Warum schreibt ihr mit Gendersternchen?

Sabi
Würfel mit Symbolen von drei Geschlechtern
© Getty Images/iStockphoto/Devenorr

Guten Tag, 

warum schreibt ihr mit Gendersternchen? Warum schreibt ihr Christinnen und Christen? Wir sind drei Milliarden. Ist es nicht logisch, dass wir da beiderlei Geschlecht haben? Konzentriert euch wieder auf Jesus, statt diesen linken Unsinn mitzumachen. Gott hat zwei Geschlechter erschaffen. Warum macht ihr da mit, und warum habt ihr das Wort Gottes verlassen?

Liebe Sabi,

schön, dass du dich direkt bei uns meldest und nicht deine Ansicht einfach anonym irgendwo als Kommentar postest. Auf diese Weise gibst du mir eine Chance zu antworten, und das tue ich gern. Deine Frage ist zwar kurz, aber sie betrifft zwei oder sogar drei unterschiedliche Themen. Die möchte ich nacheinander ansprechen.

1. Das Sternchen beziehungsweise der Doppelpunkt 

Was wir hier schreiben, soll logischerweise gelesen werden. Auch meine Antwort an dich wirst nicht nur du lesen, sondern viele andere Menschen auch. Unter denen wird es Menschen mit männlichem und mit weiblichem Geschlecht geben und darüber hinaus auch solche, die sich selbst keinem dieser beiden Geschlechter zuordnen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich, und du musst auch erst einmal gar nicht zustimmen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Für diese Menschen ist das aber ein wichtiger Teil ihrer Identität. Wenn ich in meinen Texten hier alle Menschen meine, aber lediglich die männliche Form nutze, dann fühlen sich Menschen nicht angesprochen, beziehungsweise nicht gemeint.

Darum nutzen wir in unserer Redaktion eine Schreibweise, bei der sich alle Menschen angesprochen uns gesehen fühlen können. Wie gesagt, da spielt es erstmal gar keine Rolle, ob ich deren Position verstehen kann oder nicht. Es geschieht aus Respekt vor ihnen. Dieser Respekt ist uns sehr wichtig. Übrigens nutzen wir nicht das Sternchen, sondern wir benutzen den Doppelpunkt. Das wiederum tun wir, damit Vorlese-Programme für Menschen mit Sehbehinderung an der Stelle eine kleine Pause machen. Also wiederum eine Frage des Respekts vor den Menschen, für die wir unsere Texte schreiben. 

2. Der „linke Unsinn“ versus Jesus

Wie ich schon eben geschrieben habe, nutzen wir unsere Schreibweise aus Respekt vor Menschen, die sich bei einer rein männlichen Schreibweise ausgegrenzt fühlen. Wir verstehen genau das als ein Handeln im Sinne Jesu. Jesus hat uns aufgefordert, uns liebevoll allen Menschen zuzuwenden. Wir sagen: Dazu gehört auch, dass wir vermeiden, dass einige unserer Leser:innen sich durch unsere Schreibweise ausgeschlossen fühlen. Jesus selbst ist unsere Motivation, keine politische oder linke Ideologie. 

3. Zwei oder mehr Geschlechter?

Du hast Recht, wenn du schreibst, dass in der Bibel nur von Männern und Frauen die Rede ist. Was daraus theologisch folgt, ist aber nicht eindeutig. Es gibt diejenigen, die sagen, dass Gott damit, dass er den Menschen männlich und weiblich schuf, auch wirklich nur zwei Geschlechter geschaffen hat. Sie folgern weiter, dass darum alle, die sich außerhalb dieser zwei Geschlechter verstehen, gegen Gottes Vorschriften handeln. Andere weisen darauf hin, dass Gott in der Schöpfung alles schafft, was existiert. Dieses „Alles“ wird in der Bibel häufig durch Paare beschrieben: Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Meer und Land, Himmel und Erde. Mit diesen Paaren ist immer alles gemeint, auch das dazwischen. Es ist ja auch nicht so, dass morgens aus absoluter Dunkelheit plötzlich Licht wird und abends das Licht wieder ausgeknipst wird. Natürlich hat Gott auch die Dämmerung geschaffen. So kann man sich das auch mit den Geschlechtern vorstellen. Ja, es gibt männlich und weiblich, aber nicht zwangsläufig als entweder oder, sondern als zwei Pole. Zwischen denen ist viel möglich.

Diese Position musst du nicht teilen. Du darfst gern zu dem Schluss kommen, dass es Gott gefällt, wenn man sich eindeutig als Mann oder als Frau versteht. Es ist gut, dass es schon immer verschiedene Ansätze gegeben hat, wie die Bibel auszulegen ist. Es hat auch schon immer Streit deswegen gegeben. Aber immer auch wieder Versöhnung, weil alle Beteiligten an Gottes Wort interessiert sind und an ihm festhalten: Du, ich, alle anderen, die es mit ihrem Glauben ernst meinen. 

Alles Gute für dich.

Frank Muchlinsky 

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