Mitarbeitervertretung bei kirchlicher Anstellung

gestellt von Käthe Schwarz-Erdt am 24. Oktober 2018
Bewerbungsgespräch

© Getty Images/iStockphoto/AndreyPopov

Lieber Herr Muchlinsky,
ich habe da mal eine Frage: eine gute Freundin von mir suchte Arbeit in der evangelischen Kirche. Bei Vorstellungsgesprächen ist ihr aufgefallen, dass da jemand von der MAV da sein sollte.
Einmal fehlte anscheinend der Mitarbeiter der MAV unentschuldigt. Ein anderes Mal, so berichtete meine Freundin empört, hatte der Mann der MAV beim Bewerbungsgespräch außer einem Lacher durchgeschlafen. Das Thema Einstufung bei welcher Gehaltsklasse, welches strittig war, verschlief er komplett. Meine Freundin war geschockt. Sie wird unter solchen Umständen nicht bei der Kirche anfangen zu arbeiten. Die MAV Mitarbeiter erfüllen ihren Job nicht richtig. Sie dachte eigentlich, dass es bei der Kirche menschenfreundlicher und christlicher zugeht. Jetzt denkt sie über Kirchenaustritt nach - ich finde das schade. Aber die Verletzung verstehe ich.

Liebe Frau Schwarz-Erdt,

ich kann die Enttäuschung und den Ärger Ihrer Freundin gut nachvollziehen. Gerade in Situationen, in denen man selbst angespannt ist, wie in einem Vorstellungsgespräch, möchte man, dass alle Anwesenden sensibel miteinander umgehen. Dass nun ausgerechnet der Mitarbeitervertreter sich so unaufmerksam verhalten hat, ist in der Tat sehr bedauerlich. Schließlich gibt es die Mitarbeitervertretung ja genau dafür, dass sie sich für die Belange der kirchlich Angestellten einsetzt.

Ich kann darum auch verstehen, dass Ihre Freundin in dieser Einrichtung, in der sie sich beworben hatte, nicht arbeiten möchte. Es wäre sicherlich ausgesprochen schwierig, an dieser Stelle ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis zu schaffen.

Schade finde ich, dass sich Ihre Freundin von der ganzen Kirche verletzt fühlt. So ärgerlich ihre Erfahrungen doch sind, so sehr sollten sie zumindest die kirchlichen Einrichtungen, bei denen sie sich beworben hat, Anlass dafür sein, die Missstände zu beheben. Dafür wäre es gut, wenn sich Ihre Freundin noch einmal direkt an diese Stellen wendete und ihren Ärger dort formulierte. In der Kirche ist es wie in jeder anderen Organisation auch: Im Laufe der Zeit schleichen sich Fehler und Nachlässigkeiten ein. Da hilft es bei der Kirche auch nichts, dass sie eigentlich einen anderen Anspruch an sich hat. Die Fehler müssen eben verbessert werden, und die Nachlässigkeiten müssen behoben werden. Und das geht manchmal nur, wenn man direkt darauf hingewiesen wird.

Ich kann verstehen, wenn Ihre Freundin darauf keine Lust haben sollte, aber gut wäre es in jedem Fall. Bitte grüßen Sie sie von mir!

Alles Gute!

Frank Muchlinsky

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