Kreuz auf sich nehmen?

Gefragt von Lennart Ohm
Frau mit Kreuz Anhänger

Getty Images/FangXiaNuo

Ein Kreuz öffentlich tragen heißt zu seinem Glauben zu stehen.

Guten Tag Herr Muchlinsky,

meine Frage bezieht sich darauf, was es genau bedeutet, sein Kreuz auf sich zunehmen und Jesus nachzufolgen und wie Jesus das meinte, als er dies sagte?

Vielen Dank für Ihre Antwort

LG Lennart

Lieber Lennart,

Jesus meinte es sehr ernst mit seiner Botschaft von der Königsherrschaft Gottes. Es ging ihm darum, dass Gottes Wille eines Tages in jedem Winkel der Welt erfüllt wird. Gottes Wille aber ist, dass die Liebe das Maß aller Dinge ist: Die Liebe zu Gott und die Liebe der Menschen untereinander. Wer diese radikale Botschaft laut sagt, wer nach ihr leben will, kommt irgendwann zwangsläufig in Konflikt mit denen, die selbst an Herrschaft interessiert sind.

Zur Zeit Jesu war das ganz eindeutig das römische Reich mit seinen Besatzungstruppen und an der Spitze dem Kaiser, der sich selbst als göttlich verstand. Darum musste Jesus sterben, weil er Gott und die Liebe über alles andere stellte. Das war ihm schon vor seinem Tod bewusst, ebenso wie die Gefahr für alle, die ihm nachfolgen.

Wer Jesus nachfolgte, wusste ebenfalls, dass es gefährlich werden könnte. Das alles steckt in dem Satz, den Du zitierst. Er steht unter anderem im Matthäusevangelium: Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Wer zu mir gehören will, darf nicht an seinem Leben hängen. Er muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Weg folgen." (Mat 16,24, Basisbibel) "Sein Kreuz auf sich nehmen" bedeutet also, dass die Jünger bereit sein sollten, ebenfalls Schweres auf sich zu nehmen und auch hinzunehmen, dass ihr Weg in den Tod führen kann.

Jesus "nachzufolgen" hieß eben, sein Leben ganz und gar in seinen Dienst zu stellen. Dafür hatten die Jünger bereits ihre Arbeit, ihre Familien und ihre gesamte finanzielle Sicherheit hinter sich gelassen. Und nun sagte Jesus ihnen auch noch, dass es ihnen ans Leben gehen kann. Man darf nicht am eigenen Leben hängen.

Man kann und muss sich natürlich fragen, wie radikal das für uns Christ*innen heute gilt. Müssen wir bereit sein, Schweres auf uns zu nehmen, wenn wir Jesus nachfolgen wollen? Müssen wir bereit sein, das eigene Leben loszulassen? Ich denke schon, dass wir bereit sein müssen, auch unangenehme Konsequenzen zu tragen, die sich daraus ergeben, dass wir uns zu Jesus Christus bekennen. Das geht schon in Gesprächen los, in denen der Glaube zum Thema wird. Stehe ich zu meinem Glauben? Oder riskiere ich lieber nicht, für irgendwie weltfremd gehalten zu werden?

In Lebensgefahr kommen wir in Mitteleuropa nicht, wenn wir uns zu Jesus Christus bekennen. Aber wir sollten auch bereit sein, unangenehme Reaktionen zu ertragen, wenn wir Gott und die Liebe allein an die Spitze stellen.

Herzliche Grüße!

Frank Muchlinsky

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