Schöpfung und Sündenfall

gestellt von Unbekannt am 28. Juli 2018
Schöpfungsgeschichte

Foto: Getty Images/ilbusca

Wenn die menschliche Frau erst später geschaffen wurde... Wie war das bei den Tieren? Wurden die Weibchen da auch erst später geschaffen?
Und: Wie hat sich die Schlange denn vorher bewegt, wenn sie erst hinterher kriechen musste? Und warum überhaupt Schlange und Frau? Und warum wird Sünde vererbt?

Hallo Unbekannt,

sicher haben Sie bereits im biblischen Text der Schöpfungserzählung nachgelesen und versucht Ihre Fragen selbstständig zu beantworten. Dort wird Ihnen aufgefallen sein, dass über die Entstehung bzw. Schöpfung der Tiere nichts gesagt wird. Deshalb kann ich Ihnen die Frage auch nicht beantworten, denn auch mir ist der Schöpfungsmythos, der uns im biblischen Text überliefert ist, die einzige Quelle.

 

Mit Ihren Fragen sprechen Sie natürlich einige Kernthemen der christlichen Theologie an. Auch wie die Schlange sich bewegt hat, bevor sie dazu verdammt wurde auf dem Bauch zu kriechen (vgl. Gen 3, 14f.), weiß ich nicht. Ich finde keinen Beleg dafür im kanonischen Text und war auch damals, also bei der Schöpfung, nicht dabei. Damit sind wir am springenden Punkt, denn die Schöpfungsmythen sind ihrer Bezeichnung nach Erzählungen, die man sich über Jahrtausende weitergegeben hat, um sich Erscheinungen zu erklären, die wir heute vorfinden. In der Bibelwissenschaft nennt man das Ätiologie. Ein Mythos ist also etwas, was wir nicht sicher belegen, aber auch nicht sicher widerlegen können. Auf diesen Mythoscharakter möchte ich Sie in Bezug auf Ihre Fragen verweisen. Ihrer Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt, wie sich die Schlange zuvor fortbewegt haben mag. Gottes Schöpfung ist vielfältig.

 

Warum Sünde vererbt wird (theologisch spricht man von der Erbsünde), geht auf eine Interpretation von vor allem Röm 5,12, wo Paulus seine als Adam-Christus-Typologie bekannte Lehre entfaltet, zurück. Der große spätantike Kirchenvater Augustin aus dem 4. Jh.n.Chr. ist für seine Erbsündenlehre bekannt (Grundlagen dafür legten bereits Tertullian und auch Laktanz – frühere Kirchenväter). In Röm 5,12 heißt es (aus der Lutherübersetzung 2017):

„Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.“

Demnach trägt jeder Mensch, weil er/sie ein Nachkomme Adams und Evas ist, die Erbsünde in sich. Die Sünde ist also in jedem Menschen angelegt und ist schon mit der Geburt vorhanden.

Mit besten Grüßen  

Pia Heu

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