Neue Perikopenordnung - der letzte Sonntag im Kirchenjahr

gestellt von Gästin am 26. Oktober 2018

Für den letzten Sonntag des Kirchenjahres stehen ab 2019 zwei verschiedene Ordnungen bereit.
Einmal behandelt der Ewigkeitssonntag Mt 25,1-13 als Leittext. Liturgische Farbe ist grün.
Die zweite Ordnung behandelt den Tag "platterdings" als Gedenktag der Entschlafenen (Totensonntag), Leittext Joh 5,24-29, liturgische Farbe Schwarz.

Mal dämlich gefragt: Wo bleibt die evangelische Ordnung?
Bislang wurde nur am Karfreitag die liturgische Farbe schwarz gezeigt. Sonst nie im gesamten Kirchenjahr, dem Herrenjahr.

Liturgische Farbe schwarz steht für den Tod Christi, stellvertretend für Tod und Auferstehung Christi und für die Vergebung der Sünden für alle verstorbenen Gläubigen. Und jetzt??? Jetzt soll der Ewigkeitssonntag mit der Farbe "SCHWARZ" ein Alleinstellungsmerkmal und Verkaufsschlager werden für ALLE Entschlafenen, ob diese nun zu Lebzeiten an Jesus den Christus geglaubt haben oder eben nicht: Atheisten oder Agnostiker oder schlichtweg Ungläubige waren.

Frage 1: Warum werden schlechterdings zwei Ordnungen angepriesen, ab 2019? Und wer genau ist auf diese glorreiche Idee gekommen? Man kann doch nicht einfach aus einer Laune heraus das Kirchenjahr umdeuten. Meiner Meinung nach ist dieses Ansinnen, ein nicht ernstzunehmender Einfall von einer übergeschnappten Arbeitsgruppe.

Frage 2: Wo kann ich mein Veto einlegen?

Warum möchte man ab dem Jahr 2019 die Ungläubigen für was Besonders erklären? Für was Besseres?

Liebe Gästin,

Sie haben das sehr gut erkannt: ab dem neuen Kirchenjahr, also ab dem ersten Advent 2018, wird es eine neue Perikopenordnung geben. Die von Ihnen geschilderte Lage stimmt ebenfalls; für den letzten Sonntag im Kirchenjahr gibt es ein doppeltes Proprium.

Ich werde auf Ihre konkreten Fragen antworten:

Warum werden zwei Ordnungen ab 2019 angeboten?
So wie ich das sehe, werde nicht zwei Ordnungen angeboten, sondern es gibt eine Ordnung, die es vorsieht, dass man zwischen beiden Optionen wählen kann.

Wer ist auf diese Idee gekommen?
Dabei zitiere ich sehr gern die offizielle Webseite der VELKD zur Perikopenrevision: 

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) und die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) haben die bisherige Auswahl der Bibeltexte im gottesdienstlichen Gebrauch einige Jahre lang überarbeitet und den Entwurf nach einer einjährigen Erprobungszeit im Herbst 2017 verabschiedet.  

Wo können Sie Ihr Veto einlegen?
Auf der Seite der VELKD zur Perikopenrevision findet sich der Name des Oberkirchenrates, der die Geschäftsführung für die Perikopenrevision inne hat. Vielleicht schreiben Sie ihm oder einem seiner Mitarbeitenden. Ich bin sicher, dass man sich dort Ihrer Frage annimmt.

Viel Erfolg.

Pia Heu

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Kommentare

Wow, da sind leider etliche Fehler bei der Gästin. Gehen wir sie mal der Reihe nach an:
1) Es gibt auch in der bisherigen Perikopenordnung unterschiedliche "Optionen" für den letzten Sonntag des Kirchenjahres, nämlich den Totensonntag (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#767, lit. Farbe weiß) und den Ewigkeitssonntag (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#766, lit. Farbe grün). Auch bislang gibt es für die beiden Arten, diesen Tag zu begehen, unterschiedliche Predigttexte, liturgische Texte, liturgische Farben, etc. Wieso es zwei Möglichkeiten gibt, diesen Tag zu begehen, entzieht sich meiner Kenntnis; da wir aber in der EKD kein einheitliches Bekenntnis haben, würde ich vermuten, dass sich das auf konfessionelle Unterschiede zwischen lutherischen, unierten und reformierten Gemeinden/Landeskirchen zurückführen lässt. Eine "evangelische Ordnung" muss und kann es aufgrund des vielfältigen Bekenntnisstandes in Deutschland nicht immer und überall geben. Es kam also niemand auf die "glorreiche Idee", das neu einzuführen, jedenfalls keine "übergeschnappte Arbeitsgruppe". Das soll Sie natürlich nicht davon abhalten, viel Meinung bei wenig Ahnung zu haben.
2) Für den Totensonntag bleibt auch unter der neuen Perikopenordnung die liturgische Farbe weiß (vgl. https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#835). Gibt also keinen Grund zur Aufregung.

Kernaussage Totensonntag:
Am Totensonntag oder Gedenktag der Entschlafenen stehen Abschied und Erinnerung an die Verstorbenen im Mittelpunkt.
In den Kirchen werden Namen verlesen und Kerzen entzündet. Ende des Kirchenjahres.

Seien wir doch mal ehrlich...Im Kirchenjahr/Herrenjahr Christus, der Retter ist da! - Das war die Verheißung, die die Hirten auf dem Feld hörten und auch die Weisen aus dem Morgenland waren diesem Ruf gefolgt. Ein Kind, wie jedes andere und doch so besonders, auserwählt und geschickt von Gott selber. Er wuchs auf, wie jedes Kind, spielte, tobte und lernte dann wahrscheinlich bei Joseph das Zimmermanns-Handwerk. Gott lies sich Zeit. Erst, als er so etwa 30 Jahre alt war, begann er mit seiner eigentlichen Aufgabe. Er zog herum und erzählte von Gott, und wie dessen Liebe uns alle umfängt. Und dann drei Jahre später, hängte man ihn ans Kreuz von Golgatha, dann Auferstehung usw.... Das Kirchenjahr handelt von Jesus Christus und nicht von irgendwelchen Menschen die gestorben sind. Klar kann man derer gedenken, macht doch jeder! Aber ins Zentrum rücken? Passt nicht!

3) An Totensonntag/Ewigkeitssonntag gedenkt i.d.R. die Gemeinde ihrer verstorbenen Mitglieder des ablaufenden Kirchenjahres. Ob diese gläubig, agnostisch, atheistisch oder wasauchimmer waren, spielt dabei erst einmal keine Rolle. In guter "evangelischer Ordnung" macht man das als Protestant nur mit Gott selbst aus. Ansonsten bricht sich keine Christin einen Zacken aus der Krone, wenn sie auch der verstorbenen Atheisten, etc. gedenkt und diese in ihre Fürbitte aufnimmt.
4) Selbst wenn man das nicht tun möchte, gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass man "ab dem Jahr 2019 die Ungläubigen für was Besonders erklären" will. Wo wollen Sie das denn gesehen haben? Selbst von der (fälschlicherweise angenommenen) schwarzen Farbe könnte man das nicht herleiten.
5) Sie haben kein Vetorecht, da die evangelischen Kirchen synodal organisiert sind. Aber da die Kernpunkte Ihrer Beschwerde gar nicht zutreffen, dürften Sie auch keines Vetos bedürfen.

Verehrter Antworter,

zunächst mal "muss" man wissen, was "Evangelisch-Sein" bedeutet: Nämlich
Sola fide, sola gratia, sola scriptura, solus Christus

Allein die Heilige Schrift hat Autorität in Glaubensfragen.
Allein durch Gnade sind wir errettet.
Allein durch Glauben nehmen wir die Rettung an.
Allein Christus ist das Heil

Schon allein aus diesem Grunde darf man keine Auswahlmöglichkeiten, Optionen, Alternativen, Gegenvorschläge, Gegenmodelle, oder andere Varianten oder andere Möglichkeiten im Kirchenjahr/Herrenjahr anbieten. Wer das trotzdem tut, ist unwissend und töricht.

Tscha! Wer die Wahl hat, hat die Qual!
Aufgrund vieler Alternativen ist es schwer für Synodale, Kirchengemeinderäte und dergleichen, sich schlau zu entscheiden.

Am Ewigkeitssonntag fällt meine persönliche Wahl eindeutig auf Jesus Christus und sein Gleichnis von den "nicht auf den Kopf gefallenen, vorausschauenden, klugen Jungfrauen".
Leider gibt es viel zu viele Menschen/ Gemeinden/Synodale/Kirchen die unkritisch und bescheuert planlos zwischen 2 Optionen, sich für die dümmliche Variante entscheiden..
Zum Beispiel am Ewigkeitssonntag für Variante 2: GEGEN Christus und FÜR Untreue..
 
 

Tod - Ewigkeit. Ewigkeit - Tod. Was liegt uns näher?

"Gedächtnis der Entschlafenen"? Ob nun diese Entschlafenen Agnostiker, Atheisten... waren oder eben nicht
oder Gedächtnis an die Ewigkeit?

Die Namen der evangelischen Verstorbenen Kirchenmitglieder des Jahres werden noch einmal im Gottesdienst verlesen, und es wird für jedes ehemalige Mitglied eine Kerze angezündet, das ist oft sehr bewegend und traurig.

Leider gibt es viele Familienmitglieder (Gläubige + Ungläubige) die es der Kirchengemeinde untersagen, dass der Namen ihres Verstorbenen verlesen wird. Obwohl Tote keinen Datenschutz haben. Dass für viele verstorbene Kirchenmitglieder keine Kerze angezündet wird, und derer nicht öffentlich gedacht wird im Gottesdienst, in Form von "Verlesen des Namens" das ist schon grenzwertig und diskriminierend. Anstatt 50 Verstorbene wurden letztes Jahr nur 8 Namen in unserer Kirche verlesen. Mal ehrlich: Was soll das? Entweder es ist Totensonntag oder man lässt dieses Prozedere im Gottesdienst einfach bleiben und feiert schlicht und einfach den Ewigkeitssonntag. Punkt. Aus. Amen.

Vielen Dank Frau Heu für Ihre Antwort und für den Erfolg, den Sie mir wünschen.

Was nu?
Bezeichnung: Letzter Sonntag des Kirchenjahres ?
Bezeichnung: Ewigkeitssonntag / Totensonntag ?
Bezeichnung: Letzter Sonntag des Kirchenjahres (Ewigkeitssonntag) als auch Letzter Sonntag des Kirchenjahres (Totensonntag) ?
Bezeichnung: Gedenktag der Entschlafenen ?
Bezeichnung: Staatlicher Schutz des Totensonntags in allen Bundesländern !

Moment mal! Was hat das mit unserem evangelischen Kirchenjahr zu tun?
Die staatlichen Feiertagsgesetze bestimmen diesen Tag als Gedenktag aller Verstorbenen, ob diese Verstorbenen nun unorthodox, Gottlos oder sonst was waren. Meiner Meinung nach hat der Staat den "Volkstrauertag", wo an alle Kriegsopfer und an alle Strenggläubigen und Ungläubigen Toten gedacht werden kann.

Wir sollten versuchen den Ewigkeitssonntag zurückzugewinnen als auch den endzeitlichen Charakter.

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