Warum braucht man die weibliche Abkürzungsform Pfrn.?

Gefragt von Karl Rathgeber
illustratives Fragezeichen in einem Kopf und mit Symbolen verschiedener Geschlechter über dem Kopf

© AndreyPopov/iStockphoto/Getty Images

Guten Tag,
neben der bekannten Abkürzung Pfr. lese ich öfter Pfrn. oder Pfrin. Und dies manchmal sogar wenn es heißt Frau Pfrin, xy. Die Abkürzung Pfr. ist doch geschlechtsneutral, sie kann doch sowohl männlich wie weiblich gelesen oder gedacht werden.
Herzlich Karl

Lieber Karl, 

herzlichen Dank für Ihre Frage. Um einen sensiblen Umgang mit unserer Sprache gibt es ja gerade im Hinblick auf den Umgang mit Menschen verschiedenen Geschlechts in jüngster Vergangenheit ziemlich viele Debatten, die nicht selten emotional recht aufgeheizt sind. 

Ihre Frage gehört auch in diesen größeren Kontext. Sie finden, dass Pfr. als gebräuchliche Abkürzung reicht, weil man ja das Geschlecht am Namen ablesen könnte. Für mich geht es im Hinblick auf die von uns verwendete Sprache nicht bloß um das, was pragmatisch möglich ist, sondern auch darum, welche Wirklichkeit bei dem im Blick ist, wie wir sprechen. 

Im Hinblick auf den Pfarrberuf ist es so, dass dies lange Zeit ein männlich dominierter Beruf gewesen ist. Auch mir begegnet es hin und wieder noch, dass ich in meinem Beruf auf Menschen treffe, die meinen, eine Frau könnte das nicht richtig. Solche verqueren Haltungen werden Gott sei Dank sehr sehr viel seltener und verschwinden sukzessive, ganz überwunden sind sie aber immer noch nicht. Für mich als junge Frau im Pfarramt ist es da durchaus nicht ganz bedeutungslos, auch sprachlich oder eben in dem von Ihnen genannten Fall bei Abkürzungen zu markieren, dass Frauen Teil dieser Berufswelt sind (mittlerweile ja sogar der leicht überwiegende Teil). 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen bei Ihrer Frage. 

 

Herzlich

Katharina Scholl

 

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