Dürfen Christen Kleidung aus Mischgewebe tragen?

Gefragt von Jessika
Ein Herz für Wolle

©rocknwool/Unsplash

Hallo!

ich hatte mitbekommen, dass in der Bibel steht, dass Christen das nicht tun sollten oder dass es zumindest negativ dargestellt wird.

Können Sie mir den Kontext dazu erläutern? Und ob es heute vertretbar ist, Kleidung aus Mischgewebe zu tragen?

Ich freue mich über Ihre Antwort und bedanke mich im Voraus!

Liebe Grüße

Liebe Jessika,

vielen Dank für Ihre Frage. Im Alten Testament der Bibel steht in 3.Mose 19,19 und 5. Mose 22,9-11, dass kein Mischgewebe getragen werden soll. Es handelt sich hierbei lediglich um die Vermischung von Wolle und Flachs (Leinen) in einem Kleidungsstück. Der Hintergrund dieses Verbots wird nicht benannt. Es gibt unterschiedliche Erklärungsversuche.

Es geht um die Vermischung oder Vereinigung verschiedener Gattungen. Den biblischen Verboten der Vermischung liegt der Gedanke zugrunde, dass nach der biblischen Überlieferung/Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1) Menschen, Tiere und Pflanzen jeweils unabhängig voneinander geschaffen wurden. Manche sagen, das Verbot rührt daher, dass andere religiöse Gruppen sich mit einer Mischung aus Wolle und Flachs bekleidet haben. Dann wäre der Grund, sich von der nicht-jüdischen Umgebung zu unterscheiden. Letztlich allerdings wird kein Grund für dieses Verbot benannt.

"In Lev 19,19 ist die Anweisung Bestandteil der Verbote der Vermischung verschiedener Arten: ,Meine Satzungen sollt ihr halten: Lass nicht zweierlei Art unter deinem Vieh sich paaren und besäe dein Feld nicht mit zweierlei Samen und lege kein Kleid an, das aus zweierlei Faden gewebt ist.' Die Priesterkleidung war von dem Verbot ausgenommen (Ex 28,6; Ex 8; Ex 15; Ex 39,29) [...]." Auch die Zizit (Knoten am Gebetsschal) sind von diesem Verbot ausgenommen.

Es geht also in diesem jüdischen Gebot einzig und allein um eine Mischung aus Wolle und Flachs (Leinen). Es ist allerdings erlaubt z.B. einen Pullover aus Wolle und eine Hose aus Flachs (Leinen) zu tragen.

In der Bibel (Altes und Neues Testament) stehen viele Regeln, Gesetze, Verbote und Gebote. Manche davon haben einen bestimmten Kontext. Für viele Jüdinnen und Juden ist es wichtig, sich möglichst an alle Gesetze, Regeln, Gebote und Verbote zu halten. Jesus hat zwar ebenfalls davon gesprochen, dass er kein Jota vom Gesetz wegnehmen wird. Er hat aber auch gesagt, dass die Befolgung all dieser Dinge nicht zwingend zu Gott führe. Paulus hat dies noch deutlicher geschrieben: "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben." (Röm 1,17). Es geht also um das Verhältnis zu Gott und weniger darum, alles genau zu befolgen. Jesus hat dies an einer Stelle anders gesagt: "Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen [...]." (Mk 2,27) Die Bibel und ihre Inhalte brauchen die Diskussion.

Das kann zu verschiedenen Verständnisweisen führen.

Eine solche Diskussion, auch von Regeln, Gesetzen, Verboten und Geboten, ist unverzichtbar. Unterbleibt diese Diskussion, kann der Weg nicht zum Heil, sondern direkt in einen Fundamentalismus führen, der jegliche Lebens- und Glaubensfreude erstickt.

Ich möchte Sie ermutigen, die Kleidung zu tragen, in der Sie sich wohl fühlen und die zu Ihnen passt. Das Verbot Gewebe aus Wolle und Flachs (Leinen) zu tragen, hatte in der Antike sicher eine Bedeutung, die nicht überliefert ist. Sie betrifft uns Christinnen und Christen heute unter Umständen nicht mehr. Fast jedes Kleidungsstück, das wir heute kennen, besteht ja aus verschiedenen Materialien.

Viel wichtiger ist mir ein Gebot, dass Jesus als das "höchste" bezeichnet hat: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« Das andre ist dies: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Es ist kein anderes Gebot größer als diese." (Mk 12, 29-31)

Wenn es für Sie ein Ausdruck für Ihre Selbstachtung und die Achtung des Gegenübers, dem Sie gefallen wollen, ist, dann freuen Sie sich an den vielen Bekleidungsmöglichkeiten, die es heute gibt. Sie können frei entscheiden.

Es grüßt Sie herzlich,

Michaela Jecht

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