Luther und die Juden

gestellt von Rayv am 12. Januar 2018

Hallo Herr Muchlinsky,

ich bin grundsätzlich römisch-katholisch erzogen worden finde aber nach und nach das der evangelische glaube besser zu dem passt wie Gott ist. (Vermutlich ich will nicht anmaßend sein.) Demnach überlege ich die Kirche zu wechseln und meinen weg zurück zu einer Gemeinde zu finden und meinen glauben wieder zum bestandteil meines Lebens zu machen der über das tägliche "gespräch" bzw. Bitten an Gott hinaus geht.

Eime grundsätzliche Sache die mich aber Stört und die ich nicht ganz verstehen kann ist wie man sich auf jemanden stützen kann der schrieb:
1543 schreibt er, man solle Synagogen sowie jüdische Häuser und Schulen „mit Feuer anstecken und was nicht verbrennen will, mit Erden beschütten, dass kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich“.  https://www.luther2017.de/kr/wiki/martin-luther-und-die-juden/martin-lut...
Ähnliche Zitate findet man ebenfalls im Beitrag vom ZDF Neo Magazin.
So finde ich grundsätzlich die änderung gut die Luther hervorgebracht hat aber sich auf jemanden zu berufen der solch Hetzerische aussagen traf doch sehe fragwürdig. Das ganze dann noch als Spektakel aufzuziehen ohne die Person Martin Luther zu hinterfragen empfinde ich persönlich auch eher als negativ.
Was ist den heute die aussseinandersetzung der EKD zu Luther und diesen aussagen ?
Und wie soll ich mich auf den evangelischen glauben stützen wenn er von einem fehlerhaften Mensch begründet wurde?
Über eine Antwort würde ich mich freuen da ich zur Zeit in meinem eigenem Glauben sehr zerrisen bin und wieder halt bei Gott finden will vielleicht auch bald in der EKD.
Mit besten wünschen und eim Vergelts Gott für diesen Blog.

Lieber Rayv,

ich freue mich, dass Sie sich zur evangelischen Kirche hingezogen fühlen. Gleichzeitig kann ich verstehen, dass die Aussagen von Martin Luther über die Juden eher abstoßend finden. Mir geht es ebenso, und ich wünschte, der Reformator hätte sich niemals zu solch widerlichen Bemerkungen hinreißen lassen. Vor allem an seinem Lebensende hat er seinem Hass freien Lauf gelassen. Ihre Frage, ob man sich trotzdem auf ihn berufen kann, ist durchaus berechtigt. Macht man sich nicht quasi zu einem Nachfolger eines Antisemiten, wenn man sich Lutheraner nennt?

Diese Fragen hat sich auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gestellt. Zwei Jahre vor dem Reformationsjubiläum hat sich die Synode der EKD von den Aussagen Luthers zum Judentum distanziert. Das ist ein ausgesprochen deutlicher und seltener Schritt. Er bedeutet: So viel wir Luther verdanken, und so sehr wir sein Erbe ehren – hier machen wir einen Schnitt. Damit wollen wir nichts mehr zu tun haben. Das wollen wir nicht keinesfalls mehr weitertragen. Die Dokumentation darüber, wie sich die Synode mit den Schattenseiten Luthers befasste und die Kundgebung  selbst, können Sie unter diesem Link finden.

Auch im Jubiläumsjahr selbst hat sich die evangelische Kirche immer wieder mit diesem schweren Erbe auseinandergesetzt. Ich denke, dass dies der richtige Weg ist: Sich dem Problem zu stellen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Diese Konsequenz muss aber nicht heißen, Luther insgesamt zu verdammen. Dass wir uns mit unserer Lehre auf einen, wie Sie sagen, "fehlerhaften Menschen" beziehen, ist gerade das Besondere an der evangelischen Kirche. Luther selbst hätte es nicht anders gesagt. Unter seiner Fehlbarkeit hat niemand mehr gelitten als Martin Luther selbst. Das ist der Grund für seine Erkenntnis, wie sehr wir von Gottes Gnade und Vergebung abhängig sind.

Ich grüße herzlich

Frank Muchlinsky

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