Kirche, Sekte oder Was?

Jana B.
offene Hände im Licht
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Hallo ihr Lieben! Vielleicht könntet ihr mal ein bisschen aufklären über - ich sag mal vorsichtig Religionsgemeinschaften. Es gibt da ja sowas wie Adventisten, Neuapostolische Kirche und... Wo darf ich so was einordnen? Wie stehen wir als evangelische Kirche dazu? Außer der Tatsache, dass natürlich jeder das Recht hat, zu glauben, was er will. Liebe Grüße Jana

Liebe Jana, 

neben den zwei "großen" Kirchen in Deutschland, der Katholischen und Evangelischen Kirche, gibt es eine Vielzahl an Freikirchen und anderen christlichen Glaubensgemeinschaften. 

Evangelisch.de hat vor längerer Zeit mal eine Serie zu Freikirchen gestartet, in der unter anderem die Sieben-Tags-Adventisten und die Apostolische Gemeinschaft, eine Abspaltung der Neuapostolischen Kirche besucht wurden. Die Serie finden Sie immer noch hier: 

https://www.evangelisch.de/serien/125072/10-05-2016/ueberblick-zur-evangelischde-serie-ueber-freikirchen

Eine gut informierte Einordnung von Freikirchen und religiösen Sondergemeinschafen bieten auch die Evangelischen Stellen für Weltanschauungsfragen. Im Lexikon der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen findet sich beispielsweise ein Lexikon mit Informationen zu verschiedenen religiösen Sondergemeinschaften (u.a. auch zur Neuapostolischen Kirche und zu den Freikirchen der Siebenten-Tags-Adventisten.)

Um aber kurz auf Ihre konkreten Einordnungsbeispiele zu antworten. Die Neuapostolische Kirche und die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten haben bei der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) Gastmitgliedschaftsstatus. Die AcK ist ein Zusammenschluss christlicher Glaubensgemeinschaft mit dem Ziel der ökumenischen Zusammenarbeit. Beide Kirchen sind also den zwei großen Kirchen in Deutschland und den anderen AcK-Mitgliedern grundsätzlich positiv verbunden. Während die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten schon seit 1993 Gastmitglied der AcK ist, ist die Neuapostolische Kirche erst 2019 dabei. Dem voraus ging ein interner Öffnungsprozess, an dessen Ende man sich der Ökumene weiter öffnete. 

Wie intensiv aber die evangelische Kirche mit den beiden von Ihnen genannten Kirchen zusammenarbeitet, ist je nach Ort sehr unterschiedlich. In beiden Fällen würde man aber aus evangelischer Perspektive nicht von Sekten sprechen. 

Ein ganz kleiner Exkurs zum Begriff "Sekte." Der Sektenbegriff ist in den vergangenen Jahren aber grundsätzlich kritischer betrachtet worden. Das liegt vor allem daran, dass der Begriff "Sekte" eigentlich nur negativ verwendet wurde und damit schon ein Urteil in der Bezeichnung mit drinsteckt. Das Schwarz-weiß-Denken dass durch eine Gegenüberstellung von ("guten") Kirchen und ("schlechten") Sekten gefördert wird, kann die Komplexität von den vielfältigen Glaubensgemeinschaften nicht gut abbilden.  Viele sprechen darum heutzutage lieber von "religiösen Sondergemeinschaften" oder eben "christlichen Glaubensgemeinschaften". Natürlich heißt das nicht, dass es nicht auch religiöse Sondergemeinschaften gibt, die fundamentalistische und gefährliche Praktiken und Glaubensvorstellungen vertreten. Das sollte aber in diesem Fall konkret benannt werden, anstatt einfach undifferenziert eine Glaubensgemeinschaft als Sekte einzuordnen. Von daher haben Sie, liebe Jana, in ihrer Frage eine gute Formulierung gefunden, als sie von Religionsgemeinschaften sprachen. 

Zum Schluss eine warme Empfehlung, sich bei der Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zu informieren! Das kann falsche Berührungsängste abbauen und den Blick für die Vielfalt christlicher Gemeinschaften, die viel umfangreicher ist als evangelisch und katholisch, weiten. 

Ich grüße herzlich, 

Ihr Pfarrer Felix Weise 

 

Fragen zum Thema

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