Welche Bibelübersetzung soll ich kaufen?

Gefragt von Brigitte Pairan
Viele Bibeln im Kreis

©Getty Images/iStockphoto/Kara Gebhardt

Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
ich möchte gerne mein Bibelstudium vertiefen und mir eine Bibel zulegen, die Theologen zum Studium benutzen, oder Pastoren. Können Sie mir etwas empfehlen, ich bevorzuge eine Bibel, die so nah wie möglich an den Originaltexten geschrieben ist.
Ich danke Ihnen und wünsche
Alles Gute

Liebe Frau Pairan,

Frank Muchlinsky hat mich gebeten, Ihre Frage zu beantworten. Wie schön und spannend, dass Sie sich näher mit der Bibel beschäftigen wollen. Die Wahl einer Bibel ist tatsächlich gar nicht so einfach. Bevor ich etwas weiteraushole daher schon mal der grundsätzliche Tipp: Gehen Sie mal in eine gut sortierte Bibliothek (oder in einen Bücherladen, der in dem Bereich gut sortiert ist) und blättern Sie durch ein paar Bibelausgaben. Lesen Sie ein Bisschen darin. Denn: Auch wenn Ihnen wichtig ist, dass ihre Bibel nah am Urtext ist, muss es Ihnen trotzdem auch Freude machen, darin zu lesen. Wenn sie keine Bibliothek/Bücherladen in ihrer Nähe haben, der eine gute Auswahl hat, lesen Sie auf jeden Fall online in verschiedene Bibelausgaben hinein. Die wichtigsten Seiten mit einer guten Auswahl sind dabei www.die-bibel.de und www.bibleserver.de.

Nah am Urtext

Nun zur Auswahl. Die favorisierte Bibel hat schon viel mit dem eigenen Geschmack zu tun. Zu fast jeder Übersetzung finden Sie bestimmt eine:n Theologin:Theologen, der:die diese als Lieblingsausgabe hat. Darum ist es sinnvoll, einen kurzen Blick auf die grundsätzliche Eigenart von Übersetzungen zu werfen. Man kann die Übersetzungen in zwei Bedürfnisse einordnen. Das eine Bedürfnis ist eine möglichst wortgetreue Übersetzung des Urtextes. Die Eigenart und Aussagekraft der Ausgangssprache sollen möglichst gut in die andere Sprache übertragen werden. Am radikalsten machen das sogenannte "Interlinearübersetzungen", die unter die hebräischen und griechischen Worte jeweils Wort für Wort die Übersetzung notieren, ohne darauf zu achten, ob das in der Zielsprache Sinn ergibt. Zum Bibellesen sind solche Bibeln nicht geeignet; auch als Ergänzung zu einer sprachlich-verständlichen Bibel machen sie eigentlich nur dann Sinn, wenn man Grundkenntnisse in den Ursprachen hat.

Eine etwas abgeschwächte Version davon sind sogenannte "philologische Übersetzungen", die ebenfalls den Anspruch haben möglichst nah am Wortlaut des Urtextes zu sein, aber gleichzeitig darauf achten, dass die Übersetzung in der Zielsprache verständlich ist.

Nah an der Sprache der Lesenden

Damit wären wir auch schon beim gegenüberliegenden Bedürfnis. Möchte die Wort-für-Wort-Übersetzung möglichst nah am Urtext sein, versuchen sogenannte kommunikative Übersetzungen möglichst nah an der Sprache der Leser:innen zu sein. Die Übersetzungen sollen möglichst gut verständlich und wenig fremd sein. Ein – sehr unterschiedlich diskutierter – Versuch die Bibel an heutige Kommunikationsbedürfnisse anzupassen, ist die Volxbibel. Sie hat den Anspruch den Bibeltext in der Sprache der Jugend wiederzugeben.

Nun aber zu Ihnen: Sie suchen nach einer Übersetzung, die nah an die Originaltexte rankommt. Ich stelle Ihnen drei Bibeln vor, die das leisten:

Einzelne Beispiele

Die Elberfelder Bibel versucht im Deutschen möglichst exakt die Hebräische und Griechische Sprache wiederzugeben. Dazu gehört eine – wo es sinnvoll ist – "konkordante" Übersetzung. Das heißt, dass Worte aus dem Urtext immer mit demselben deutschen Wort wiedergegeben werden, also z.B. das griechische Wort "andros" immer mit „Mensch“ übersetzt wird. Das Prinzip der Nähe zum Urtext war den Übersetzenden dabei wichtiger wie auch die gute Verständlichkeit im Deutschen. Das macht sich beim Lesen bemerkbar. In der Elberfelder Bibel zu lesen ist mitunter anstrengend und erfordert viel Ausdauer.

Eine traditionsreichere Übersetzung ist die Züricher Bibel, die auf einen Übersetzerkreis des Reformators Zwingli zurückgeht. Die moderne Neuübersetzung der Züricher Bibel hat den Anspruch den Urtext sprachlich sorgfältig wiederzugeben, dabei aber auch gut lesbar im Gottesdienst, Unterricht oder im privaten Gebrauch zu sein. Sie ist als Ganzes neu übersetzt, während z.B. die Lutherbibel versucht, die sprachliche Besonderheit der Übersetzung Luthers bei neuen Auflagen der Übersetzung zu bewahren. Ich schätze an der Züricher Bibel außerdem die ein- bis zweiseitigen Einführungen in die einzelnen Bücher der Bibel.

Mein Favorit

Das neueste Exemplar und ein kleiner Schatz ist die Basis-Bibel. Sie verfolgt einerseits den Anspruch nah am Urtext zu übersetzen, andererseits aber modernen Lesegewohnheiten gerecht zu werden. Zentrale Begriffe werden konkordant übersetzt, am Rand befinden sich Erklärungen zu einzelnen Worten und Sachzusammenhängen. Den Lesegewohnheiten wird diese Übersetzung dadurch gerecht, dass sie fast durchgängig auf lange Sätze verzichtet und der Schriftsatz gut lesbar ist. Gerade hier empfiehlt es sich, mal einen Blick in eine Ausgabe vor dem Kauf zu werfen.

Sie merken schon: Mein Herz schlägt gerade für die Basisbibel. Ich finde, sie schafft einen guten Mittelweg zwischen Nähe zum Urtext und guter Lesbarkeit. Wenn es aber noch näher oder etwas traditioneller sein soll, sind die Zürcher und Elberfelder auch sehr zu empfehlen. Darüber hinaus gibt es noch unglaublich viele empfehlenswerte Bibelübersetzungen: die "Bibel in gerechter Sprache", "Die Schrift" von Buber-Rosenzweig, die "Hoffnung für Alle", die Lutherbibel von 2017 und so weiter. Und damit wäre ich auch beim letzten Tipp: Um einen Blick für die unterschiedlichen Übersetzungsmöglichkeiten zu erhalten, braucht man gar nicht mal die Ursprachen zu lernen, sondern es reicht schon, immer wieder in eine andere Übersetzung hineinzuschauen, also in mehreren Bibeln gleichzeitig zu lesen. Also einfach mal eine Übersetzung kaufen, immer wieder online auch andere Übersetzungen probieren und dann nach und nach Bibeln sammeln – immer ein gutes Weihnachtsgeschenk.

Viel Freude beim Lesen in der Bibel wünsche ich Ihnen!

Felix Weise

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