Ist Selbstbefriedigung sündhaft?

Gefragt von Anonym
Selbstbefriedigung

© lolostock/iStockphoto/Getty Images

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
vorweg die Frage ist ernst gemeint. Wie sieht es mit Selbstbefriedigung aus. Ist das sündhaft?
Und wie sieht es aus, wenn ich beim masturbieren an eine verheiratete Frau denke?

Liebe*r Anonym,

weil heute Valentinstag ist, möchte ich Ihre Frage beantworten, denn es gibt bestimmt viele Leute, die keine Partnerin und keinen Partner haben, mit der oder dem sie Sex haben können, und die sich darum heute besonders einsam fühlen. Schließlich ist der Valentinstag mittlerweile so etwas wie der "Internationale Tag für Liebe und Beischlaf" geworden. Wer heute keinen Sex hat, der oder dem wird heute an vielen Orten signalisiert: "Du machst etwas falsch!"

Darum will ich gern alle, die heute Sex mit sich selbst haben möchten, schreiben: Sei zärtlich zu dir! Mach dir keine Sorgen, was Gott davon halten könnte, wenn Du dich anfasst! Gott interessiert sich für die großen Dinge: Universum, Welt, Schöpfung, Liebe, Menschheit, Glauben und solche Sachen. Von Selbstbefriedigung steht aus gutem Grund nichts in der Bibel.[1]

Natürlich ändern sich die Dinge, wenn man bei der Selbstbefriedigung an jemanden denkt, der oder die verheiratet ist. Sie, liebe*r Anonym, würden nicht danach fragen, wenn Sie nicht der Meinung wären, dass das irgendwie nicht ganz in Ordnung ist. Als Christinnen und Christen kommen wir nicht daran vorbei, dass Jesus bei Matthäus sagt: "Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen.« Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen." (Matthäus 5,27-28) Man kann diese Stelle zum Beispiel so auslegen: Jesus verschärft das Gebot "Du sollst nicht ehebrechen", damit man sich gar nicht erst in Versuchung bringt. Man handelt also nach dem Motto: "Wehret den Anfängen!" Man kann diese Stelle auch so auslegen: Jesus macht damit deutlich, dass schon unsere Gedanken Sünde sein können. Beide Interpretationen ergeben Sinn.

Sie müssen also selbst entscheiden, wie viel Gefahr darin besteht, wenn Sie bei der Selbstbefriedigung an eine verheiratete Frau denken. Wenn Sie Angst haben, tatsächlich etwas Grundfalsches zu tun, das Sie und Gott entzweit, dann lassen Sie es lieber und denken Sie an jemand anderen. Wenn Sie das dann nicht lassen können, haben Sie weniger ein Problem mit Ihrer Selbstbefriedigung, als vielmehr mit Ihrer Beziehung zu dieser Frau. Wenn Sie aber keine Gefahr sehen, dass aus Ihrer Phantasie jemals ein vollständiger Ehebruch werden könnte, dann können Sie überlegen, ob Ihre Phantasie nicht verzeihlich ist.

Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal an den Anfang zurückkehren: Was immer Sie tun, seien Sie zärtlich mit sich selbst. Es dient niemandem, und ganz bestimmt nicht Gott, wenn Sie sich mit Ihrer Selbstbefriedigung quälen.

Alles Liebe!

Frank Muchlinsky

 

[1] Um den zu erwartenden Kommentaren zuvorzukommen, sei hier eingefügt, dass es in der Geschichte von Onan (1. Mose 38) nicht um Selbstbefriedigung geht, sondern darum, dass Onan sich weigert, mit seiner Schwägerin ein Kind zu zeugen.

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