Sollen auch Protestanten Heilige für sich beten lassen?

Gefragt von Sophia

Die Heiligen kommen in unserer Kirche oft etwas kurz, was angemessen erscheint, wenn man bedenkt, dass wir sie nicht so verehren, wie unsere kath. Brüder und Schwestern es tun (wenn gleich viele keine schlechten Vorbilder sind).
Im Gespräch mit eben diesen komme ich immer wieder ins straucheln, wenn ich meine, nicht zu Heiligen beten zu wollen. Denn das tun die Katholiken ja auch nicht, sondern sie bitten sie nur, für sie bei Gott Fürsprache zu halten. Da andere Menschen für uns beten können und wir sie (manchmal) auch darum bitten, könnten es die Heiligen ja wohl auch. Was antworte ich ev. korrekt? Kann ich Heilige bitten, bei Gott Fürsprache für mich zu halten und es gehört bloß nicht zu ev. Gewohnheit, oder spricht theologisch gesehen doch etwas dagegen?

Liebe Sofia,

 

Sie haben völlig Recht: Auch aus evangelischer Sicht sind die Heiligen gute Vorbilder für uns. Das ist auch der Status, den Luther ihnen gibt. Das Problem dabei, Sie um Fürsprache zu bitten, besteht in der katholischen Vorstellung, dass die Heiligen (und nur sie) bereits vor Gott gerecht und vollständig verwandelt in seiner himmlischen Gegenwart sind, während alle anderen toten Seelen noch auf ihre "Läuterung" (also Reinmachung) warten, bzw. diese im Fegefeuer bereits bekommen. Diese Vorstellung gibt es im Protestantismus nicht. Bei uns gilt, dass wir alle Heilige sind, wie wir es im Glaubensbekenntnis sagen: Wir Christinnen und Christen sind die "Gemeinschaft der Heiligen". Niemand kann während seines Lebens so "gerecht" sein, dass er nach seinem Tod bereits völlig rein und verwandelt Gott schauen darf. Wir alle brauchen Gottes endgültige Vergebung im Jüngsten Gericht.

 

Darum können die "Heiligen" gar nicht besser Fürbitte halten als andere Menschen. Nach katholischer Lehre wird ein Gebet tatsächlich kraftvoller, wenn mehrere Leute dasselbe beten, und wenn dann noch die reinen "Heiligen" dazukommen, wird es noch mächtiger.

 

Ein weiterer Einwand gegen die Fürbitte durch die Heiligen ist dieser: Es macht Jesus Christus klein. Seit Gott Mensch geworden ist, haben wir einen direkten Kontakt zu ihm. Wir dürfen uns im Gebet direkt an Jesus Christus, den Sohn Gottes, wenden. Das tun Katholiken auch, doch ist ihr Gebet zu den Heiligen ein Umweg, den wir nicht gehen müssen. Im Gegenteil, wenn Gott uns on Jesus Christus begegnet ist, sich uns ganz hingegeben hat und gelehrt hat, dass wir uns direkt an unseren Gott wenden dürfen, dann ist das Gebet "über die Heiligen" eigentlich eine Nichtachtung dieser Heilstat.

 

Men letztes Argument gegen die Fürbitte durch Heilige ist, dass es ganz praktisch eine Hierarchie zementiert, die es vor Gott nach meinem Glauben nicht geben kann: Bessere Christen und schlechtere Christen, solche mit direktem Kontakt zu Gott und solche, die Priester, Päpste oder Heilige brauchen, um Gott nahe kommen zu können. Es ist gut, Fürbitte für einander zu halten, doch wird Gott nicht hellhöriger, wenn tote Heilige mitbeten.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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