Das jüngste Gericht - wann ist das genau?

gestellt von Frieda Eckert am 18. Oktober 2018

Ist das jüngste Gericht im Augenblick des Todes oder erst am sogenannten jüngsten Tag zu erwarten?
Wie soll das nach der Meinung der Theologen oder der Lehre der Kirche stattfinden?
Wo liegt evtl. die Antwort verborgen?

Liebe Frieda,

 

die Frage nach dem jüngsten Gericht ist eine über die wir bis heute nur spekulieren können. In der Lehre von den letzten Dingen (die Eschatologie) gibt es verschiedene Ansätze. Wenn Sie nach der Meinung der Theologen bzw. der Kirche fragen, kann ich darauf nicht pauschal antworten. Es lassen sich aber grundsätzlich verschiedene Tendenzen zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche erkennen.

Gemeinsame Grundlage bleibt der biblische Text. Dort findet sich aber auch keine konkrete Angabe über den Zeitpunkt des jüngsten Gerichts. Zwei zentrale Belege über das Gericht Gottes finden sich aus dem Alten Testament vor allem bei den Propheten, die diese Vorstellung geprägt haben. Beispielshaft lässt sich da auf Jes 51,1-8 verweisen:

 

1 Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den HERRN sucht: Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid.
2 Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren.
3 Ja, der HERR tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des HERRN, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang.
4 Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen.
5 Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm.
6 Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.
7 Hört mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist! Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen!
8 Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen wie ein wollenes Tuch. Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich und mein Heil für und für.

 

sowie im Neuen Testament auf Lk 21,28: 

 

25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,
26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

 

Ein dritter Vers, einer aus dem Neuen Testament, lässt sich noch anfügen. Er steht in 2Kor 5,10. Dort heißt es:

 

10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.

 

Wenn Sie die Verse lesen, entdecken Sie, dass es dort keine präzise Zeitangabe gibt. Deshalb haben sich in den vergangenen 2000 Jahren zahlreiche unterschiedliche Vorstellungen angehäuft, von denen wir nicht abschließend sagen können welche nun "die richtige" sei.

In der evangelischen Kirche geht man heute vor allem von der sog. "Ganztodtheorie" aus. Diese beschreibt die Vorstellung, dass der Mensch mit dem Tod ganz stirbt, d.h. nicht nur der Körper, sondern auch die Seele stirbt. Nach einer unbestimmten Zeit, die wir nicht fassen und nicht beschreiben können, steht die Seele des Menschen auf und bleibt im ewigen Leben. Wo in dieser Zeitspanne der Tag des jüngsten Gerichts zu verorten ist, das wissen wir nicht und können wir auch nicht final sagen. 

Wo die Antwort also nun verborgen liegt, weiß ich nicht. Ich kenne auch niemanden, der das weiß. Wir können über das Ende des Lebens nur Vermutungen anstellen und in der Hoffnung auf das ewige Leben unser Sterben und unseren Tod vertrauensvoll in die Hände Gottes legen. 

Pia Heu

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Kommentare

Es müsste doch ein grobes Zeitfenster geben, in welchem das Jüngste Gericht stattfindet. Es gibt ja auch einen Zeitraum zwischen dem Fegefeuer und der Hölle, in welchem die Verbliebenen durch Fürbitte und Ablässe für das Seelenheil des Verstorbenen sorgen konnten.

Und wo befindet sich dann die Seele des Verstorbenen in der Zwischenzeit? Gibt es in der christlichen Vorstellung eine Art Wartezimmer, die vom Gedankengut das Antonym des Fegefeuers ist? Es heißt ja, dass nur die Seelen der "valde boni" schon während des Interims im Himmel verweilen, aber was ist mit dem Rest?

Und falls die Seele im Leichnam zurückbliebe, wieso bemühte man sich dann den Leichnam zu beseitigen, statt ihn wie den der Heiligen zu küssen und zu verehren?

Es heißt ja auch das Schicksal nach dem Tod sei noch aushandelbar, daher würde es mich wirklich interessieren ihren Standpunkt dazu zu erfahren. Bibelbelege sind ja ganz nett, aber ich habe die Bibel, sowie verschiedenste Auslegungen dazu , bereits gelesen und würde eine konkrete Antwort erbitten.

Vielen Dank

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