Warum Adventskalender erst ab dem 1. Dezember?

Gefragt von Gast

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,

Adventskalender zählen entweder in Bezug auf das Kirchenjahr oder auf den bürgerlichen Kalender. Soweit ist alles noch klar. In vielen Kirchengemeinden gibt es zwischenzeitlich den "lebendigen Adventskalender". Beim leblosen Adventskalender wird täglich ein Türchen geöffnet, beim lebendigen Adventskalender wird ein Garagentor geöffnet, ein Rolladen hochgezogen, ein Bullauge geöffnet oder eine sonstige Stelle. Dahinter verbirgt sich dann eine Überraschung: Kerze, Lied,Glühweinstand...Jeder darf zum entsprechenden Fenster, Dachluke bzw. Garagentor kommen und mitfeiern.

Doch eine Frage tut sich auf: Warum feiern Kirchengemeinden nach dem weltlichen Kalender? (beginnend am 1.Dez) und nicht nach dem christlichen Adventskalender? (beginnend am 1. Advent, 30 Nov.). Ist der christliche Kalender tot? Also nicht mehr lebendig?

Liebe "Gast",

 

Sie haben Recht: Der Adventsbeginn liegt in jedem Jahr anders. Es sind eben die vier Sonntage vor dem Weihnachtsfest. Das heißt, der frühestmögliche Termin für den 1. Advent ist der 27. November, der spätestmögliche Termin ist der 3. Dezember. Die Adventszeit ist darum unterschiedlich lang.

Es hat sich – auch da haben Sie Recht – eingebürgert, diese jährlichen Schwankungen einzuebnen, indem man den Advent immer mit dem 1. Dezember beginnen lässt. Das lässt sich einfacher merken und – das ist meine Vermutung – ist für die industrielle Herstellung von Adventskalendern deutlich attraktiver.

Ja, man mag seufzen und es beklagen, wenn auch schöne kirchliche Veranstaltungen sich diesem Diktat beugen. Der lebendige Adventskalender ist wirklich eine schöne Erfindung, und es wäre sicherlich auch schön gewesen, wenn in diesem Jahr überall die erste Tür bereits am 30.11. geöffnet hätte.

Dennoch ist der kirchliche Adventskalender nicht tot. Ich nehme an, die gemeinden haben sich einfach dem allgemeinen Trend angeschlossen. Das ist immer noch besser, als wenn "Weihnachtsmärkte" vor Totensonntag öffnen. Wenn es Sie aber wirklich so sehr stört, dass der lebendige Adventskalender  nicht den ganzen Advent über Türen öffnet, dann bieten Sie Ihrer Gemeinde an, im nächsten Jahr bereits am 29.11. eine Tür bei Ihnen zu öffnen.

 

Bleiben Sie lebendig! Herzlichen Gruß

Frank Muchlinsky

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Kommentare

In zwei der Dörfer, für die ich als Pfarrer zuständig bin, gibt es seit 13 Jahren diese "Adventsfenster", wie die Leute sagen. Ich habe den Brauch aus meiner "alten" Gemeinde mitgebracht, und irgendwie war es von Anfang an selbstverständlich, dass wir mit der "1" anfangen und bis 23 oder 24 hochzählen. Warum? Vielleicht weil es für die Kinder einleuchtender ist als mit einem Sonntag zu beginnen, der der 27. November oder auch der 2. Dezember sein kann. In der Stadtkirche haben wir am Freitagabend vor dem 1. Advent eine ökumenische Adventsvesper gefeiert. Warum? Weil da der Weihnachtsmarkt eröffnet wird und die Altstadt schon längst von adventlichen Lichtern und Düften erfüllt ist. Als ich in England lebte, wunderte ich mich, dass die Kirche dort die Wochen, die bei uns dem stillen Totengedenken und dem Leid vergangener Kriege gewidmet sind, als "weeks before Advent" begeht. Und dann sind da noch die Lebkuchen und Christstollen, die Aldi in den letzten Augusttagen ins Regal räumt und gegen die meine Kirche mit einer Webseite "Advent ist im Dezember" (!) wacker zu Felde zieht.
Klar scheint: Wer sich dem Geheimnis von Weihnachten nähern will, braucht etwas "Anlauf". Aber Gott ist doch nicht Mensch geworden, damit die Menschen sich über den rechten Beginn dieser Vorbereitung zerstreiten und als Protestantische Evangelen Gegen die Instrumentalisierung der Adventszeit auf die Barrikaden gehen. Angesagt ist vielmehr, sich auf das Kommen des Herrn vorzubereiten, und den Verzicht auf Rechthaberei einüben ist ein guter Schritt auf diesem Weg.