Warum ist die Fastenzeit sieben Wochen lang?

Flora
Hand an einem Abakus
©Getty Images/iStockphoto/Thomas Demarczyk

Überall steht, dass die Fastenzeit sieben Wochen lang wäre. Aber wir kommt man eigentlich darauf? Auch heißt es oft, dass die Fastenzeit 40 Tage betragen würde. Aber auch darauf komme ich nicht, wenn ich die Tage von Aschermittwoch bis Ostern zähle. Könnten Sie mir erklären, wie es zu sieben Wochen bzw. den 40 Tagen kommt? Viele Grüße, Flora

Liebe Flora,

Du hast Recht: Mathematisch scheint da etwas nicht zu stimmen mit den "Sieben Wochen Ohne" oder den 40 Tagen. Allerdings geht es bei der Fastenzeit auch nicht um Mathematik, sondern es geht vor allem um Symbolik. Aber der Reihe nach.

Die Fastenzeit ist die Zeit vor Ostern. Sie soll dazu da sein, sich auf das große Fest vorzubereiten, sich innerlich zu "reinigen". Darum wurde sie auch schon in der Antike als Bußzeit verstanden. Das bedeutete, dass man nicht zuletzt auf den Empfang des Abendmahls verzichtete, denn das Abendmahl steht ja auch für die Sündenvergebung.

Zunächst zur Zahl 40: Das ist eine heilige Zahl, weil auch Jesus laut der Bibel 40 Tage lang in die Wüste ging, um zu fasten. Seine 40 Tage in der Wüste symbolisierten auch bereits die 40 Jahre, in denen das Volk Israel durch die Wüste zog, bevor sie ins Gelobte Land durfte. Es bot sich also an, vor Ostern 40 Tage lang zu fasten. Allerdings gibt es ja vier Tage vor Ostersonntag den Gründonnerstag, und an dem zu fasten, machte keinen Sinn. Der Gründonnerstag ist der Tag, an dem gefeiert wird, dass Jesus mit seinen Jüngern gemeinsam das letzte Abendmahl hatte. Das ist ein Anlass zum Feiern, nicht zum Fasten. Außerdem wurde ab Karfreitag bis Ostersonntag noch viel strenger gefastet. Sie gehörten also im Grunde nicht zu den 40 Tagen. Darum wurde nicht von Ostersonntag, sondern von Gründonnerstag an 40 Tage rückwärts gezählt. So landete man beim ersten Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag "Invocavit."

Im Mittelalter änderte sich die Praxis des Fastens. An den Sonntagen wurden nicht mehr gefastet. Die Begründung war, dass Jesus schließlich an einem Sonntag auferstanden ist. Darum ist jeder Sonntag wie ein kleines Ostern, und man kann das Fasten unterbrechen. Gleichzeitig zählte man für die Fastenzeit nun doch wieder Karfreitag und Karsamstag zu den Fastentagen hinzu. Das bedeutete: 2 Tage mehr, minus 6 Sonntage dazwischen: Der Beginn der Fastenzeit musste um vier Tage nach vorn verlegt werden. So kam es zum Aschermittwoch.

Und die sieben Wochen? Nun, die sind aufgerundet. Nach christlicher Rechnung beginnt eine Woche immer am Sonntag, und angefangene Wochen werden als ganze gezählt. Darum "Sieben Wochen Ohne".

Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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