Geht eine Wiederheirat nach der Ehescheidung?

Gefragt von Ernestine Koettl

Sehr geehrte Frau Pastorin, ich habe gelesen, dass die evangelische Kirche zwar Wiederheirat nach Ehescheidung akzeptiert, jedoch an der Unauflöslichkeit der Ehe festhält. Wie lässt sich das vereinbaren? Verstehe ich da was falsch? Jesus sagt ja in der Bibel, dass nach einer Ehescheidung die Menschen alleine bleiben müssen. Soll man das nicht wortwörtlich nehmen? Vielen lieben Dank im voraus und herzliche Grüße, E. Koettl

Liebe Frau Koettl,

herzlichen Dank für Ihre Frage!

Es ist richtig, dass Jesus sagt: "Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!" (Mt 19,6) und "Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Unzucht, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe" (Mt 19,9). In Jesu Zeit war es möglich, dass sich ein Mann von seiner Frau scheiden lassen konnte, zum Beispiel, wenn keine männlichen Nachkommen aus der Ehe entstanden. Die Frauen blieben samt ihren Kindern nach einer solchen Ehescheidung oft mittellos zurück. Sie hatten oft kein eigenes Einkommen. Hiergegen wendet Jesus sich. Paulus schließt sich Jesus in diesem Punkt an und empfiehlt, dass sich voneinander Getrennte versöhnen und ehelos bleiben (1. Kor 7).

Daher ist das Thema der Ehescheidung auch in der evangelischen Kirche durchaus umstritten. Schon in der Antike, im Mittelalter bin in die heutige Zeit gibt es darüber verschiedene Meinungen. Martin Luther hat sehr klar gesagt, dass die Trauung - im Gegensatz zur katholischen Kirche - kein Sakrament ist, sondern ein weltliches Ding. Sie obliegt dem weltlichen Recht. Wenn sich zwei Menschen trauen und den Segen Gottes dafür erbitten, ist das zwar sehr schön, aber kein Heilszeichen.

Darüber hinaus besteht die Frage, ob eine bestimmte Beziehung tatsächlich gottgewollt ist? Hat Gott zwei Menschen zusammen gefügt, oder war das ihre Entscheidung? Das können wir letztlich nicht wissen. Vielleicht waren die beiden Menschen, die geheiratet haben, nie füreinander bestimmt. Wenn eine Ehe dadurch gekennzeichnet ist, dass sich zwei Menschen unglücklich machen, wenn sie von Streit, Gewalt, Unehrlichkeit, Untreue oder Manipulation geprägt ist, ist das kaum damit vereinbar, dass Gott Gutes für uns will. Eine gelingende, glückliche Ehe aber, eine von Liebe geprägte Ehe, das ist ein Segen und wird durch Gottes Segen begleitet.

Es ist so: Die einzige Liebe, die wirklich immer und ewig gilt, das ist Gottes Liebe. Sie gilt sogar über den Tod hinaus. Im Trau-Gottesdienst wird genau dieses Versprechen zwei Menschen zugesprochen. Egal was passiert, egal, welche Stürme die menschliche Liebe durchschütteln, Gottes Liebe gilt unauflöslich weiterhin. Er liebt euch, egal, wie ihr euch einmal entscheiden werdet.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,

bleiben Sie behütet,

Johanna Klee

 

 

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