Wie komme ich über den Tod meiner Eltern hinweg?

Tina
Frau mit rosafarbenem Regenschirm
Getty Images/iStockphoto/grinvalds

Hallo.

Im November 2021 starb mein Vater plötzlich und unerwartet. Meine Mutter folgte ihm im September 2022, ebenfalls plötzlich und unerwartet. Leider kam ich bei beiden zu spät, da ich 320 Kilometer entfernt wohne. Es ging bei meiner Mutter so schnell, dass ich nicht mehr die Möglichkeit hatte, mich von ihr zu verabschieden.

Eine Woche später wurde sie beim Bestatter aufgebahrt. Dieses Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf. 😪 Beide wurden in Süditalien bei der Familie meines Vaters beigesetzt, es war von beiden der letzte Wunsch. Dem bin ich gefolgt, aber ich komme damit nicht zurecht. Sie fehlen mir beide und ich habe kaum eine Möglichkeit, sie auf dem Friedhof zu besuchen. Erstens finanziell und zweitens leide ich unter extremer Flugangst.

Ich würde meinen Eltern so gerne noch vieles erzählen, Missverständnisse ausräumen, wie sehr sie mir fehlen. Ich sitze oft hier und rede besonders viel, eigentlich täglich, mit meiner Mutter. Kurz nach ihrem Tod stand mein Umzug an und mich erinnert so viel hier an meine Mama, dass ich manchmal flüchten möchte. Seit September trage ich schwarze Kleidung, die mich sehr traurig macht und mittlerweile habe ich wieder Depressionen. Wie geht man mit solch einem Verlust um?

Meine Mutter hatte doch nur eine Erkältung. Ich war noch 11 Tage zuvor bei ihr, da war noch alles in Ordnung. Ich fuhr zurück, das Wochenende kam sie in die Klinik und 4 Tage später war sie tot. Die Ärztin meinte, ich soll mir keine Sorgen machen, es geht ihr zwar schlecht, aber sie ist stabil. Das war 1,5 Stunden vor ihrem Tod. Am nächsten Morgen kam dann der Anruf. Ich weiß nicht, wie ich das verarbeiten kann. Seitdem ist alles anders.

Liebe Tina,

mein herzliches Beileid zum Tod Ihrer Eltern! Ich kann mir gut vorstellen, dass es wehtut, wenn man sich nicht angemessen verabschieden kann. Es bleibt so vieles übrig, das unerledigt scheint. Es ist eine große Reihe von unglücklichen Umständen zusammengekommen bei den beiden Todesfällen. Sie haben sich sehr an den Wünschen und den Ansprüchen Ihrer Eltern orientiert und auch an Ihren eigenen Ansprüchen.

Natürlich möchte man da sein, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Natürlich möchte man die letzten Wünsche der Verstorbenen erfüllen. Im Fall Ihrer Eltern hat das aber leider für Unglück gesorgt. Der Anblick Ihrer aufgebahrten, toten Eltern hat Sie nicht getröstet, sondern eher verstört. Der Wunsch, in Süditalien beerdigt zu werden, hat Ihnen das Trauern sehr schwer gemacht.

Dazu kommt das, was uns bei jedem Todesfall unglücklich macht: Eine Beziehung bricht endgültig ab. Man denkt noch an die Verstorbenen, man redet vielleicht auch noch mit ihnen. Aber eine Antwort bekommt man nicht, und das macht eine Beziehung aus. Wenn man das Gefühl hat, noch etwas schuldig zu sein, etwas ausräumen zu wollen, so kann man nur noch den eigenen Teil dazu tun, aber die Antwort fehlt.

Das ist einer der Gründe, warum wir unsere Verstorbenen Gott ans Herz und in die Hände legen: Damit Gott das, was offen geblieben ist, noch ganz machen kann. Damit Gott Missverständnisse ausräumt, die wir nicht mehr klären können. Damit Gott Wunden heilt, die wir nicht mehr verbinden können. Und nicht zuletzt: Damit uns Gott vergeben kann, wenn wir es nicht selbst können. Ich habe den Eindruck, dass Sie sich viele Vorwürfe machen, für die Gott Ihnen vergeben wird.

Darum möchte ich Ihnen raten: Reden Sie nicht nur mit Ihrer verstorbenen Mutter, sprechen Sie auch mit Gott über Ihren Verlust! Bitten Sie Ihre Pfarrerin oder Ihren Pfarrer um ein seelsorgliches Gespräch! Sie müssen nicht allein bleiben mit Ihrer Trauer.

Und wenn Sie nicht nach Süditalien reisen können, suchen Sie sich einen anderen Ort, an dem Sie sich Ihren Eltern nah fühlen können. Vielleicht einen Ort, der schöne Erinnerungen an Ihre Mutter oder an Ihren Vater birgt. Ihre Eltern sind schließlich nicht in der Erde. Da liegen nur ihre Körper.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Gott segne Sie!

Frank Muchlinsky

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