Die Bibel als Grundlage des Glaubens

gestellt von Laura Rieger am 20. Juli 2018

Sehr geehrte Frau Ullmann,
ich habe eine Frage bzgl. der Bibel. Unter anderem auf ihrer Webseite steht, dass die Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens besteht. Nun sind in der Bibel Ansichten vertreten die absolut nicht mit unserem modernen Verständnis übereinstimmen, zum Beispiel in unserer Auffassung von Kirche oder Gleichberechtigung). Meiner Meinung nach ist die Bibel daher eher eine Sammlung von Geschichten ueber Gott und Jesus und sollte eher unterstützend als als Basis gesehen werden. Wie sehen Sie das?
Viele Grüsse, Laura

Liebe Laura,

ja, die Bibel ist eine "Sammlung von Geschichten" - da gebe ich Ihnen recht!

Es ist schwierig für uns, nachzuvollziehen, wie die Texte zustande kamen und bei manchen Texten können wir uns nur wundern, warum Menschen sie lange Zeit als Rechtfertigung für Dinge ansahen und benutzten, die uns heute eher sehr zweifelhaft erscheinen. Viel Unrecht ist den einzelnen Texten auch geschehen und einige rufen bei uns heute eher Ablehnung hervor.

Was die Bibel aber so einzigartig und unverzichtbar macht, ist, dass sie Menschen rund um den Erdball miteinander vereint. Dass sie das Buch ist, das am häufigsten in der Geschichte übersetzt worden ist. Dass Menschen so oft einzelne Verse auswendig wissen, sie zusammen sprechen, sie zusammen lesen und über sie nachdenken. Dieses vermag nur die Bibel - und darum wird weiter an ihr gearbeitet, darum wird sie unermüdlich in immer weitere Sprachen übersetzt oder in moderne Versionen einer großen Sprache übertragen. Die Bibel wird weiterhin fleißig erforscht, gedruckt und in vielen Ländern sehnsüchtig erwartet, so zum Beispiel in China!

Dass wir uns mit den alten Texten weiter auseinandersetzen, ist unverzichtbar. Gerade, weil wir dann auch genau wissen und sehen, was wir heute anders glauben, denken und fühlen und weil diese Unterschiede wichtig sind. Die Bibel bringt ins Gespräch. Sie ist das Buch, das die für uns gültigen Erfahrungen der Menschen mit Gott festhält. Hätten wir Christinnen und Christen sie nicht als Grundlage unseres Glaubens, würde sie uns unendlich fehlen.

Ich möchte Sie ermutigen, liebe Laura, sich immer weiter kritisch - auch ruhig zornig - mit unserem Glaubensbuch zu beschäftigen. Es wird Sie vorwärts bringen - manchmal deshalb, weil Sie lieber eigene Worte finden weil die biblischen für Sie ausgedient haben - aber manchmal vielleicht auch, weil Sie Überraschendes finden können, das Sie noch nicht kannten.

Herzliche Grüße

Veronika Ullmann

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