Ist Selbstbefriedigung sündhaft?

gestellt von Anonym am 2. Dezember 2019
Selbstbefriedigung

© lolostock/iStockphoto/Getty Images

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
vorweg die Frage ist ernst gemeint. Wie sieht es mit Selbstbefriedigung aus. Ist das sündhaft?
Und wie sieht es aus, wenn ich beim masturbieren an eine verheiratete Frau denke?

Liebe*r Anonym,

weil heute Valentinstag ist, möchte ich Ihre Frage beantworten, denn es gibt bestimmt viele Leute, die keine Partnerin und keinen Partner haben, mit der oder dem sie Sex haben können, und die sich darum heute besonders einsam fühlen. Schließlich ist der Valentinstag mittlerweile so etwas wie der "Internationale Tag für Liebe und Beischlaf" geworden. Wer heute keinen Sex hat, der oder dem wird heute an vielen Orten signalisiert: "Du machst etwas falsch!"

Darum will ich gern alle, die heute Sex mit sich selbst haben möchten, schreiben: Sei zärtlich zu dir! Mach dir keine Sorgen, was Gott davon halten könnte, wenn Du dich anfasst! Gott interessiert sich für die großen Dinge: Universum, Welt, Schöpfung, Liebe, Menschheit, Glauben und solche Sachen. Von Selbstbefriedigung steht aus gutem Grund nichts in der Bibel.[1]

Natürlich ändern sich die Dinge, wenn man bei der Selbstbefriedigung an jemanden denkt, der oder die verheiratet ist. Sie, liebe*r Anonym, würden nicht danach fragen, wenn Sie nicht der Meinung wären, dass das irgendwie nicht ganz in Ordnung ist. Als Christinnen und Christen kommen wir nicht daran vorbei, dass Jesus bei Matthäus sagt: "Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen.« Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen." (Matthäus 5,27-28) Man kann diese Stelle zum Beispiel so auslegen: Jesus verschärft das Gebot "Du sollst nicht ehebrechen", damit man sich gar nicht erst in Versuchung bringt. Man handelt also nach dem Motto: "Wehret den Anfängen!" Man kann diese Stelle auch so auslegen: Jesus macht damit deutlich, dass schon unsere Gedanken Sünde sein können. Beide Interpretationen ergeben Sinn.

Sie müssen also selbst entscheiden, wie viel Gefahr darin besteht, wenn Sie bei der Selbstbefriedigung an eine verheiratete Frau denken. Wenn Sie Angst haben, tatsächlich etwas Grundfalsches zu tun, das Sie und Gott entzweit, dann lassen Sie es lieber und denken Sie an jemand anderen. Wenn Sie das dann nicht lassen können, haben Sie weniger ein Problem mit Ihrer Selbstbefriedigung, als vielmehr mit Ihrer Beziehung zu dieser Frau. Wenn Sie aber keine Gefahr sehen, dass aus Ihrer Phantasie jemals ein vollständiger Ehebruch werden könnte, dann können Sie überlegen, ob Ihre Phantasie nicht verzeihlich ist.

Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal an den Anfang zurückkehren: Was immer Sie tun, seien Sie zärtlich mit sich selbst. Es dient niemandem, und ganz bestimmt nicht Gott, wenn Sie sich mit Ihrer Selbstbefriedigung quälen.

Alles Liebe!

Frank Muchlinsky

 

[1] Um den zu erwartenden Kommentaren zuvorzukommen, sei hier eingefügt, dass es in der Geschichte von Onan (1. Mose 38) nicht um Selbstbefriedigung geht, sondern darum, dass Onan sich weigert, mit seiner Schwägerin ein Kind zu zeugen.

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Kommentare

Hallo zusammen....
Ich habe diesen Artikel gelesen zur Selbstbefriedigung.
Leider finde ich diese Auslegung leider etwas falsch und unaufgeklärt.
Wer Jesus im Herzen hat, sollte wissen, dass Gott regiert und im Mittelpunkt des Lebens steht. In diesem Moment der Selbstbefriedigung ist das ICH im Mittelpunkt und nicht mehr Gott. Es gibt einige Bibelstellen in der Bibel die darauf hinweisen, dass immer Gott der Mittelpunkt sein soll und nicht das ICH. Wer rein in die Ehe geht, kennt keine Selbstbefriedigung. Und Gott hat die Ehe geschaffen um sich dort Fortzupflanzen.

...mir hat diese Antwort gerade sehr geholfen! Ich glaube nicht, dass Gott böse auf uns ist, bloß weil wir Phantasien und "Spaß" mit unserem Körper haben. Kommt ja auch ganz darauf an, was man aus seiner Phantasie macht. Bleibt es bei einer Phantasie oder wird mehr daraus? Es liegt in unserer Hand.

Ich bin der Überzeugung, dass der Gott, den ich verehre und anbete ein Gott ist, der sich für ALLES interessiert und vor allem auch um die Kleinigkeiten in meinem unserem Leben. Denn sonst wären die 613 Gebote der Bibel für SEIN VOLK nicht nötig gewesen, die sich mit sämtlichen privaten Angelegenheiten beschäftigen. Daher, und weil ich der festen Überzeugung bin, dass Gott früher, heute und in alle Ewigkeit der SELBE ist, dass auch seine Vorstellungen von richtig und falsch sich nicht ändern! Mit dem vorweg gesagt, möchte ich auf die Stellen im alten Testament verweisen, die sich damit befassen, dass ein Mann bei einem Samenerguss außerhalb des Geschlechtsverkehrs unrein war und dies durchaus ein Indiz dafür sein kann, dass es von Gott nicht gewünscht ist, dass man sich selbst befriedigt! Denn Gott entscheidet über jedes Leben und die "Verschwendung" von potenziellem Leben ist Sünde.
Wem das nicht reicht, den verweise ich auf das neue Testament, in dem Paulus darauf hinweist, dass uns unser Körper nicht selbst gehört. Bis zur Hochzeit gehört er Gott und nach der Hochzeit dem Ehepartner.( 1.Kor. 7, 2-4) Und auch dort wird schnell klar, dass die Befriedigung unserer eigenen sexuellen Begierden von Gott dem Ehepartner anvertraut ist und nicht in Eigenregie zu befriedigen ist. Denn wir sollen den weltlichen Begierden entsagen.

In Jesaja Kapitel 5 Vers 20 steht folgendes: "Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!" Ich hoffe der richtige fühlt sich angesprochen und ich bete, dass Sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und die Suchenden und Fragenden nicht mit falscher Lehre auf falsche Wege bringen. Gott segne Sie und sei Ihnen gnädig. Er lasse sein Angesicht leuchten über Ihnen und gebe Ihnen Frieden! Amen