Wie menschlich war Jesus?

gestellt von Falk am 3. September 2016

Guten Tag Herr Muchlinsky!

Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, dass Jesus ja nicht nur Gott/Gottes Sohn war/ist, sondern auch Mensch. Und dann habe ich mir überlegt, ob er* auch so banale Dinge getan hat wie Rülpsen und Furzen? Hat er mit anderen gescherzt und gelacht? In der Bibel finde ich dazu kaum etwas. Ich hoffe, das alles ist jetzt nicht blasphemisch. Aber gehört so etwas nicht auch zum Menschsein dazu?

Und wenn Jesus Mensch war, war er dann auch sexuell? War er hetero, bisexuell, schwul, pansexuell oder asexuell?? Wenn ich an diese Geschichte mit dem "Lieblingsjünger" denke, wäre es für mich zumindest erstmal nicht auszuschließen, darüber nachzudenken, ob Jesus nicht vielleicht doch schwul war? Und welche geschlechtliche Identität hatte Jesus als Gott-Mensch-Person? War Jesus wirklich männlich oder doch eher intersexuell oder einfach gar nichts oder irgendwie alles zusammen? Und warum war er wahrscheinlich das eine und nicht das andere?? Und wie steht die Kirche zu alledem??

Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

Viele Grüße

Falk

Lieber Falk,

 

ich merke an der Art, wie Sie Ihre Frage stellen, dass Sie großen Spaß dabei hatten, sich Jesus mal so richtig als Mensch vorzustellen. Eben nicht als vergeistigten Wellenwanderer oder Prediger, sondern als Mensch aus Fleisch und Blut – "mit allem und scharf"! Da kann ich nur sagen: Wenn's Ihnen hilft, sich Jesus näher zu fühlen, können Sie das gern tun. Stellen Sie sich Jesus so menschlich vor, wie Sie nur wollen. Das Gute ist ja, dass die Bibel darüber gerade nichts schreibt. Der Fehler ist nicht, wenn wir uns das eine oder das andere über Jesus vorstellen, das nicht in der Bibel steht, sondern, wenn wir anfangen zu behaupten, so und nciht anders sei es gewesen.

 

Wenn Sie sich zum Beispiel die verschiedenen Darstellungen von Jesus anschauen, wird Ihnen auffallen, dass er in Europa und Amerika fast ohne Ausnahme als Weißer dargestellt wird. In Afrika ist das nicht unbedingt so. In der Bibel steht über sein Aussehen aber gar nichts. Nicht seine Statur, nicht seine Haarfarbe, und dass er zum Beispiel einen Bart trug, schließen wir lediglich daraus, dass er eben ein frommer Jude war. Ansonsten stellen wir uns Jesus gern so vor, wie wir selbst sind, damit wir uns ihm nahe fühlen können. Wie gesagt, das haben Christinnen und Christen stets getan. Problematisch wird es allerdings, wenn man das nicht mehr hinterfragt. Jesus wird kaum jemals mit semitischen Zügen dargestellt, obwohl man ahnen kann, dass er so aussah. Wir hinterfragen das Bild vom freundlich dreinblickenden jungen Mann mit den lieblichen Gesichtszügen einfach nicht mehr. Darum ist Ihr Ansatz zunächst einmal richtig: Stellen Sie in Frage, was gemeinhin behauptet wird, und für das es keine biblische Begründung gibt.

 

Kommen wir zur Frage der Sexualität Jesu. Ich denke, wir Christinnen und Christen können glücklich sein, dass die Bibel hier keine Aussage macht. Schon die Tatsache, dass Jesus männlichen Geschlechts war, hat den Frauen in seiner Nachfolge das Leben schwer genug gemacht. Letztlich sollte es doch überhaupt keine Rolle spielen, welches Geschlecht der Erlöser aller Menschen hatte? Wer immer aus seiner eigenen Vorstellung über Jesus sozusagen ein Programm macht, nimmt Jesus anderen Menschen weg. Ich kann mir Jesus als heterosexuell vorstellen. Doch sobald ich behaupte, er wäre heterosexuell gewesen, nehme ich homosexuellen Christinnen und Christen ein wenig von ihrer Nähe zu Jesus. Das gilt natürlich genauso im umgekehrten Fall.

 

Sie haben nach der dem Standpunkt der Kirche gefragt. Er lautet Jesus Christus ist der Erlöser aller Menschen. Das ist er durch sein Heilshandeln geworden, also durch die Tatsache, dass in ihm Gott Mensch wurde. Er war so radikal Mensch, dass er litt und starb. Ob er und wenn ja, mit wem er Sex hatte, spielt dafür keine Rolle. Und dennoch: Spekulieren Sie ruhig! Die Frage, ob Jesus gelacht hat, hat im Mittelalter für die anregendsten Diskussionen gesorgt und uns noch im wunderbaren Buch "Der Name der Rose" von Umberto Eco beschäftigt.

 

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Kommentare

Ich habe vor kurzen ein Buch gelesen, in der diese Thematik eine Rolle spielt: "Die Bibel nach Biff" von Christopher Moore. In dem Roman geht es um die Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten Freund. Das Buch ist nicht nur richtig lustig (ein ähnlicher Humor wie bei Terry Pratchett oder Douglas Adams), es gibt auch immer wieder nachdenkliche Töne. Jesus, der im Buch immer Josh genannt wird, ist mir während das Lesens sehr ans Herz gewachsen. Gerade, weil immer wieder seine menschliche Seite beschrieben wird. Obwohl der Autor sich selbst nicht als Christ sieht, merkt man ihm einen tiefen Respekt für christlicher Ethik und Spiritualität an. Ich war außerdem überrascht, wie viele Gedanken sich der Autor gemacht hat, um die Lebenswelt zur Zeit Jesu authentisch zu beschreiben.

Obwohl es sich um eine fiktionale Geschichte handelt, konnte ich viele interessante Gedanken und Impulse mitnehmen, die mir auf meinem Glaubensweg weitergeholfen haben. Deshalb möchte ich das Buch hier gerne Empfehlen, vielleicht hilft es Ihnen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema.

viele Grüße!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus viel gelacht hat. Meistens hat er doch Händler aus dem Tempel rausgeworfen und ist hart vorgegangen gegen die Pharisäer. Er hat sie offen als Heuchler bezeichnet, die ihre Frömmigkeit öffentlich zur Schau stellten. Als er den Lazerus auferweckt hat, da hat er gewiss auch nicht gelacht. Als er den Blindgeborenen geheilt hat, da haben doch die meisten vor Rührung geweint. Ich kann mir aber vorstellen, dass Jesus beim Weinwunder zu Kanan eventuell gelacht haben könnte.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Jesus so herzhaft gelacht hat, dass man sagen könnte, er hätte sich "kaputtgelacht." Aber wenn er bei seinen Heilungen die Menschen angerührt hat oder zu ihnen z. B. in der Bergpredigt gesprochen hat, war er freundlich zu seinen Zuhörern, zu denjenigen, die sich ihm anvertraut haben und dazu gehört auch ein Lächeln, denke ich.

Fazit: Jesus hat sich wohl niemals "ausgeschüttet vor Lachen" aber er ist den Menschen, nicht immer, aber doch sehr oft, mit einem Lächeln auf den Lippen begegnet.

Ich bewundere diese Antwort von Frank Muchlinsky sehr. Für den Fall, das der Fragesteller nur blasphemisch provozieren wollte, hat der Pfarrer ihm elegant den Wind aus den Segeln genommen.
Der Fragesteller ist trotz intellektuell angehauchter Sprachgebung sehr offensichtlich auf einem eklatanten Irrweg, wenn er glaubt es sei für sein Seelenheil oder für sein geistiges-geistliches Wachstum wichtig, ob Jesus "gefurzt" hätte.
Ich fürchte, es wird nicht mehr lange dauern da werden die immer mehr werdenden schwulen Pfarrer verkünden, das unser aller Erlöser selbst schwul gewesen sei. Die Schwulenlobby, welche Abseits klarer biblischer Gebote das Schwulsein als das Maß aller Dinge propagieren, scheuen sich leider nicht sowohl Gott als auch den Mensch gewordenen Gott, Jesus, für sich zu vereinnahmen und ihre persönliche Lebensart damit zu "begründen". Wer um diesen Umstand mitten aus dem Leben praktisch kennt, muss diese Antwort von Frank Muchlinsky hier umso mehr bewundern.

Ich freue mich, dass Ihnen meine Antwort gefällt, allerdings wäre es mir nicht recht, wenn ich so verstanden würde, als ginge es mir darum, Schwulen abzusprechen, sich Jesus als ebenfalls schwul vorzustellen. Wie bereits erwähnt: Ein Problem wird meiner Meinung nach erst dann daraus, wenn man seine eigene Vorstellung als allgemeingültig hinstellt.

Herzlich, Frank Muchlinsky

So weit ich weiß, war Jesus der einzigste Mensch auf der ganzen Welt, der ohne Sünde war. Rülpsen oder pupsen sind nachweislich keine Sünden. Trotzallem: Ein Pups ist immer unangenehm, vor allem, wenn er schrecklich laut war und wenn andere Leute davon Wind bekommen!

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