Johannes der Täufer und Jesus

gestellt von laemmlein123 am 10. Januar 2012

Evangelium nach Johannes

Ich lese ab und an in meiner Bibel. Unter der Überschrift das Zeugnis des Täufers über sich selbst steht unter Vers 27.Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert , dass ich seine Schuhriemen löse. Meine Frage: warum ist Johannes es nicht wert? Denn er war ja ein Freund von Jesus, und dieser hatte in lieb. So steht es jedenfalls in der Thompson Studierbibel. Aber auf diese Frage habe ich noch keine Antwort gefunden. Denn als Freund könnte er im ja die Schuhriegel öffnen. Oder ist es so gemeint, dass Jesus unsichtbar ist und trotzdem unter ihnen war und man keinen unsichtbaren die Schuhriegel öffnen kann?

Dann im Vers 28 Steht Folgendes; das geschah in Bethanien jenseits des Jordans , wo Johannis taufte. Meine Frage oder Feststellung ist das daher einige Christliche Häuser den Namen Bethanien tragen.

Viele Grüße lämmlein
 

Liebe laemmlein,

Johannes ist ein recht häufiger Name zu neutestamentlicher Zeit. Darum zu allererst dies:
Johannes der Täufer ist nicht derselbe Johannes wie der Jünger „den Jesus lieb hatte“. Der Täufer war überhaupt nie ein Jünger Jesu. Ob er ein Freund Jesu war, wissen wir nicht. Die Bibel erzählt nur von einer einzigen Begegnung der beiden, bei der Taufe Jesu. (Wenn man von der Begegnung der Mütter der beiden absieht, als die schwanger sind, Lk 1,39ff.)

Nun zu der Frage: Warum sagt Johannes der Täufer in Joh 1,27 „Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse.“?
Johannes der Täufer predigte – ähnlich wie Jesus – dass das Reich Gottes nah sei. Er rief zur Umkehr auf und taufte alle, die das wollten, damit sie so ihre Bereitschaft zur Buße und zur Umkehr zeigen konnten. Wer getauft war, würde im kommenden Gericht Gottes gerettet werden.

Nun ließ sich – nach dem biblischen Zeugnis und vermutlich auch historisch – Jesus selbst von Johannes taufen. Das war für die ersten Christinnen und Christen ein Problem, denn für sie war Jesus ja der Christus, der Sohn Gottes, also jemand, der bestimmt keine Buße nötig gehabt hätte. Aus diesem Grunde wurde Johannes der Täufer in der Bibel eindeutig zum Vorläufer Jesu gemacht. Er wurde Jesus in vielen Bibelstellen untergeordnet, damit es keine Missverständnisse geben würde: Nicht Johannes, nein Jesus ist der Messias.
Der Evangelist Johannes macht das in dem von Ihnen genannten Vers ganz besonders deutlich: Johannes der Täufer sagt sogar von sich selbst, dass er unter Jesus steht. Er ist nicht einmal wert, ihm die Schuhe zu öffnen.

Die Tatsache, dass sich viele kirchliche Einrichtungen den Namen Bethanien tragen, hat sicherlich weniger mit dieser Geschichte aus der Bibel zu tun. Bethanien heißt auch der Ort, an dem Jesus gesalbt wurde (Mk 14,3ff.), der Ort der Himmelfahrt (Lk 24,50ff.) und der Heimatort von Maria, Marta und Lazarus, den Jesus auferweckte. (Joh 11,1ff.). Ich glaube, dass es eher diese Geschichten sind, die zur Namensgebung von kirchlichen Häuser führten.

Mit herzlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

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