Warum gibt es keine evangelischen Ministranten?

Florian

Ich finde es schon seit Langem schade, dass es in evangelischen Gottesdiensten keine Ministranten gibt. Im Gespräch mit gleichaltrigen Katholik*innen, die selber ministrieren oder ministriert haben, nehme ich jedes Mal mit, dass es viel Spaß macht, Verbundenheitsgefühl pflegt, viel über den Gottesdienst an sich lehrt, die Gelegenheit gibt, den Gottesdienst nicht nur als Zuschauer*in sondern aktiv mitzuerleben, also im Prinzip kirchliche Jugendarbeit ist, wie man sie sich wünscht. Deshalb meine Fragen, warum man dass in der evangelischem Kirche aufgegeben hat? Ist das einfach eingeschlafen oder steckt da was Tieferes dahinter? Und gibt es vielleicht im evangelischen Kontext ähnliche Strukturen, auch versuchsweise? Viele Grüße Florian

Lieber Florian, 

vielen Dank für deine Frage. Die Anregung, die du uns gibst, zeigt, dass dir der Gottesdienst und die Feier des Heiligen Abendmahls wichtig ist. Das verbindet dich mit unserem Fragen-Team. Die Feier des Gottesdienstes liegt dir und mir sehr am Herzen. 

In der Katholischen Kirche übernehmen Ministrant:innen einen doppelten Dienst. Ministrant:innen helfen dem geweihten Priester bei der Gabenbereitung und dem Halten liturgischer Bücher. Zugleich dienen sie den liturgischen Zeichen, sie tragen das Kreuz und die Kerzen und heben deren Bedeutung hervor. So zeigen sie ihre Sorge für den Gottesdienst und vertreten mit ihrem Dienst am Altar die ganze Gemeinde.

In der Evangelischen Kirche gibt es keine Priesterweihe. Die Pfarrer:innen sind ordiniert, also in den Dienst der Kirche berufen und gesegnet. Das evangelische Pfarramt leitet sich aus der Taufe ab. Mit der Taufe sind alle Menschen in den Dienst an Gottes Wort berufen. Laien und Pfarrer:innen begegnen sich nicht in einer Rangordnung sondern auf Augenhöhe. Die Pfarrer:innen vertreten die Gemeinde am Altar und handeln für die Gemeinde. 

Du fragst nach den tiefen Gründen: Seit der Reformation gilt das "Priestertum aller Getauften". Martin Luther sagt: "Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei."

In der Praxis bleiben die Pfarrer:innen selten allein. In fast allen Kirchen, die ich kenne, tun Ehrenamtliche im Gottesdienst ihren Dienst: Lesungen, Musik, Gebete und das Austeilen des Heiligen Abendmahls werden von ihnen verantwortet. Immer häufiger erlebe ich Gottesdienste, die von ehrenamtlichen Lektor:innen gehalten werden. Also: Es gibt die Beteiligung der "Laien" am evangelischen Gottesdienst. 

In vielen Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche treffen sich Gruppen, die den Gottesdienstablauf gemeinsam vorbereiten und mit schönen - auch musikalisch ausgestalteten - gut organisierten Gottesdiensten die Gemeinde erfreuen. Vielleicht möchtest du eine solche Gruppe bei Euch ins Leben rufen?

Ich kenne die Gartenkirche in Hannover. Dort gibt es Messdiener:innen, die im Abendmahlsgottesdienst assistieren, sie tragen schwarz-weiße Gewänder, halten ein Vortragekreuz, bereiten den Altar zur Feier des Abendmahls vor und räumen den Altar wieder ab. An Festtagen schwenken sie das Weihrauchfass. Das ist wirklich evangelisch und festlich. Vielleicht hast du die Möglichkeit dich dort einmal zu informieren. Aber auch dort gilt: Die Gemeinde verantwortet den Gottesdienst gemeinsam und der Pastor ist natürlich ordiniert und es gilt: Seine Berufung in seinen Dienst in der Gemeinde erfolgte - wie bei dir und mir - mit seiner Taufe. 

Herzliche Grüße, dein Henning Kiene 

Fragen zum Thema

Guten Tag und danke für Ihre Frage! In der Regel sind alle Daten zur Taufe - also neben…
Lieber Günther, das stimmt - Sie haben völlig recht. Bei den Protestanten gibt es keine…
Liebe Sabine, die Charismatische Bewegung ist, wie Sie vielleicht wissen, schon lange…