Welche Bücher kann man mit theologischem Interesse lesen?

gestellt von Bernhard Hieronymus am 13. Februar 2018

Lieber Herr Muchlinsky,

ich lese Ihre Antworten interessiert und regelmäßig und habe u.a. darüber ein gesteigertes Interesse an theologischen Fragen entwickelt. Jetzt bin ich leider schon voll im Berufsleben und habe nicht mehr die Möglichkeit, mich einfach mal „nebenbei“ in Vorlesungen an der Uni zu setzen.
Hätten Sie vielleicht ein paar Buchtipps für mich, über die ich einen Einstieg in die evangelische Theologie finden könnte?

Vielen Dank und freundliche Grüße,
Bernhard Hieronymus

Lieber Herr Hieronymus,

ich habe Frau Weiß gebeten, Ihre Frage zu beantworten, einfach, wei ihr Theologiestudium erst zwei Jahre zurück liegt. Sie ist sozusagen noch voll im Thema. Ihre Enpfehlungen finde ich klasse!

Herzlich, Frank Muchlinsky

 

Lieber Herr Hieronymus,

 

ein Theologiestudium dauert i.d.R. zwölf Semester, sechs Jahre. Ich und mit mir viele Theologen und Theologinnen sind der Meinung, dass dieses Studium auch Stoff für ein ganzes Menschenleben bietet. Stoff und vor allem Lesestoff!

Und auf ihrem Blog für Theologiestudierende werden vier Lehrwerke empfohlen, die ein Überblickswissen über einige der Fachbereiche evangelischer  Theologie bieten sollen:

Wenn Sie also der Charakter eines Lehrbuches nicht abschreckt, haben sie hier tatsächlich einen umfangreichen Überblick in den Fächern Kirchengeschichte, Homiletik (Predigtlehre), Christologie und Dogmatik. Das Lehrbuch Grundinformation Dogmatik von Rochus Leonhardt schreitet in großen Schritten durch die Theologiegeschichte und nimmt sich dann noch einmal dogmatische Topoi vor, es gibt einen guten Überblick und – das ist in einem theologischen Lehrbuch alles andere als selbstverständlich- es gibt auch ein paar Bilder ;)

Ich persönlich möchte Ihnen gerne drei Bücher empfehlen, die m.E. mehr Leselust mit sich bringen als die Standardwerke die in einem Theologiestudium zur Grundlagenliteratur zählen.

 

Heinz Zahrnt: "Die Sache mit Gott. Die protestantische Theologie im 20. Jahrhundert“, 1967, 512 Seiten

Auf Bücherflohmärkten an theologischen Fakultäten gibt es dieses Buch mindestens ins zehnfacher Ausfertigung und es gibt wenige Theologinnen und Theologen aus deren Bücherregalen der dicke blaue Wälzer mit roten Lettern nicht hervorleuchtet. Das liegt daran, dass „Die Sache mit Gott“ das auflagenstärkste theologische Werk des letzten Jahrhunderts war.  Zahrnt unternimmt die ehrenhafte Aufgabe den christlichen Glauben redlich für Menschen unserer Zeit darzulegen – das Buch ist von 1967, "Menschen unsere Zeit“ schreibe ich mit einem Augenzwinkern, doch 1000 Jahre sind vor Gott wie ein Tag und aus diesem Grund finde ich Zahrnt auch heute noch lesenswert. Zahrnt nimmt den direkten Weg, den des Dialogs, zwischen seinen Lesern Lesern und den wichtigsten Vertretern der protestantischen Theologie im 20. Jahrhundert.

 

Volker Leppin:  "Martin Luther. Gestalten des Mittelalters und der Renaissance“, 2010.

Im Studium der Theologie kommt man um Martin Luther und seine reformatorischen Schriften nicht herum, doch Volker Leppin erleichtert den Zugang zum Mönch und Theologen Martin Luther, zu seiner  spätmittelalterlichen Gedankenwelt und seinem kirchenpolitischen Handeln ungemein.

 

Jörg Lauster: "Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums.“ , 2014, 734 Seiten

Jörg Lauster schreibt sprachgewaltig und seine Kulturgeschichte zu lesen macht wirklich Freude. Vieles was in meinem Studium etwas schwerfällig  durchgepaukt werden wollte, ist mir hier mit Leichtigkeit und Klarheit wieder begegnet. In einem großen Erzählbogen vom Beginn des Wirkens Jesu bis in die deutsche Nachkriegsgeschichte wählt Lauster  anschauliche Beispiele dafür, wie das Christentum nicht nur in den christlichen Kirchen sondern in Musik, Literatur, Architektur und den schönen Künsten fortwirkt.

 

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Auswahl etwas Leselust machen und Sie finden die Zeit zum Schmökern!

Herzliche Grüße,

Maike Weiß

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