Welche Biblische Auslegungsmethode ist dies?

Gefragt von Adrian

Die Güte Gottes wird nicht beziehungslos dargestellt, sondern auch in ihren Konsequenzen für das Leben der Menschen miteinander, wie die Szene mit den murrenden Langarbeitern zeigt. Sie haben in der Tat mehr geleistet als die Kurzarbeiter. Nicht ihr Wunsch nach Lohngerechtigkeit als solcher setzt sie ins Unrecht, sondern die Art, wie sie mit diesem Wunsch umgehen. Sie machen ihren Wunsch nach Lohngerechtigkeit zur Waffe gegen andere. Sie sind neidisch (…). Sie gönnen den Kurzarbeitern den Denar nicht. Sie wären ruhig gewesen, wenn die Kurzarbeiter erkennbar weniger als sie selbst bekommen hätten. Hier werden nicht abstrakt Lohndenken oder Lohngerechtigkeitsforderungen kritisiert, sondern unbarmherziges, unsolidarisches Verhalten. Gott ist gütig und barmherzig, die Langarbeiter sind unsolidarisch und unbarmherzig. (…) Der Duktus des Gleichnisses ist nämlich klar: Es will nicht auf Kritik an Menschen hinaus, die in den Langarbeitern verschlüsselt dargestellt werden. Es will vielmehr um Menschen werben, Menschen anreden, deren Verhalten im Verhalten der Langarbeiter in einer übertriebenen Konsequenz dargestellt wird. Die Angeredeten sollen sich in dieser negativen Verfremdung gerade noch wiedererkennen können und, weil auch sie dieses Verhalten falsch finden, ihr eigenes Verhalten ändern. Das Gleichnis hat nicht ein negatives Ziel (Kritik), sondern ein positives Ziel: Es will Solidarität lehren.

Lieber Adrian, so ganz genau verstehe ich Ihre Frage nicht. Haben Sie den Text, den Sie in Ihrer Anfrage formulieren, in einem Kommentar zu einem biblischen Buch gelesen? Oder in einer Predigt gehört? Geht es Ihnen um die Methode der Auslegung, oder um die Frage, ob die vorgeschlagene Deutung richtig oder falsch ist? Eine Präzisierung Ihrer Frage und eine kurze Erläuterung zum Hintergrund würde mir helfen, Ihnen noch etwas genauer zu antworten. Grundsätzlich ist die biblische Geschichte von den Arbeitern im Weinberg eine Erzählung, die davon handelt, dass Gottes Gerechtigket möglicherweise anders aussieht, als das, was wir Menschen gemeinhin als gerecht empfinden. Gott prüft nicht, ob jemand mehr oder weniger geleistet hat, auch wenn wir Menschen zu den Arbeitern intuitiv vielleicht sagen würden: Klar, die einen haben mehr gemacht, also auch mehr verdient. Gott schaut aber nicht darauf, welche Leistung jemand erbracht hat, sondern erkennt jeden Menschen so an, wie sich ein solcher an ihn wendet - ohne Vorleistung. Er nimmt uns an, so wie wir zu ihm kommen. Nicht die Summe guter Taten oder die größte Leistung wird belohnt. Sondern die freie und ehrliche Hinwendung zu Gott ist jederzeit möglich. (Das wäre meine Deutung)Ich persönlich würde daher diese biblische Geschichte auch etwas anders auslegen, als der Autor des Textes, den Sie geschickt haben. Aber so ist es mit den biblischen Texten: Wir müssen sie auslegen, um sie zu verstehen. Und unterschiedliche Methoden führen auch zu unterschiedlichen  Deutungen. Da ist nicht unbedingt die eine richtig und die andere falsch. Wenn diese Antwort Sie jetzt unzufrieden zurücklässt, können Sie gern noch einmal nachfragen! Ich versuche gern, Ihnen zu antworten!

Herzliche Grüße, Ihre Anna Scholz

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