Thema Selbstbefriedigung umzugehen weitergeben möchten. Doch es gibt Formen gesunder Sexualität, welche für die Personen, die sie ausleben, kein solches Leid erzeugen. Ich bin der Überzeugung, dass eine Sexualität, die unterdrückt und weggeredet wird ebenfalls zu einem Problem werden kann. Für Sie ist Selbstbefriedigung ganz klar eine Sünde - diese Annahme teile ich nicht. Als Sünde verstehe ich ein solches Verhalten, das den Menschen von Gott trennt, das sind m.E. nicht nur einzelne Taten, denn wir Menschen drehen uns so häufig nur um uns selbst - sind in uns selbst gefangen, sehen nicht, wo wir einander beistehen können sondern schauen nach unserem eigenen Vorteil. Wir sind Sünder, ja , wir sind aber auch Gerechtfertigte. Aber wir sind nicht dadurch gerechtfertigt, dass wir selbst unser Tun und Lassen kleinreden oder wie Sie es scheiben- indem wir uns unsere Argumente so zurecht legen, wie sie uns gerade in den Kram passen- wir sind gerechtfertigt, weil Gott ein gnädiger und ein liebender Gott ist. Ich meine, wir tun gut daran, das Rechtfertigen Gott zu überlassen- in diesem Punkt bin ich ganz einig mit Ihnen. Doch gerade deshalb, will ich nicht den Finger auf meine Brüder und Schwestern richten und ihre Sünden aufzählen (vor allem nicht, weil ich dadurch blind für mich selbst werde). Wir alle leben doch aus dieser Gnade, warum können wir sie einander nicht zugestehen?

Noch einen kurzen Gedanken zu ihrer Überlegung, Gott mit Ihrem Unterlassen "zufrieden stellen" zu wollen. Ich meine, Gott war nicht blind oder blauäugig, als er sich auf uns Menschen eingelassen hat und er erwartet nicht von uns, ihn zufrieden zu stellen- das ist ein ziemlich menschliches Bedürfnis. Ich wünsche mir, dass wir Gott auch einmal zutrauen, was er uns verspricht:

 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

Ich grüße Sie herzlich,

Maike Weiß

 

Mic 7:1-9 (Neues Leben Bibel) 1 Ich bin so verzweifelt! Ich fühle mich wie ein Obstpflücker nach der Ernte, wie bei der Nachlese im Weinberg. Nicht eine einzige Traube, keine Feige ist mehr zu finden. 2 Im ganzen Land gibt es keinen Gottesfürchtigen mehr, und unter allen Menschen keinen, der ehrlich und aufrichtig lebt. Sie sind blutrünstig; jeder versucht, seinen Bruder zu hintergehen. 3 Ihr Tun ist durch und durch böse: Wenn ein Fürst etwas haben will, besticht er den Richter, der dann zu seinen Gunsten richtet. Und wenn der Mächtige nach etwas giert, sind die Richter bereit, das Recht zu verdrehen. 4 Noch der Beste von ihnen ist wie eine Distel; selbst der Aufrichtigste ist schlimmer als eine Dornenhecke. Doch der Tag des Gerichts, den deine Propheten angekündigt haben, kommt. Dann werdet ihr bestürzt und ratlos sein. 5 Vertrau nicht deinem Nächsten, auch nicht deinem besten Freund! Achte auf deine Worte, auch vor der Frau, die in deinen Armen liegt! 6 Denn der Sohn verachtet seinen Vater, die Tochter widersetzt sich ihrer Mutter, die Schwiegertochter stellt sich gegen ihre Schwiegermutter . Eure Feinde leben in eurem eigenen Haus! 7 Ich aber will mich auf den Herrn verlassen. Erwartungsvoll will ich nach dem Herrn Ausschau halten. 8 Lacht nicht über mich, meine Feinde! Denn wenn ich auch falle, werde ich doch wieder aufstehen. Ist um mich herum auch alles dunkel, ist doch der Herr selbst mein Licht. 9 Ich habe gesündigt und muss nun den Zorn des Herrn ertragen, bis er meine Sache in die Hand nimmt und mir zu meinem Recht verhilft: Er wird mich wieder ins Licht hinausführen und ich werde voller Freude seine Gerechtigkeit sehen.

Sehr ausführlich zitiert...und nun? Der gesamte Text gipfelt trotzdem in Vers 18, der von Fr. Weiß oben schon erwähnt wurde. Also in Gottes Zusage an uns, Schuld zu vergeben, nicht ewig an seinem Zorn festzuhalten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres zu werfen. Was für ein wunderbares Bild!
Auf diesen Gott vertraue ich.

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