Junge Leute in der Kirche - gibt's sowas überhaupt?!

gestellt von Stefan am 2. Dezember 2018
Jugendliche Kirche

©Getty Images/iStockphoto/JJFarquitectos

Hallo, ich gehe gerne sonntags zur evangelischen Landeskirche im Dorf. Aber dort sind nur ältere Leute. Letztens meinte auch einer zu mir, dass es ungewöhnlich ist mit 25 Jahren in die Kirche zu gehen, wie ist es in euren Kirchen so? Ich glaube, wenn man in einer Stadt zur Landeskirche geht, dass da mehr los ist.

Lieber Stefan, 

wir sind auf jeden Fall schon einmal zu zweit, denn auch ich gehe sonntags gern in die Kirche! Schön, dass du dich von der Überzahl älterer Menschen nicht abschrecken lässt und du, auch wenn es vom Alter her wenige Gleichgesinnte gibt, trotzdem gern dorthin gehst. Das freut mich und geht mir ganz ähnlich. 

Eine allgemeingültige Antwort kann ich auf deine Frage nicht geben, aber ein bisschen von meinen Erfahrungen kann ich berichten. Wer sonntags in die Kirche zum Gottesdienst geht, hängt von vielen Faktoren ab. Das ist auf dem Land, also in einem Dorf, genauso wie in einer Stadt. Einer ist z.B. die Uhrzeit des Gottesdienstes. Im Dorf und in der Stadt gibt es Früh- und Spätaufsteher - aber die Uhrzeit für den Gottesdienst steht fest und ist meist aus logistischen Gründen wenig variabel. Junge Leute schlafen manchmal sonntags gern länger und frühstücken ausführlich, da sie die gesamte Woche über meist recht früh aufstehen müssen, obwohl der Körper noch die eine oder andere Stunde Schlaf gebrauchen könnte. Dafür wird dann der Sonntag genutzt. 

Ein zweiter Faktor ist das Fornat des Gottesdienstes: handelt es sich um einen klassichen Gottesdienst? Gibt es vielleicht besondere Musik, in einer Art Kantatengottesdienst? Feiert man einen Familiengottesdienst? Gibt es Kinderbetreuung während des Gottesdienstes? Wer hält die Predigt? Ist vielleicht eine prominente Person in der Gemeinde zu Besuch? All diese Fragen haben Einfluss darauf, ob sich jemand dafür entscheidet zum Gottesdienst zu gehen oder nicht.

Betrachtet man zusätzlich noch das gesellschaftliche Phänomen, dass viele junge Leute aus den Dörfern in die Städte ziehen, ist in den Dörfern grundsätzlich schon einmal die Ausgangslage schlechter, wenn es um die Zahl der jungen Leute in den Gottesdiensten geht. Das lässt sich auch in Sportvereinen oder ähnlichem beobachten. 

Grundsätzlich haben mir Gottesdienstbesuche, sowohl im Dorf als auch in der Stadt gezeigt, dass junge Menschen sich oft nicht angesprochen fühlen von dem Angebot des sonntagmorgendlichen Gottesdienst. Oftmals sind Pfarrpersonen, gerade in eher ländlichen Gegenden, keine 25 Jahre mehr alt und beschäftigen sich mit Themen, die Ihre eigene Generation betreffen oder die sie glauben, dass sie den Großteil der Gottesdienstbesuchenden beschäftigen. Damit fühlen sich junge Menschen meist weniger angesprochen. 

Wie du siehst, gibt es viele verschiedene Gründe, warum so wenig Menschen +/- 25 am Sonntagmorgen in der Kirche sind. In einigen Gemeinden in größeren Städten findet man vielleicht wirklich den einen oder anderen jungen Menschen mehr. Abgesehen von ganz alternativen Formaten ist es aber auch hier üblich, dass vermehrt ältere Menschen im sonntäglichen Gottesdienst sind. Ich habe aber auch schon Gottesdienste erlebt, die voller junger Menschen waren, z.B. Christnachtgottesdienste oder -andachten in der Nacht von Heiligabend zum ersten Weihnachtsfeiertag oder zum Reformationstag ("Churchnight"-Gottesdienste). Auch Familiengottesdienste sind oft gut und jung besucht, genauso wie der Sonntagabend, der junge Menschen häufig eher anspricht. 

Wenn du das nächste Mal zum Gottesdienst gehst, dann nimm' doch vielleicht jemanden aus deinem Bekannten-, Verwandten- oder Freundeskreis in deinem Alter mit. Dann seid ihr schon zu zweit und man kann sich gleichzeitig danach über das Erlebte austauschen. Vielleicht wird ja eine gewisse Regelmäßigkeit daraus und bald bist du nicht mehr der einzige mit 25. 

Viele Grüße

Pia Heu  

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Kommentare

Bei unserer Kirche sieht es relativ ähnlich aus. In den regulären Gottesdiensten Sonntags bei uns in der Dorfkirche bin ich mit 18 Jahren schon bei den Jüngsten dabei, Konfirmanden sind bei uns aber noch fast immer anwesend und sonst ein paar andere in meinem Alter. Wenn es aber Jugendgottesdienste bei uns zu feiern gibt, sieht das ganz anders aus. Überwiegend Jugendliche und die Ältere Generation in einer kleinen Minderheit. Jugendliche sind in jeder Generation soweit ich das beurteilen kann im Durchschnitt nicht so kulturell glaubensbewusst wie die Ältere Generation, was einfach daran liegt, dass Jugendliche oft sehr ernsten Fragen des Lebens aus dem Weg gehen und erst später damit konfrontiert werden. Du bist da nicht alleine kann ich dir sagen und umso wichtiger ist es, dass wir Junge Menschen in der Kirche trotzdem weiter Sonntags hingehen, dass wenn andere Junge Menschen diesen Entschluss fassen sich nicht genauso alleine fühlen.

Zitat: "Du bist da nicht alleine kann ich dir sagen und umso wichtiger ist es, dass wir Junge Menschen in der Kirche trotzdem weiter Sonntags hingehen, dass wenn andere Junge Menschen diesen Entschluss fassen sich nicht genauso alleine fühlen."

Genauso wichtig ist es, meiner Ansicht nach, wenn die Älteren Gemeindeglieder in den Gottesdienst gehen, wenn zum "Jugendgottesdienst" eingeladen wird. Sie würden so erfahren, wie Jugendliche Gottesdienst feiern und könnten, unter Umständen, Vorurteile abbauen. Und warum soll es nicht auch Gottesdienste geben in denen beide Generationen, Junge sowie Ältere, etwas finden, was sie anspricht? Ein "Generationenübergreifender Gottesdienst" sozusagen! So ein Gottesdienst würde vielleicht etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen (satt 60 Minuten etwa 75 Minuten). Aber wer sich angesprochen fühlt, im Gottesdienst, der langweilt sich auch nicht und die 15 Minuten mehr fallen dann keinem auf. Nur so eine Idee von mir!

Warum sollten denn die jungen Leute in die Kirche kommen? In einer Welt wo der Dienst sich selbst im Vordergrund steht und die Kirchen in der Hoffnung an Popularität zu gewinnen sekulaere Moralvorestellungen predigen und den Willen des Individuums dem Willen Gottes voranstellen.
In einer Zeit wo die Wissenschaft ausgestorbene Arten wieder zum Leben erwecken kann und eine Jungfrauengeburt ein medizinischer Eingriff fuer gleichgeschlechtliche Ehepaare darstellt müssen wir uns wohl eine bessere Erklärung der biblischen Geschichte einfallen lassen um die Jugend hinterm Sofa hervorzulocken, vielleicht eine logische Erklärung fuer Jesus anstatt einer unnatuerlichen

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