Sünde wider den heiligen Geist?

Gefragt von Wolf

Was ist die Sünde wider den heiligen Geist?

Lieber Wolf, 

vielen Dank für Deine Frage. In christlichem Verständnis ist die Rede von der Lästerung wider den Heiligen Geist, wenn das Wirken des Geistes dem Bösen bzw. dem Teufel zugeschrieben wird. Ihre Wurzeln hat diese Wendung im Neuen Testament. In Mt 12,24 wird erzählt, dass Pharisäer und Schriftgelehrte Jesus im Zuge einer Dämonenaustreibung vorwerfen, er habe die bösen Geister durch Beelzebub (den Obersten der Dämonen) ausgetrieben. Diesem Vorwurf hält Jesus entgegen, dass er vielmehr durch die Kraft des Geistes handele (Mt 12,28). In Mt 12, 31-32 kündigt Jesus dann an, dass alle Sünden vergeben werden könnten, abgesehen von der Lästerung des Heiligen Geistes. 

 

Die Kirchenväter haben dann früher weiter ausdifferenziert, was unter einer solchen Lästerung verstanden werden könne und nennen hier bsw. Unbußfertigkeit bis zum Tod oder Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit. Dies und anderes sind immer Leugnungen der potentiellen Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Zudem nannten die Kirchenväter die vermessene Heilsgewissheit als eine Sünde wider den Heiligen Geist. 

 

Gerade dieser Aspekt hat in der protestantischen Tradition nochmal theologisch einen anderen Akzent erfahren, insofern hier allein der Glaube als Voraussetzung für das Heil gesehen wird. Hier wird also die Macht der alles (!) vergebenden Gnade akzentuiert. Voraussetzung bleibt aber dennoch, dass diese Gnade gesucht und nicht bewusst verworfen wird. In diesem Sinne lästert nach protestantischem Verständnis nur derjenige wider den Heiligen Geist, der sein offensichtliches Wirken dem Teufel zuschreibet. Glaubenszweifel oder das Hadern mit der gespürten Abwesenheit Gottes gehört wiederum nicht dazu. 

 

Insgesamt wird deutlich, dass wir es mit einer Beschreibung zu tun haben, die aus einem christlichen Selbstverständnis her Prägnanz gewinnt und überhaupt thematisch werden kann. So wie es insgesamt bei Sünde nicht in erster Linie um schlechte Taten geht, die ich bei einem anderen problamatisieren kann, sondern um eine Beschreibung meiner eigenen Existenz, so würde die Wendung "Sünde wider den Heiligen Geist" sicher ad absurdum geführt, wenn man beginnen würde jeden damit zu belegen, der sich heute nicht religiös versteht. 

 

Ich hoffe, ich konnte Dir etwas weiterhelfen. 

 

Herzlich

Katharina

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