Lässt Gott mit sich handeln?

Gefragt von Monika

Was ich in einer anderen Frage gelesen habe, ähnelt sich mit meinem Erlebnis. Ich war Mitte 20 und musste laut Diagnose eines Arztes annehmen, keine Kinder bekommen zu können. Ich bat Gott um Hilfe und machte in meiner Not einen Handel: Er könne das Kind ja wiederhaben. Seit ich mit 28 meinen Sohn bekommen habe, frisst mich die Angst auf, ihn wieder hergeben zu müssen. Er ist nun mit 39 selber Vater zweier süßen Kinder. All diese Jahre lebe ich in der schrecklichen Angst, der Handel wird fällig. Ich weine jeden Tag. Und wenn mein Sohn mir erzählt, was er und seine Familie alles unternommen haben und wie schön es ist, plagt mich die Sorge, dass er das meinetwegen verlassen muss. Ich kann das niemandem erzählen, und es zermürbt mich, und ich bitte Gott um Verzeihung, dass ich ihm damals nicht vertraut hatte. Wird er mir meine damalige Naivität vergeben und meinem Sohn ein langes gutes Leben bereiten, an dem ich auch teilhaben darf?

Liebe Fragenstellerin, 

vielen Dank für Ihre Zeilen. Die Gedanken, die Sie umtreiben, klingen sehr bedrängend. Als damals der Wunsch sehr groß gewesen ist, ein Kind zu bekommen, war das sicher auch quälend. Dieses Problem haben ja wesentlich mehr Menschen, als man denkt, weil leider nur sehr selten darüber gesprochen wird. Für einige erfüllt sich dieser Wunsch nie. Was für ein Geschenk und was für ein Segen, dass es dann eines Tages bei Ihnen geklappt hat und Sie einen Sohn zur Welt gebracht haben.

Ich ahne, dasss man alles mögliche bereit wäre zu tun, wenn man sich so sehr ein Kind wünscht. In Ihrer Not haben Sie Gott ein Angebot gemacht. Wenn ich Ihre Zeilen lese, vermute ich, dass Sie sich Gott so vorstellen, dass er eine Gegenleistung erwartet für das, was er gibt. Nun scheint Sie die Sorge zu plagen, dass Gott eines Tages dieses Angebot einlöst und Ihrem Sohn etwas zustoßen könnte. Mein Gottesbild ist sehr anders. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott eine Gegenleistung verlangt für das, was er aus Gnade schenkt. Noch weniger kann ich mir einen Gott vorstellen, der eines Tages in einem willkürlichen Moment alles wieder nimmt, was Ihnen so ans Herz gewachsen ist. 

Trotzdem ist es aber ja so, dass das Leben auch zerbrechlich ist. Mir geht es manchmal so, dass ich, wenn ich etwas sehr schönes erlebe, schon ahne, dass es vielleicht bald vorbei sein könnte. Gerade, wenn etwas wie ein Geschenk vom Himmel fällt, kann da schnell die Sorge kommen, dass es auch genauso schnell wieder verschwinden kann. Niemand von uns hat die absolute Sicherheit, dass das Leben lang und gut werden wird. Jeder Tag ist ein Geschenk. Die wenigsten Lebenswege kommen ja ohne Tiefen und Unvorhergesehenes aus. 

Aber was ich Ihnen sagen kann, ist, dass Gott, so wie ich ihn mir vorstelle, da ist und an Ihrer Seite blreibt und an der Ihres Sohnes und seiner Familie. Es ist ja immer schwieirg, Jemandem zu sagen, dass er oder sie sich nicht sorgen soll. Denn Sorge ist ja etwas, wozu man sich nicht entscheidet, sondern sie macht sich in einem breit. Trotzdem fällt mir ein Bibelwort ein, das ich Ihnen gern ans Herz legen würde: "Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch." (1Petr 5,7). Ich glaube, dass Gott das tut und dass wir in vollen Zügen genießen können, was wir haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie etwas, von der Sorge, die Sie umtreibt abgegeben können. An Menschen, die Ihnen nahestehen, an mich, jetzt da wir uns darüber ausgetauscht haben, und an Gott. Überall da ist sie gut aufgehoben. 

Ihr Sohn, Sie, Ihre ganze Familie sei begleitet von Gottes Segen. 

Herzlich

Katharina Scholl

 

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