Ehe-Annullierung auch evangelisch?

gestellt von Christine Kopp am 24. April 2016

Ist es möglich, auch eine ev.geschlossene Ehe annullieren zu lassen und wenn JA, wie???

Liebe Frau Kopp,

nach evangelischem Verständnis ist die Ehe kein Sakrament. Sie wird auch nicht in der Kirche geschlossen, sondern das geschieht auf dem Standesamt. Aus diesem Grunde ist es weder nötig noch möglich, durch die evangelische Kirche eine Ehe annullieren zu lassen. Eine Ehe endet, wenn ein Gericht sie ordnungsgemäß scheidet.

Wenn eine Ehe scheitert, ist das ausgesprochen traurig und oft sehr schmerzhaft. Manchmal geht so viel zu Bruch, dass man am liebsten die ganze Ehe ungeschehen machen möchte. Aber der evangelische Ansatz ist, dass wir mit unseren Fehlern umgehen müssen. Sie gehören weiterhin zu unserem Leben dazu, selbst wenn wir uns mittlerweile von ihnen abgewandt haben.

Wer sich als katholischer Teil von einem evangelischen Partner scheiden lässt und erneut heiraten will, muss allerdings auch dann bei der katholischen Kirche eine Annullierung beantragen, wenn die Trauung in einer evangelischen Kirche stattgefunden hat.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Ich glaube Herr Muchlinsky, dass das nicht ganz die Frage beantwortet hat.

Die Evangelische Kirche annuliert keine Ehen, kann sie nach unserem Eheverständnis auch nicht, denn die Ehe wird rechtsgültig auf dem Standesamt geschlossen und nicht in der Kirche. Dort wird der Segen für die Ehe gespendet und den könnte nur Gott zurücknehmen.
Es ist jedoch möglich, die standesamtlich/weltlich geschlossene Ehe annullieren zu lassen. Wann wird u.a. hier aufgeführt: http://www.scheidung.org/ehe-annullieren/ Wird eine Ehe von weltlichen Gerichten "aufgehoben", ist sie auch für die Evangelische Kirche aufgehoben. Auch nach unserer Sicht waren die beiden Menschen dann nicht verheiratet. Sofern die aufgehobene Ehe, damals auch in der Kirche bekräftigt wurde und die Kirchengemeinde Kenntnis von der Annullierung bekommt (das tut sie in der Regel nicht), soll der Eintrag im Traubuch gestrichen werden oder einen entsprechenden Vermerk erhalten.
"Annullierung" gibt es also auch für die Evangelische Kirche, einfach weil es diese weltlich auch gibt. Sie ist aber eine Entscheidung weltlicher Gerichtsbarkeit und nicht der Kirche.

Anders sieht die Sache bei der Römisch-Katholischen Kirche aus. Und da wirds echt kompliziert.

Unter Umständen kann es nämlich tatsächlich nötig werden, dass eine standesamtlich/evangelisch geschlossene Ehe eines evangelischen Christen annulliert werden muss, damit dieser einen katholischen Partner kann und diese neue Ehe von der katholischen Kirche als gültig angesehen wird.

Denn erstaunlicherweise schließen nach katholischem Verständnis auch zwei evangelische Christen und sogar zwei Atheisten schon auf dem Standesamt eine katholisch gültige und nach katholischer Sicht unauflösliche Ehe, spenden sich das Ehesakrament - ohne dass sie das überhaupt beabsichtigen oder ahnen.
Zwei katholische Partner, die auf dem Standesamt geheiratet haben, gelten dagegen als unverheiratet und spenden sich erst im Traugottesdienst das Ehesakrament.
Fürs Standesamt gilt also: oB heiratet oB=Sakrament, ev heiratet ev=Sakrament, ev heiratet rk= Sakrament, rk heiratet rk=noch kein Sakrament

Dadurch ergibt sich die Konsequenz:
Will ich als Geschiedener einen ledigen/verwitweten katholischen Christen nach katholischem Ritus ehelichen, geht das nur, wenn die vorherige Ehe "ungeschehen" gemacht wird, also annulliert wird.
Damit ist aber nicht die säkulare gerichtliche Annullierung/Aufhebung der Ehe gemeint. Sondern der Geschiedene und sei Ex-Partner müssen über den Bischof der Diözese in Rom einen Antrag auf annullierung der Ehe einreichen.
Früher war das sehr schwer durchzusetzen, nahezu unmöglich. Heute geht es etwas leichter, insbesondere bei Nicht-Katholiken, - dauert aber unter Umständen trotzdem Jahre.

Aus seelsorgerlichen Gründen finde ich das Verfahren sehr bedenklich, denn dem Ex-Partner - der ja nun nichts für die neuerliche Eheschließungsabsicht des anderen kann - wird damit unterstellt, in "wilder Ehe" gelebt zu haben, Kinder die in der annullierten Ehe entstanden, gelten aus Sicht der katholischen Kirche als unehelich geboren usw. Wenn dieser Ex-Partner sich außerdem quer stellt, wird die ganze Annullierung auch noch erschwert.
Eine sehr heikle Situation.

Ich bin zu gar in die katholische Kiche eingetreten mit meinen 2 Kindern weil mein Lebensgefärte katholisch ist wir heirateten wollen und uns gesagt wurde das einer annulierung meiner ersten Ehe nichts mehr im wege stehen würde und jetzt bekomme ich gesagt das es nicht geht!Ich bin zu tiefst erschüttert.Ich werde in die evangelische Kirche wieder wechseln .

Wieso denn heiraten, wenn man danach die Ehe gleich annulieren lässt? Kann sowas nicht vorab besser durchdacht werdn?

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