Vergebung der Sünden ohne Beichte?

gestellt von Rüdiger am 16. Mai 2018
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Foto: lolostock/iStockphoto/Getty Images

Sehr geehrter Herr Pfarrer,
in der katholischen Kirche wird die Vergebung der Sünden nur durch die ehrliche Beichte in der Kirche möglich. Da ich evangelisch bin, bleibt mir das verwehrt? Wie kann ich um die Vergebung der Sünden bitten, bei Gott und bei Jesus Christus unserem Herrn?
Kann und darf ich als evangelischer Christ den Rosenkranz der heiligen Faustina beten?
Danke das ich die Fragen stellen durfte
Rüdiger

Lieber Rüdiger,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie sprechen damit ein sehr wichtiges Thema an, das gleichermaßen nicht besonders leicht zu verstehen ist. Schön, dass Sie sich trotzdem, oder gerade deshalb, heran wagen und genau nachfragen.

Zunächst möchte ich Sie auf eine Webseite der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verweisen. Da wird  Ihre Frage zum Teil bereits beantwortet. Lesen Sie den kurzen Abschnitt zur Beichte gern durch.

Wie Sie auch in dem Artikel sehen können, bleibt uns evangelischen Christ*innen die Beichte überhaupt nicht verwehrt, bloß erfahren wir sie nicht in einem Beichtstuhl, wie in der röm.-kath. Kirche üblich, sondern in einem persönlichen Gespräch mit einem/einer Pfarrer*in oder, so wird es in dem Abschnitt leider nicht beschrieben, im Gebet mit Gott direkt. Dazu möchte ich noch etwas ergänzen, denn das ist es, was uns in dieser Thematik hauptsächlich von der römisch-katholischen Kirche unterscheidet, dass wir auch im Gebet Gott unsere Sünden schildern und um Vergebung bitten können. Die sogenannte Absolution, also die verbale Bestätigung der Vergebung, fehlt dann zwar, aber ich verstehe sie trotzdem als inbegriffen, wenn Sie Ihre Sünden nicht nur bekennen, sondern diese gleichermaßen bereuen. So ist es auch im Gespräch mit Pfarrer*innen oder anderen Christ*innen: die Vergebung resultiert aus der Reue. Das ist es wohl, was Sie mit der „ehrlichen Beichte“ in Ihrer Frage meinen.

Die Art und Weise, in der Sie um die Vergebung bitten, kann ganz unterschiedlich sein. Sie können zum Beispiel Ihre eigenen Worte wählen und sich so ausdrücken, wie Sie es in Alltagsgesprächen tun. Es ist sozusagen ein Gespräch zwischen Ihnen und Gott. Sie können aber auch Gebete von anderen Menschen nutzen. In Ihrem Gesangbuch finden Sie dazu Anregungen (meist im hinteren Abschnitt, je nachdem, in welcher Landeskirche Sie zu Hause sind). Demzufolge können Sie für das Gebet auch einen Rosenkranz, der ja auch ein vorformuliertes Gebet mit Texten aus ganz verschiedenen Zeiten und Gegebenheiten ist, wählen. Dies schließt auch den sogenannten Barmherzigkeitsrosenkranz, der auf Schwester Faustina zurück geht und zum Barmherzigkeitssonntag gebetet wird, ein. In diesem wird, abgesehen von der zweiten kleinen Perle (a2), in der es um Maria geht, direkt Gott Vater adressiert. Das entspricht unserem protestantischen Ideal, Gott direkt anzusprechen. Soweit ich weiß, wird der Barmherzigkeitsrosenkranz deshalb auch manchmal zu ökumenischen Veranstaltungen gebetet, also von Katholiken und Protestanten gemeinsam. 

Ich möchte Sie ermuntern zu beten! Konkret zur Vergebung der Sünden, aber auch gern einfach so. Nutzen Sie dafür Ihre gängige Sprache und scheuen Sie sich nicht im Gebet Gott alles anzuvertrauen, was Ihnen unter den Nägeln brennt. Sprechen Sie gern auch mit Ihrem Pfarrer oder Ihrer Pfarrerin vor Ort darüber, wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Gespräch Ihnen auch helfen kann.    

Alles Gute wünscht Ihnen Pia Heu

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