Der Gottesbegriff?

gestellt von irene v. Winterfeld am 26. Januar 2014

Bitte erklären sie mir den Gottesbegriff. Einen persönlichen, als körperlich vorstellbaren Gott gibt es nicht. Ich habe Schwierigkeiten, mir Gott als Begriff vorzustellen-

Liebe Frau von Winterfeld,

 

Bitte erlauben Sie mir, Ihre Frage zunächst mit einem etwas ratlosen "Hmm" zu beantworten. Sie stellen Sie die These auf: "Einen persönlichen, als körperlich vorstellbaren Gott gibt es nicht." Dann fragen Sie einen Theologen nach einer Begriffsklärung des Wortes "Gott". Für einen Pfarre, also Theologen und Christen ist Gott kein "Begriff". Suchen Sie wirklich nach einer Begriffsklärung? Dann sollten Sie sich eher an einen Religionswissenschaftler wenden. Der schaut auf Glauben und Religion quasi "von Außen", während ich die Religion "von Innen" betrachte, denn ich bin ein Teil von ihr und Gott ist ein Teil meines Lebens.

 

Aber vielleicht verstehe ich Sie auch eher richtig, wenn ich annehme, dass Sie einerseits sagen: "Gut, Gott kann man nicht sehen, er hat keinen Körper, wie also soll ich ihn mir dann vorstellen?" Wenn das Ihr Anliegen ist, so kann ich vielleicht ein wenig weiterhelfen. Das Christentum spricht von Offenbarung, wenn es darum geht, wie sich Gott den Menschen "zeigt", selbst, wenn er selbst nicht sichtbar wird. Christen glauben darum, dass sich Gott in der Geschichte immer wieder offenbart, also gezeigt hat. Unser Zeugnis für diese Offenbarung ist die Bibel. Das dürfen wir uns nicht als "Beweis" vorstellen, sondern eben als "Zeugnis", also als Glaubensaussagen, die das Christentum als verbindlich ansieht. In der Bibel wird also erzählt, wie sich Gott den Menschen gezeigt hat. Das geschah bereits zu Zeiten vor Jesus Christus, erhielt aber – so die christliche Meinung – ihren wichtigsten Zug, als Gott in Jesus tatsächlich Gestalt annahm – menschliche Gestalt. Da war er also tatsächlich für eine gewisse Zeit körperlich anwesend.

 

Diese Vorstellung ist etwas sehr Besonderes und hat eine Menge Konsequenzen für den christlichen Glauben, denn eigentlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass ein allmächtiger, allgegenwärtiger Gott, der sogar das ganze Universum schuf, in einem Menschen, der sterblich und unvollkommen ist, überhaupt "Platz hat", wenn Sie so wollen. War Jesus also nun ein Mensch oder ein Gott? Oder doch beides? Und wie sollte man sich das vorstellen? Generationen von Theologen haben sich darüber die Köpfe zerbrochen und schließlich einigte man sich auf die Ihnen vielleicht bekannte Formel von der Dreifaltigkeit – Vater, Sohn und heiliger Geist. Die drei "Personen" sind ein Gott – und sind unterschiedlich zu erfahren bzw. zu denken. Der Vater ist der Schöpfer, aus dem alles stammt, der Sohn ist der, der uns nah gekommen ist, weil er Mensch war, und der Heilige Geist ist die Weise, die Gott wirkt, wie er bis heute erfahrbar ist. Das ist freilich sehr, sehr kurz gefasst, und die Lehre von der Dreifaltigkeit ist sehr viel komplexer, doch ich hoffe, dass Sie mir folgen können.

 

Gott ist also für Christinen und Christen ein persönliches Gegenüber, dem sie sich anvertrauen, der die Welt schuf, der den Menschen nahekam und der in der Welt wirkt. Der christliche Gott will die Gemeinschaft – mit sich und unter den Menschen. Das ist wichtig, weil Sie nach einem begriff fragen. Wäre Gott ein begriff, hätte er keine Bedeutung. Doch als Gegenüber in Beziehung bekommt er diese Bedeutung für diejenigen, die an ihn glauben.

 

Vielleicht steht nun bei Ihnen zunächst ein "Hmm" im Raum. Trotzdem hoffe ich, dass ich ein Wenig erläutern konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Sehr geehrter Herr Frank Muchlinsky,
obwohl mir die Frau von Winterfeld nicht bekannt ist, vermute ich, Sie fragte nach dem GottesBILD (schrieb aber GottesBEGRIFF) – also danach wie man Gott mit Eigenschaften belegen kann, damit Kommunikation über das Kern-Sein der Religion überhaupt möglich ist. Je weiter man da ausholt, um so unklarer wird es.

Ich las mal diese Beschreibung von Gott:

Gott ist ohne Geschlecht, Größe, Gestalt, Farbe oder irgendwelcher Eigenschaften eines individuellen lebenden Seinswesen.

Gott ist von nichts getrennt, Er ist vielmehr überall anwesend, Er ist das Alles in Allem, das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, die Gesamtsumme von Allem, was jemals war, was jetzt ist und was je sein wird.

Gott ist bedürfnislos.

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An einer Stelle schreiben Sie ZITAT: „als Gott in Jesus tatsächlich Gestalt annahm – menschliche Gestalt.  “

Hier gibt es für das Gottesbild ein Problem. Problemträger ist dabei nicht Jesus – Gottes biologischer Sohn – sondern sein biologischer Erzeuger, Gottvater.

Jede Spezies kann nur ihresgleichen zeugen und gebären (eine Kuh kann keinen Fisch zur Welt bringen). Erschaffen kann Gott seinen Sohn auch nicht, da Sohn nur ist, der die väterlichen Gene in sich trägt (die Mutter, war eine Menschenfrau - also kompatible Gene). Also – Gott, Schöpfer des Universums ist ein (Super) Homo Sapiens. Sehr ernüchternd, wenn Sie mich fragen.

Da wird auch der Bibelhinweis, das Gott uns nach Seinem Ebenbilde schuf, etwas weniger geheimnisvoll.

Wagten Sie es denn, beim nächsten Mal, wenn vom Sohn Gottes die Rede ist, zu sagen, wie es nur sein kann und ich es eben darlegte?

Vor 2000 Jahren – eine streng patriarchale Gesellschaft – war die Dominanz des Mannes, das einzig Vorstellbare. Also unterstellte man Gott - selbstverständlich als Mann gedacht - gleiche Ambitionen: Einen Sohn zeugen (Statussymbol - Männlichkeitsbeweis) was als Mann, nur mit einer Frau geht. Eine gezeugte Tochter wäre unter „Pech gehabt“ gelaufen. Von Genen wusste niemand was. Auch Gott nicht.

Dabei gibt es noch ein Problem: Das Gottessohn-Zertifikat erhielt Jesus erst 300 Jahre später (Konzil von Nicäa), weil bei den Bischöfen (auch Sie beschreiben es) erhebliche Zweifel über die Gottsohnschaft bestanden. Aber der heidnische Chef des Konzils, Kaiser Konstantin, drückte die Gottsohnschaft durch, da der Religionsstifter sonst nur den gesellschaftlichen Status, eines rechtmäßig hingerichteten Terroristen gehabt hätte. Das damalige Urteil wollte er nicht aufheben (Recht muss Recht bleiben - Lex est lex manet), Jesus brauchte also eine heftige Aufwertung um den Schmachteil zu überdecken. Also Gottessohn, wie es etliche Höhergestellte in der damaligen Kultur gab.

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