Suizid eines Freundes

gestellt von Anne am 8. August 2019

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,

lange schon beschäftigt mich diese eine Frage: Können/dürfen ungläubige Selbstmörder bei Jesus sein?

Ich hatte zwei Freunde, (beide leider nicht bei Jesus gewesen, nach meinem Kenntnisstand), die sich leider selbst getötet haben (beide waren depressiv). Mich treibt diese Frage täglich um; ich habe Angst, dass ich jene zwei Freunde nicht wiedersehen werde. Das macht mich sehr traurig. Einmal habe ich intensiv gebetet, fiel danach in Schlaf und hatte einen sehr realen Traum; - es war eher wie eine Szene, an der ich teilhaben durfte - dort vernahm ich die Stimme eines meiner Freunde, die nur zwei Worte sagte: Trennung und Dunkelheit. Dann vernahm ich eine Stimme von oben her, die sagte: Es gibt keine Dunkelheit, die nicht erhellt werden kann durch Jesus Christus. Es gibt keine Trennung, die nicht überbrückt werden kann durch Jesus Christus. Danach endete der Traum. Es hat sich dergestalt zugetragen. Dies waren eindeutig die Worte, die gesagt wurden. Es klingt wie eine Antwort bzw eine Zusicherung.

Was denken Sie? Ich weiß, dass das Urteil Jesu gerecht ist und sein wird.

Vielen Dank für ihre Antwort.

Herzlichste Grüße

Anne-Kathrin

Liebe Anne-Kathrin,

ich bitte um Verständnis, dass ich die Namen Ihrer Freunde, die Sie mit aufgeschrieben hatten in Ihrer Frage, hier nicht kenntlich werden lasse. Es tut mir leid, dass Sie diese schmerzliche Erfahrung machen mussten, die Sie hat miterleben lassen, wie zwei Ihrer Freunde sich selbst getötet haben.

In Ihrer Frage liegen mehrere Annahmen von Ihnen: Wer nicht bei Jesus ist, kommt nicht in den Himmel. Darum befürchten Sie, ihre verstorbenen Freunde im Himmel nicht mehr wiederzusehen, wenn Sie selbst gestorben sind.

Das sind eine ganze Menge Annahmen.

Ihr Traum, den Sie selbst gar nicht so hundertprozentig als "normalen Nachttraum" charakterisieren, gibt Ihnen eine sehr schöne Antwort - letztlich auch auf Ihre Annahmen. Der Traum kommt von Ihnen - als Resultat Ihrer Überlegungen und Gedanken. Sie können den Traum als Trost annehmen - denn das ist er allemal.

Zwei Dinge sind mir wichtig, Ihnen zu schreiben.

Sie schreiben, beide Freunde litten an Depression. Das war der Grund ihres Entschlusses. Da man sich, wenn man psychisch gesund ist, über Depressionen nur belesen kann, weil man sich niemals richtig hineinversetzen kann und soll - dann wird klar: ein depressiver Mensch ist krank. Die Psyche übernimmt, wenn die Krankheit schlimm verläuft, die Kontrolle über den Willen. Ein depressiver Mensch, der nicht rechtzeitig behandelt wird oder sich der Behandlung entzieht, kennt nur noch einen Ausweg aus dem schrecklichen Leid seiner Seele. Wenn ich mir auch nur ansatzweise versuche, das vorzustellen, dann kann ich nicht mehr von "willentlicher Sünde" ausgehen. Über Depressionen herrscht oft die Meinung, depressive Menschen bräuchten nur mal "eine ordentliche Ansage"  oder jemand, der sie eine Weile betreut. Aber damit nimmt man die Krankheit wirklich nicht ernst. Das zum Wesen der Krankheit und die Auswirkung auf die Beurteilung der Tat des Suizids.

Sie schreiben, dass Sie wissen, das Urteil Jesu wird gerecht sein. Sie wissen nicht ganz genau, ob oder wie sehr sich Ihre Freunde mit dem Glauben beschäftigt haben - oder ob sie sich an Gott wandten, als es ihnen schlecht ging. Wir dürfen und können darüber nicht entscheiden. Wir lesen im Timotheus-Brief: Gott will, dass ALLE Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1. Tim 2,4).

Gott ist Mensch geworden in seinem Sohn, weil alle Menschen Sünder sind. Wie sollte er da die, die am Leben verzweifelt sind, nicht in seinem Frieden annehmen und ihnen vergeben, dass sie es in dem Geschenk des Lebens nicht mehr aushielten und es selbst beendeten? Im Römerbrief schreibt uns Paulus eine Antwort auf unsere Unsicherheit:

 Keiner von uns lebt nur für sich selbst und keiner stirbt nur für sich selbst. Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn. Und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Ob wir also leben oder ob wir sterben – immer gehören wir dem Herrn!  Denn das ist der Grund, warum Christus gestorben ist und wieder lebendig wurde: Er sollte der Herr sein über die Toten und die Lebenden.  Du Mensch, was bringt dich nur dazu, deinen Bruder oder deine Schwester zu verurteilen? Und du Mensch, was bringt dich dazu, deinen Bruder oder deine Schwester zu verachten? Wir werden doch alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen! (Römer 14,7-9, Basisbibel)

Liebe Anne-Kathrin, schließen Sie Ihre Freunde in Ihre Gebete ein und lassen Sie sich durch die Bibelworte und durch die Worte Ihres Traumes trösten. Wir dürfen die Hoffnung haben, dass Ihre Freunde längst nicht mehr leiden.

Herzlicher Gruß - auch im Namen von Frank Muchlinsky!

Veronika Ullmann

P.S. Wenn Sie, die Lesenden, sich mit Fragen quälen müssen, mit denen Sie nicht fertig werden: Die Telefonseelsorge ist unter den Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar.

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