"Heilige Schrift"

gestellt von Felix am 24. August 2019

Sehr geehrter Herr Muchlinsky!
Ich habe Fragen zur Bibel, zur Theologie und dem Glauben, sowie zu einer jüdischen Sichtweise.
Erstmal zur Bibel: Die "Heilige Schrift" wurde von Menschen geschrieben. Unterscheidet sie Ihrer Meinung nach grundsätzlich etwas von anderer Literatur? Warum wird das Buch der Bücher "Heilige Schrift" genannt? Gern auch: seit wann?
Zur Verdeutlichung meiner Frage: Sehen Theologen heute die Bibel als Menschenwerk, das nicht mehr oder weniger Gottesinspiration hat als alles andere, was der menschliche Geist erdacht hat? Oder wie sieht das Gros der Theologen die "Schrift"? Und warum wird sie von den meisten Menschen als etwas anderes, sich von sonstiger Literatur abhebendes, gesehen? Warum hat sie bei so vielen Menschen seit Jahrhunderten Autorität im Gegensatz zu anderen Werken?
Zu Theologie und Glaube: Gehört der Glaube an eine "Heilige" Bibel überhaupt zum christlichen Glauben? Wo kommt der Glaube (z.B. an das "Heilige" der "Schrift") her? Wie geht Theologie damit um, wenn sie zu einer anderen Auffassung diesbezüglich kommt als offensichtlich die meisten Gläubigen? Etwas weiter gefasst: Dient die Theologie dem Glauben und der Kirche? Und kommt Glaube überhaupt aus der Kirche, also von den Menschen?
Und falls Sie sich auskennen: wie wird im Judentum die Thora (und event. andere Schriften?) heilig gehalten? Was bedeutet hier heilig?
Viele Fragen. Aber mit Dank im Voraus für Ihre Antwort(en) und mit freundlichem Gruß,
Felix

Lieber Felix,

wir haben wir einiger Zeit einmal eine Antwort auf eine Frage zur Heiligkeit der Bibel gegeben, die Ihnen weiterhelfen könnte. Bitte schauen Sie hier einmal nach.

Mitf freundlichen Grüßen

Frank Muchlinsky

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Kommentare

Und katholisch! ;-)

Die evangelische Antwort in Ihrem link: die Bibel werde heilig genannt, weil ihr Inhalt über die Jahrhunderte bleibende Bedeutung für viele Menschen behalten habe, macht keinen Sinn. Dann müßten weit mehr Werke heilig genannt werden. Denn eine tiefere, zeitübergreifende Botschaft und Bedeutung lässt sich meiner Ansicht nach in fast jedem Menschenwerk finden.
Tatsächlich: bisher habe ich 'nur' Katholiken und Evangelikale gehört, die an die Heiligkeit der Bibel, bzw. ihre Inspiriertheit und insofern die Autorenschaft Gottes glauben. Obwohl Menschen geschrieben haben. Besser gesagt: nur evangelische haben den Begriff der Heiligkeit de facto aufgegeben.

Wie kommt's?

Ja, Felix. es WERDEN ja auch weit mehr Schriften heilig genannt. Nur eben nciht von uns Christinnen nud Christen. Für uns ist die Bibel die Heilige Schrift. Die Autorenschaft Gottes ist dafür nicht nötig. Und sie wird auch nicht von der katholischen Kirche behauptet.

Doch, das gehört zum katholischen Glauben, wie in dem link oben (kathpedia) nachzulesen. Gott ist insofern der Autor, als dass die Schrift inspiriert ist. Sie gilt deshalb als heilig. Wenn die Schrift nicht inspiriert ist, ist sie auch nicht heilig. Wird sie trotzdem so genannt, wird der Begriff der Heiligkeit ausgehöhlt, entleert.

In diesem link, gefunden auf Ihrem link zur Verbalinspiration, ist nochmal die katholische Sicht dargestellt:
"Gott ist der Urheber (Autor) der Heiligen Schrift." Ob via (z.B. lutherischer) "Verbalinspiration", "Ganzinspiration" oder welche Inspiration auch immer, ist zweitrangig. Wenn auch interessant. Hauptsache jedoch: inspiriert. Gottes Autorenschaft wird nicht in Zweifel gezogen. Das glaubt nicht nur die katholische, sondern auch die orthodoxe Kirche. Die meisten Menschen weltweit glauben das. Deshalb ist für sie die Schrift heilig.
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__PV.HTM

Was glauben Juden? Was ist heilig? Jesus sagte auch: alle Schrift ist heilig. Ein interessanter Diskurs, wert, darüber nachzudenken.

Die Erklärung, alles was Bedeutung behalten hat, sei heilig, greift nicht, denn es macht keinen Unterschied mehr zwischen Menschenwerk und Gotteswerk. Es entleert den Begriff der Heiligkeit seines Inhaltes.
Und das andere Kulturen andere Schriften heilig halten, ist noch kein Grund, das wir nun "unsere" Schriften heilig finden. Diese Kulturen werden ihre Gründe haben. Und vielleicht auch andere Vorstellungen von Heiligkeit. Was sind unsere Gründe? Was bedeutet für uns Christen "heilig"?

Aber die ist auch nach katholischem Verständnis nicht verbalinspiriert.

Aber die ist auch nach katholischem Verständnis nicht verbalinspiriert. Schauen Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbalinspiration

Es geht um Inspiriation. Verbalinspiration kann sein, ist dafür aber nicht zwingend. In kathpedia gut erklärt. Die Autorenschaft Gottes, darauf kommt es an. Und die wird angesichts der menschlichen Verfasser mit Inspiration erklärt. Somit ist die Heilige Schrift auch wirklich heilig.

Falls Sie das Thema Inspiration interessiert, es ist in dem link wirklich umfassend, treffend und verständlich erklärt und zusammengefasst. Ich hatte das bei meiner Recherche gar nicht erwartet, und bin froh, auf diese schlüssige Erläuterung gekommen zu sein.

Auch in Ihrem link der Wikipedia wird interessanterweise erklärt, dass die Idee der reinen Verbalinspiration von den Lutheranern erhoben wurde. Bei Katholiken gibt es beides: Verbalinspiration kann sein, auch in Teilen, muss es aber nicht. Augustinus war ein Vertreter der Verbalinspiration, andere wieder nicht. Ich finde gut bei den Katholiken, dass verschiedene Ansichten gehen und recht logisch erläutert werden, nicht aber wird die Autorenschaft Gottes und damit die Heiligkeit der Bibel (und damit die Heiligkeit Gottes!) in Zweifel gezogen.

Es kommt also nicht auf die lutheranische Verbalinspiration an, sondern auf die Inspiration; das Gott Urheber des 'Wortes Gottes' ist.

Davon ab: können Sie mit meinem Argument, dass mit dem Aufgeben des Begriffes der Heiligkeit auch der Glaube an Gott (als dem Heiligen) aufgegeben wird, etwas anfangen?

Danke, dass Sie noch antworten!

"Zwar schliesst die katholische Inspiration nicht aus, dass einiges auch ausdrücklich diktiert wurde, aber solch ein äusserer Zwang ist zur Inspiration nicht notwendig."

"Die Wahrheiten, welche die heilige Schrift ohne Irrtum lehrt, können hinter sachlichen Fehlern des Autors verborgen sein. Hier besteht die Hauptaufgabe darin herauszufinden, was die Schrift in einem Text wirklich lehren will. Erst das ist der irrtumslose Schriftsinn. Aber alles ist inspiriert."

Aber zur Frage, was Heiligkeit bedeutet, und warum Evangelische die Bibel heilig nennen, obwohl sie es nicht meinen, sind wir noch gar nicht vorgedrungen.

Davon ab: Interessant ist auch der Buchtipp Ihres linkes zur Eingangsfrage, der literaturwissenschaftlich an die Bibel herangeht. Auch dieser Autor hält die Schriftinspiration für nicht tragfähig. Dafür schlägt er vor, die Kanonisierung als inspiriert anzusehen. Dann müsste man sagen "Heiliger Kanon" statt Heilige Schrift. Dies zementierte jedoch die verschiedenen Glaubensgemeinschaften mit ihren verschiedenen "Kanoni". Jeder müsste sich nun entscheiden, ob er zum Beispiel an den katholischen, lutherischen, reformierten, orthodoxen, jüdischen oder ... "Gott" glaubt. Denn alle haben verschiedene Kanons und Einteilungen, die jede Glaubensrichtung nun als von "Gott" gegeben halten würde. Das Verbindende, die Schrift und ihr Inhalt selbst, wäre nicht mehr heilig. Nur die Zusammenstellung der erwählten, "unheiligen" Texte. WENN ich den Autor dieses literaturwissenschaftlichen Absatzes richtig verstanden habe.

Nicht zuletzt berichtet aber auch die Schrift selber, dass sie heilig, also von Gott sei. Der inspirierte Kanon wird von keiner Glaubensgemeinschaft behauptet, soweit ich weiß. Alle, außer einigen Evangelischen im Westen, glauben jedoch der Schrift, dass sie, wie auch immer, von Gott und damit heilig sei. Warum diese Evangelischen nun "traditionell" (?) von "heiliger" Schrift sprechen, obwohl sie gar nicht heilig meinen (heilig als von Gott kommend bzw. zu Ihm gehörend), verstehe ich nicht. Es ist unpräzise. Wenn dieser erodierende Umgang mit Sprache usus wird, wenn also die Begriffe inhaltsleer werden (gerade solch zentrale Begriffe), ist ein vernünftiges Reden miteinander und hierüber kaum noch möglich. Das sollte doch zu denken geben?

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