Pate aus dem Ausland?

gestellt von Sabine Halsema am 5. Mai 2015

Hallo Herr Muchlinsky,

wir haben zwei Paten für unsere Kleine. Die Patin ist in der evangelischen Kirche, da gibt es also keine Schwierigkeiten. Aber der Pate lebt seit Jahren in den USA. Er hat noch einen Wohnsitz in Wien und sagt, er sei nie aus der Kirche ausgetreten, glaubt aber nicht, jemals Mitglied gewesen zu sein. Er ist in Deutschland getauft und konfirmiert worden, war aber in Deutschland oder Österreich nie berufstätig, sondern hat immer nur in den USA gearbeitet. Kann er "vollwertiger" Pate werden und welchen Nachweis braucht er für unsere Gemeinde? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!

Liebe Frau Halsema,

Generell gilt: Wer in Deutschland Mitglied der evangelischen Kirche ist, gehört zur jeweiligen Landeskirche, in deren Gebiet der eigene Wohnsitz liegt. Wer also seinen Wohnsitz in Deutschland aufgibt und ins Ausland zieht, verlässt seine Landeskirche und gibt auch rechtlich seine Kirchenmitgliedschaft auf. Das geschah bei Ihrem Freund, als er nach Österreich und in die UISA zog. Er ist in Deutschland kein Kirchenmitglied mehr.

Damit Ihr Freund Pate werden kann, benötigt er eine Bescheinigung, dass er getauft und konfirmiert ist und Kirchenmitglied. Nun weiß ich nicht, ob Ihr Freund in den USA einer evangelischen Kirche beigetreten ist, die ihm eine Mitgliedschaft bescheinigen könnte. Die Kirche nimmt das Patenamt sehr wichtig, denn es geht immerhin darum, dass die Paten das Kind in seiner christlichen Entwicklung unterstützen sollen. Darum möchte ich Sie unbedingt bitten, dass Sie mit der Pfarrerin beziehungsweise mit dem Pfarrer sprechen, der Ihr Kind taufen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie gemeinsam eine Lösung finden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen und grüße herzlich

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Hallo,
das oben stehende Problem habe ich auch. Eine Freundin (in Deutschland getauft und konfirmiert) zog mit ihrer Familie nach Großbritannien. Dort trat sie nicht aktiv einer Gemeinde bei. Sie trat aber auch nicht aktiv aus der Kirche aus. Sie soll Taufpatin meiner 13-jährigen Tochter werden, die nächstes Jahr konfirmiert wird. Nach oben stehender Antwort, trat sie de facto mit dem Umzug aus der Landeskirche aus. Geht es als Taufpate darum, ein Christ zu sein oder Mitglied einer Landeskirche zu sein? In anderen Ländern wird man nicht automatisch (wie hier) vom Einwohnermeldeamt in eine Kirchengemeinde verpflanzt. Und ist der Taufpate, der vielleicht nur in einer Gemeinde eingeschrieben ist, und sonst nichts mit der Gemeinde am Hut hat mehr Wert, als der Christ, der auf nicht deutschem Hoheitsgebiet lebt? Ich finde es traurig und der Wunschpatin nicht gerecht werdend.
Christ zu sein ist nicht gleichbedeutend mit Mitglied einer Landeskirche zu sein. Christ zu sein ist mehr und bedarf nicht unbedingt dem Mitgliedsausweis einer deutschen Landeskirche. Mit meinem Bekenntnis bekräftige ich das Bündnis mit Gott und nicht mit der deutschen Landeskirche. Gibt es heutzutage für solche Fälle keine modernen Regeln?

Danke!

Hallo Norbert, ich kann Sie sehr gut verstehen. Leider ist das Kirchenrecht da komplizierter, als es nötig sein müsste. Manchmal wird die Kirchenmitgliedschaft aus einem anderen Land akzeptiert, wenn diese vorliegt. Ansonsten ist es vielleicht durchaus möglich, die deutsche Gemeinde in GB um einen entsprechenden Nachweis zu bitten. Ich würde aber all' das mit der entsprechenden Pfarrperson besprechen - vielleicht reicht sogar die Tauf- und Konfirmationsurkunde, das lässt sich aber nur vor Ort klären. Sollte Ihre Tochter bei der Taufe schon 14 sein, ergibt sich noch etwas anderes: In diesem Alter werden Paten und Patinnen i.R. nicht mehr vermerkt, weil Kinder dann als religionsmündig gelten. Das Patenamt gilt kirchlicherseits nur bis zum 14. Lebensjahr. Wenn Ihre Tochter dennoch eine Taufpatin benennen möchte, braucht diese meines Wissens nach keine Unterlagen mitzubringen. Beste Grüße, Johanna Klee

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