Muss man bei der Trauung "bis der Tod uns scheidet" sagen?

gestellt von Christina M. am 13. Mai 2014
Eheversprechen

Foto: imtmphoto/iStockphoto/Getty Images

Hallo Herr Muchlinsky,

mein Partner (51, kath.,nach 24J.Ehe geschieden) und ich (49, evang., nach 26J. Ehe geschieden) möchten uns trauen lassen. Wir möchten aber beide nicht vor Gott schwören, so wie damals: bis das der Tod euch scheidet. Ist es möglich, dass wir uns beiden ein selbst aufgesetztes Eheversprechen während des Traugottesdienstes geben?

LG Christina

Liebe Frau M.,

 

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Entschluss, wieder zu heiraten! Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie und Ihr Partner nach Ihren Erfahrungen zögern, in Ihrem Traugottesdienst die Formulierung "bis der Tod uns scheidet" zu verwenden. Allerdings möchte ich Ihnen gern sagen, dass es sich bei dem, was Sie da im Gottesdienst tun werden, nicht um einen Schwur handelt, sondern um ein Versprechen. Das mag zunächst nach einem sehr geringen Unterschied klingen, aber es macht doch eine Menge aus. Ein Versprechen kommt in der Regel aus einem inneren Bedürfnis, einen Schwur leistet man, weil es von einem verlangt wird. Vielleicht fragen Sie sich einmal, ob Sie das Bedürfnis haben, Ihrem zukünftigen Mann bei der Trauung nicht doch zu sagen: "So, wie ich hier heute stehe, so wie wir uns lieben, meine ich es so ernst mit uns, dass ich sage: Das gilt – bis der Tod uns scheidet." Das ist nun kein Formulierungsvorschlag meinerseits, sondern es soll beschreiben, was diese Formulierung des Eheversprechens meint.

 

Wenn Sie trotzdem eine andere Formulierung lieber hätten, können Sie das mit Ihrer Pfarrerin oder Ihrem Pfarrer im Traugespräch ganz offen ansprechen. Es ist generell durchaus möglich, dass Traupaare ihr Trauversprechen selbst formulieren. Ich möchte Ihnen aber trotzdem noch einmal Mut machen: Nutzen Sie an diesem großen Tag auch die ganz großen Worte und machen Sie Ihr Versprechen nicht kleiner, als Sie es meinen.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

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