Fundamentalismus in der evangelischen Kirche?

gestellt von Mina Schrommse am 25. April 2014

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
Wir wohnen hier gegenüber einer innerkatholischen, fundamentalistischen Gruppierung, die hier von bischöflicher Seite anerkannt und gefördert wird.
Die Frauen sind natürlich überwiegend Hausfrauen, haben viele, viele Kinder, die Bibel wird wörtlich ausgelegt und die allgemeine Grundhaltung dieser Christen ist rückwärtsgewandt und intolerant gegenüber jeglicher Vielfalt von allem außerhalb ihrer eigenen Gruppe.
Meine Frage ist:
Gibt es solche Gruppierungen auch innerhalb der evangelischen Kirche?
Und falls ja: Wie geht die EKD damit um?  Hier auf den Seiten lese ich ein Bekenntnis zur Vielfalt und Offenheit der "Buntheit" des Lebens gegenüber.
Und auch dass die Bibel ein Bekenntnis zur Offenbarung ist, das in geschichtlichen und kulturellen Kontexten entstanden ist und nicht rein wörtlich zu verstehen ist.
Da dürfte ja kein Fundamentalismus gedeihen dürfen?
ich freue mich, auf Ihre Antwort!
Herzlichst
M. Schrommse

Liebe Frau Schrommse,

 

auch die evangelischen Kirchen haben ihre eher fundamentalistischen Gruppen und Gemeinden, und das gilt nicht nur für die Freikirchen, sondern auch für diejenigen, die landeskirchlich verfasst sind.

Es ist eben so, dass die evangelische Kirche "von unten nach oben" funktioniert, also die Gemeinden vor Ort bestimmen, wie sie sich ausrichten, ob eher konservativ oder eher liberal. Die Offenheit und Buntheit des protestantischen Lebens zeigt sich eben auch dadurch, dass wir selbst fundamentalistische Gruppen und Gemeinden haben. Sicherlich sehen die das anders, aber sie sind ein Teil der Vielfalt. Wer offen und tolerant durch das Leben geht, kommt nicht drum herum, auch mit denjenigen umzugehen, die es sich einfach machen, weil sie alles zu wissen meinen.

 

Die EKD ist ja keine eigene Kirche, sondern sie ist die Gemeinschaft der verfassten evangelischen Landeskirchen. Die wiederum sind auf ihre Gemeinden gegründet, und die Gemeinden bestehen aus einzelnen Menschen. Dennoch vertritt die EKD eine eigene Meinung, die sich eben aus den gewählten Gremien und dem Rat ergibt. Hier werden Sie auf absehbare zeit eher eine zeitgemäße, liberale und offene Umgangsweise mit der Bibel und unserem Glauben wiederfinden. Eine Möglichkeit, direkt auf fundamentalistische Gruppierungen einzuwirken, gibt es allerdings nicht. Wie gesagt: Auch der erzkonservativste Christ trägt seinen teil zur Vielfalt bei.

 

Bleiben wir aber offen! Das ist immer noch der beste Weg, dem Fundamentalismus entgegenzuwirken, indem man selbst nicht den Weg der Abschottung wählt.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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