Wie finde ich inneren Frieden vor einer OP und bei Liebeskummer?

Heiner
Hände formen ein Herz im Sonnenlicht
©Getty Images/iStockphoto/busra_spir

Ich bin 71, sie ist 66, sie mag mich, ich liebe sie. Ich liege wach, weil ich gleich einen medizinischen Eingriff erwarte. Vor vier Jahren haben meine Freundin und ich uns getrennt, sind uns aber noch sehr verbunden. Am letzten Wochenende habe ich ihr meine Liebe zu ihr gestanden, da sie in eine andere Stadt zieht.
Das geschah ruhig und erwachsen. Sie gestand, mich auch noch sehr gerne zu haben.
Zurzeit betreut sie meinen Hund, da ich im Krankenhaus bin. Ich denke an nichts anderes als an sie. Gott habe ich gebeten, sich dieses Gefühls anzunehmen, da ich zusätzlich auch Angst vor meiner OP habe. Meine Gefühle spielen regelrecht verrückt.
Wie finde ich Ruhe und Frieden?

Lieber Heiner,

Liebe ist ein starkes Gefühl, voller Sehnsucht und Erfüllung. Liebe ist wie starkes Heimweh nach einer ursprünglichen Geborgenheit und die Liebe lässt uns dort ankommen wo wir hingehören. Wenn Sie in der letzten Nacht wach gelegen haben, sich mit diesem Gefühl großer Liebe auf Ihren Eingriff vorbereiten konnten, dann steht fest: Sie sind voller Lebensfreude und der Mut, sich dem Leben auch leidenschaftlich hinzugeben, hat Sie nicht verlassen. Man kann Ihnen nur gratulieren. Auch mit 71 Jahren bleibt Ihnen Jugendliches, das im Herzen bewahrt wird. Unser Schöpfer schenkt uns große Gefühle. Aber: Starke Liebe kann auch beunruhigend wirken. Also bleibt Ihre Frage: Wie finden Sie nun Ruhe und Frieden? 

Ich antworte Ihnen ganz persönlich: Vor einer großen Operation hatte ich eine schwere Nacht und ich habe viele Stunden gebetet. Psalm 23 und das Vaterunser haben mich begleitet. Jeden einzelnen Satz habe ich mit meiner Atmung verbunden, jedes Ausatmen wurde zum Gebet. In diesem ruhigen, langsamen Atmen keimte die Ruhe auf, die ich suchte. Im Beten erwacht eine Gewissheit, die den Sturm der Gefühle stillt. Da waren dann auch die Menschen, die ich liebe, unsichtbar um mich und irgendwann habe ich sogar geschlafen. Auf diese Weise fand ich später auch in die Narkose hinein. 

Im Atem und in vertrauten Texten, in den Bildern mit Licht und guten Menschen, liegt ein Kraftzentrum, das bändigend auf die wilden Wogen, die die Gefühle aufbauen, einwirkt. Vielleicht hilft das auch Ihnen. 

An die Stillung des Sturmes muss ich denken, da gebietet Jesus einem Sturm Einhalt. Ich bin mir sicher, er still Unruhe und ausbleibenden inneren Frieden, das tut er noch immer, denn es heißt: "Er bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille." (Markus 4,39

Ich wünsche Ihnen, dass Sie ruhig erwachen, genesen, Ihren Hund wieder in Empfang nehmen und einen Weg finden, Ihre große, starke Liebe zu leben.

Herzlich Ihr Henning Kiene 

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