Kirchenaustritt wegen Armut

Hanni
Kirchensteuer Stempel und Geld
epd-bild / Christian Ohde

Sehr geehrtes evangelisch.de-Team,

es ist traurig, dass jemand aufgrund eines engen Budgets aus der Kirche austreten muss.
Hätte es nicht die Möglichkeit gegeben, die Mitgliedschaft für die Dauer der prekären Verhältnisse kostenfrei zu erhalten?
Es hätte sich ja vielleicht auch in der Gemeinde jemand gefunden, der die Beiträge übernimmt.

Mein subjektiver Eindruck: Kirche nimmt Austritte hin, ein Bedauern klingt hier und da auf, aber ein echtes Bemühen um die Menschen erkenne ich leider immer weniger.

Ich danke für eine Einschätzung und Antwort!

Liebe Hanni,

ich nehme an, dass Sie auf die Frage von Viola anspielen, die ich vor Kurzem beantwortet habe. Gerade dort konnten wir uns engagieren. Es fand sich tatsächlich jemand, der gern die Kirchensteuer für Viola zahlen möchte. Wir haben gefragt und Viola möchte gern einerseits mit dem freundlichen User Kontakt aufnehmen, aber die Kirchensteuer möchte sie sich nicht von ihm zahlen lassen.

Ich möchte die Sache gern noch einmal etwas genereller angehen: Die Kirchensteuer berechnet sich nach der Einkommenssteuer. Das bedeutet einmal, dass Menschen, die kein eigenes Einkommen haben, auch keine Kirchensteuer zahlen müssen. Wenn ein Mensch aber – wie Viola – von Mindestlohn leben muss, wird auch dieser besteuert. Eine Lösung könnte sein, dass hier eine höhere Grenze eingeführt wird, ab der Kirchensteuer fällig wird. Eine andere Lösung aber wäre, den Mindestlohn so anzuheben, dass man sich davon auch noch erlauben kann, einen kleinen Beitrag Kirchensteuer zu zahlen.

Viele Menschen sehen es wie Viola und möchten eigentlich gern etwas beitragen. Ich finde es ärgerlich, dass in unserem Land Menschen so wenig verdienen können, dass sie es sich schlicht nicht leisten können, davon etwas für andere abzugeben. Derzeit wird wieder über die Erhöhung des Mindestlohnes gestritten, und es ist abzusehen, dass trotz hoher Inflation diese Erhöhung nicht ausreichen wird, um angemessen davon leben zu können.

Wenn wir Einzelfällen helfen, indem wir für sie zum Beispiel die Kirchensteuer übernehmen, wird sich am Grundproblem nichts ändern. Dieses Problem ist meines Erachtens nicht die Kirchensteuer, sondern die Armut.

Herzliche Grüße! Ich hoffe, Sie können meine Antwort nachvollziehen.

Frank Muchlinsky

Fragen zum Thema

Liebe Julia, Zunächst einmal müssen Sie und Ihr Freund nicht beide Kirchenmitglieder…
Liebe Frau Matjasch, wenn Sie in die evangelische Kirche eintreten möchten, geschieht…
Liebe Frau P., wenn Sie einen Arbeitsplatz in der Diakonie anstreben, der eine…