Verbietet die Bibel Lotto zu spielen?

Gefragt von Heber
Lotto-Kugeln liegen auf einem Lottoschein

©Tom Weller/dpa

ILLUSTRATION - 08.01.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Lotto-Kugeln liegen auf einem Lottoschein Auf der Suche nach dem groflen†Glück und/oder einem dicken†Batzen Geld haben Lotto-Spieler in der Corona-Krise ihr Verhalten den Pandemie-Umständen angepasst. Foto: Tom Weller/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Liebe Frau Scholl,
gibt es eine Bibelstelle, die besagt, dass Glücksspiele, wie Lotto usw von Gott verboten sind?
Ich freue mich auf eine konkrete Bibelstelle
Vielen Dank
K. Heber

Lieber Herr Heber,

 

herzlichen Dank für Ihre Frage. Ein ganz konkretes Verbot oder eine Erlaubnis im Hinblick auf das Lottospielen ist in der Bibel nicht zu erwarten, da es ja zu Zeiten des Mose oder zu Jesu Zeiten noch keine Lottoannahmestellen gegeben hat. Aber Scherz beiseite: auch Glücksspiel im Allgemeinen wird nicht explizit thematisiert.

Im Alten Testament wird z. B. davon erzählt, wie Josua das Los warf, um das Land Israel an die zwölf Stämme aufzuteilen (Jos 18,6). Bei diesen und anderen Erzählungen vom Loswerfen geht es aber immer darum, durch das Los den Willen Gottes zu ermitteln.

 

Über die Gier weiß die Bibel allerdings Einiges zu sagen, wie z. B. im 1. Timotheus: „Die entschlossen sind, reich zu werden, fallen in Versuchung und in eine Schlinge und in viele unsinnige und schädliche Begierden, die die Menschen in Vernichtung und Verderben stürzen.“ (1. Tim 6,9) Auch im Hebräerbrief finden sich Äußerungen zur Gier: „Seid nicht geldgierig und lasst euch genügen an dem, was da ist.“

Ausgehend von solchen Bibelstellen scheint es meiner Wahrnehmung nach um die innere Haltung dessen zu gehen, der Lotto spielt. Schwierig wird es dann, wenn die Gier und der Traum vom großen Geld derart groß sind, dass Menschen in einen Wahn verfallen und alles andere vernachlässigen. Bei ausgeprägter Spielsucht kann es schnell geschehen, dass jemand die Menschen, die ihn lieben, vernachlässigt und sich und andere in den finanziellen Ruin treibt. Selbst im Fall des Gewinnens ist die Frage, wie sehr ich mein Herz an Reichtum und materielle Dinge hänge.

 

Wie bei vielen Dingen im Leben geht es auch beim Glücksspiel um das Maß und die Frage, ob mein eigenes Tun mir und anderen schadet. Mein Vater hat leidenschaftlich gern Lotto gespielt. Dass er dabei insgesamt mehr Geld verloren als gewonnen hat, war ihm klar. Dennoch hörte er nie damit auf. Es war irgendwie seine Art, im Leben immer damit zu rechnen, dass alles auch von einem Moment auf den anderen anders werden kann. Es war ein Hobby, aber es war nie wichtiger als die Familie. Nach seinem Tod lief sein Lotto-Abo noch einige Wochen weiter und es wurde für meine Mutter und mich ein kleines Ritual gemeinsam die Lottoziehung zu sehen. Auch nochmal für ein paar Sekunden jede Woche, wie er damit zu rechnen, dass von einer Minute auf die andere etwas Ungeahntes geschehen kann. Meinem Gefühl nach, war Gott uns sehr nah in diese Momenten damals, wenn die Lottokugeln umherflogen und schließlich die Zusatzzahl verkündet wurden. Gewonnen haben wir nicht. Aber das hatte mein Vater ja auch nur sehr selten...

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen bei Ihrer Frage.

 

Herzliche Grüße

 

Katharina Scholl

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